Hasselsweiler/Kreis Düren: Hasselsweiler Milchkuh aus der Champions League

Hasselsweiler/Kreis Düren : Hasselsweiler Milchkuh aus der Champions League

Die Kühe im Stall von Familie Theune in Hasselsweiler führen ein bewegtes Leben. Sie sind nämlich nicht angebunden, sondern in einem „Liegeboxenlaufstall“ weitgehend sich selbst überlassen: Fressen, ruhen, wiederkäuen, Kontakt mit Artgenossen oder auch kurz vorbei an einer „Schubbel“-Anlage, wo rotierende Bürsten mal ordentlich das Fell bürsten.

Nur zum Melken müssen sie eine Zeitlang am anderen Ende des Stalles anstehen. Im Sommer kommen sie jeden Tag auf die Weide. Diese Haltung unterscheidet sich sehr deutlich von der noch in den 90er Jahren, als die überwiegende Zahl der Milchkühe an der kurzen Leine gehalten wurden. Und das zahlt sich für alle Beteiligten aus, denn auf dem Theune-Hof leben die Zuchtrinder länger, sie geben mehr und bessere Milch.

Vertreter der Landwirtschaftskammer und des Rinderzuchtvereins Kreis Düren zeichnen den Hasselsweiler Betrieb aus (v.r.): Georg Theune, Susanne Jennissen-Koch, Erich Gussen, Robert Knops, Thomas Theune und Andreas Ramminger. Foto: Uerlings

Drei Mal in Folge war der Betrieb der beste im Kreis Düren und wurde als einer von nur zehn Zuchtbetrieben in Nordrhein-Westfalen von der Landwirtschaftskammer mit der Silbermedaille ausgezeichnet.

Thomas Theune (37), der das landwirtschaftliche Unternehmen von seinem Vater Georg übernommen hat, geht mitunter eigene Wege. Der Züchter bringt seine Überzeugung auf eine kurze Formel: „Um von den Tieren das Meiste und Beste zu erhalten, muss man ihnen auch das Beste bieten.“ Das funktioniert sehr gut, wie zum Beispiel die Milchqualität beweist, die bei jeder Molkereianlieferung streng kontrolliert wird.

„Es gibt keine Milch, die unbeprobt in den Handel kommt“, erklärt Susanne Jennissen-Koch, die Unternehmensberaterin bei der Landwirtschaftskammer ist. In Begleitung von Kreislandwirt Erich Gussen sowie Verantwortlichen des Rinderzuchtvereins Kreis Düren, Robert Knops (Vorsitzender) und Andreas Ramminger (Geschäftsführer), haben sie dem Hof in Hasselsweiler einen Besuch abgestattet und die Urkunden im Gepäck.

Neben der Silbermedaille gibt es auch eine Auszeichnung für „Elsa 0534403429 vom Ettal“. Das ist nämlich eine 100.000-Liter-Kuh. Sie hat bei Theunes diese Menge Milch geliefert, was wirklich außergewöhnlich ist. Der Durchschnitt im Kreis Düren an Lebensleistung lag im vergangenen Jahr bei 28.174 kg. Elsa (12) lebt noch, schaffte fast vier Mal mehr und ist eine Art Schwarzbunte aus der Champions League. Hier wird deutlich, dass sich gute Haltungsbedingungen in einem langen Kuh-Leben mit hoher Produktivität zeigen und betriebswirtschaftlich von Nutzen sind.

Stimmt auch die Milch-Qualität, erzielt der Produzent den bestmöglichen Preis bei der Molkerei. Derzeit sind das laut Thomas Theune rund 36 Cent brutto pro Liter. „Für uns ist das jetzt auskömmlich. Wir kommen aber aus dem 20-Cent-Bereich, da war das anders. Und Betriebe, die investiert haben, brauchen sicher um die 40 Cent“, erklärt der Landwirt die Preis-Rallye innerhalb von Monaten. Die Landwirts-Familie aus Hasselsweiler bestellt auch Felder, um Futter für die Rinder anzubauen oder auch Zuckerrüben zu vermarkten und steht somit auf mehreren Standbeinen.

Viele Milchviehhalter haben im Kreis Düren angesichts wachsender Anforderungen an die Haltung und ungewisser Preise aufgegeben. In zehn Jahren hat sich nach Angaben des Rinderzuchtvereins die Zahl fast halbiert: von 153 auf 84 Familien. Dafür hat sich die Zahl der Milchkühe im gleichen Zeitraum auf 79 pro Betrieb verdoppelt. Weniger Höfe erhöhen die Produktionsmenge. Das ist auch ein Rat der Kammer.

Anders in Hasselsweiler: Die Theunes haben den Bestand vor zwei Jahren von 95 auf 60 reduziert. Thomas Theune sagt mit einem verschmitzten Lächeln: „Ich sehe das betriebswirtschaftlich eben anders.“