Ratheim: Hauptschüler erteilen Leseunterricht

Ratheim : Hauptschüler erteilen Leseunterricht

Jeden Montag stehen sie schon da im Foyer der Grundschule „Im Weidengrund”. Grundschüler aus allen Schuljahren werden von ihren „Paten” abgeholt. Sie gehen in einen der freien Räume der Grundschule und lesen zusammen.

Jeweils eine Stunde üben die Grundschüler dann die verschieden Texte und äußern sich zum Textverständnis. 15 Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftshauptschule Ratheim kommen jede Woche zum Schlackerweg. Die „Paten” gehören dem Wahlpflichtunterricht des achten Jahrgangs an.

Insgesamt 35 Schülerinnen und Schüler des ersten bis vierten Schuljahres erhalten montags in der fünften oder sechsten Stunde eine ganz individuelle Betreuung beim Lesen. Die Grundschüler schlagen ihre Lesebücher auf und gehen mit den Fingern noch einmal die Zeilen des zuletzt geübten Textes entlang, oder die Hauptschüler bieten weiteres Lesematerial an. Das können kleine, jahrgangsgerechte Bücher sein, aber auch Übungsblätter für sinnentnehmendes Lesen oder visuelles Training.

Zu Beginn des Schuljahres hatten Silke Puspas, Konrektorin der Grundschule, und Peter Ruske, Lehrer an der Hauptschule, überlegt, den Schülern der Grundschule und der Hauptschule ein gemeinsames Angebot zu machen, von dem alle profitieren könnten. Nach der viel zitierten Pisa-Studie, bei der vor allem die mangelnde Lesekompetenz im Vordergrund stand, sind neben den Landesprogrammen auch lokale Lösungen gefragt.

Um nicht die Auswirkungen der Landesprogramme abzuwarten, erarbeiteten die beiden Pädagogen ein System der Lesehilfe. Es setzt schon bei den Grundschülern an, weil man nicht warten will, bis die Lücken zu groß sind.

So werden im direkten und gegenseitigen Austausch die Grundschüler für ein besseres Lesen gefördert und die Hauptschüler für das Erlernen der Sprache sensibilisiert. Zudem wird den älteren Schülern bewusst, dass sie sich schon einiges angeeignet haben, und dass es jüngere gibt, die von ihnen lernen möchten. Das Sozialtraining wird am Montag dann schon fast automatisch mitgeliefert.

Diese Art der Zusammenarbeit lässt Schüler und Lehrer der beiden Schulen wieder ein Stück zusammenwachsen.

Immerhin gab es schon Kontakte zwischen der Grundschule „Im Weidengrund” und der Gemeinschaftshauptschule über die Schülerfirma „Candyland”, über Technik-Kurse und über die Lehrerinnen und Lehrer der vierten und fünften Schuljahre.