Erkelenz: Hegenscheidt: Einschneidende Maßnahmen

Erkelenz : Hegenscheidt: Einschneidende Maßnahmen

Die Mitarbeiter der Firma Hegenscheidt leben in unruhigen Zeiten.

Erst im Dezember gab es in dem traditionsreichen Erkelenzer Unternehmen mit Zustimmung des Betriebsrates 40 Entlassungen, jetzt steht der Belegschaft neues Ungemach ins Haus. Die rund 290 Beschäftigten sollen, so informierte die Industriegewerkschaft Metall, neue Arbeitsverträge unterzeichnen, die nichts mehr mit den tarifvertraglichen Vereinbarungen gemein haben. Jeder Beschäftigte soll einen Einzelvertrag unterzeichnen, der für ihn gravierende Nachteile hat, wie IG Metall-Sprecher Friedel Coenen und der Betriebsratsvorsitzende Bernd Altmann meinen.

Die Hegenscheidt-Mitarbeiter sollen demnach bei einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden und einer Urlaubsreduzierung auf 25 Tage auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten. „Das macht zwischen 2600 und 6500 Euro im Jahr aus”, hat Altmann errechnet.

Warum die Firmenleitung mit derart einschneidenden Maßnahmen agiert, will sich der IG Metall und dem Betriebsrat nicht erschließen. „Wir haben im Dezember den Entlassungen zugestimmt, weil es einen Auftragseinbruch in Höhe von 30 Prozent gab”, berichtet Altmann. „Wider Erwarten gab es Anfang des Jahres eines Großauftrag, so dass für dieses Jahr die Auslastung gewährt ist. Es gibt gar keinen Grund, bei der Belegschaft zu sparen.” Coenen ergänzt: „Wenn es dem Unternehmen wirtschaftlich schlecht ginge, könnten wir ja darüber reden, wie wir die Situation aller verbessern können. Aber die Firmenleitung scheint gar nicht an einem Gespräch mit uns interessiert zu sein.”

Hegenscheidt erwirtschafte einen Jahresumsatz von 55 bis 58 Millionen Euro, so Altmann, das Unternehmen, so sei ihm erläutert worden, müssen Kosten reduzieren, um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben. „Wir sind zu teuer”, zitiert der Betriebsratsvorsitzenden den Geschäftsführer Dr. Naumann. Er legt noch ein Zitat nach: Sollte nicht am Standort Erkelenz gespart werden, müsse Hegenscheidt über eine Verlagerung der mechanischen Fertigung oder der Montage nachdenken. Sollte das Ziel nicht erreicht werden, „dann mache ich den Laden dicht”, zitiert Altmann den Geschäftsführer.

Dessen Blick scheine in Richtung Osten nach Chemnitz zu gehen. Offenbar wolle er die Produktions- und Gehaltsverhältnisse in seinem dortigen Werk auf Erkelenz übertragen.

Die Firmenleitung ist nicht untätig geblieben. Auch sie informierte die Belegschaft und spricht von einer „ernsten und bedrohlichen Situation” für das Unternehmen. Man wolle „mit wettbewerbesfähigen Arbeitsplätzen die Zukunft” sichern und biete bei Unterzeichnung eines Einzelvertrages unter anderem eine Beschäftigungssicherung für mindestens zwei Jahre ohne weitere Einschränkungen und eine Gewinnbeteiligung nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr sowie ein leistungsorientiertes Lohnmodell an.

Wie sich die Situation entwickelt, wissen weder Coenen noch Altmann. Sie raten den gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten der Firma Hegenscheidt - rund 70 Prozent der Belegschaft - keinen Einzelvertrag zu unterzeichnen. Wenn es hart auf hart kommt, könne es, so Coenen, zu einer ganzen Reihe von Arbeitsgerichtsverfahren kommen. „Wir wollen die Einhaltung der Tarifverträge gewährleistet wissen”, auch in einem Unternehmen, das nicht direkt an die Tarifverträge gebunden ist und den Anerkennungstarifvertrag zum 31. Januar gekündigt hat.