Städteregion: Handwerkskammer: Junge Meister haben viele frische Ideen

Städteregion : Handwerkskammer: Junge Meister haben viele frische Ideen

Meister fallen ja, wie allgemein bekannt, nicht vom Himmel, sondern haben einen mitunter beschwerlichen Werdegang hinter sich. Das zeigte sich auch bei der Meisterfeier der Handwerkskammer Aachen in der Stadthalle Alsdorf.

Dort nahmen am Wochenende insgesamt 262 Handwerkerinnen und Handwerker aus allen möglichen Berufsgattungen aus der gesamten Region ihren Meisterbrief entgegen, den sie sich mit ihrem praktischen Können und theoretischen Wissen erarbeitet haben.

Dabei ist der berufliche Weg von Tischlern, Metallbauern und Kfz-Technikern heute längst nicht mehr so klar vorgezeichnet, wie es die Berufsbezeichnungen nahelegen. Die derzeitige wirtschaftliche Hochkonjunktur biete vielen Fachkräften auch die Freiräume, sich zu spezialisieren und ihren eigenen Betrieb auf die Beine zu stellen, erklärte der Präsident der Handwerkskammer Aachen, Dieter Philipp.

Ungewöhnliches Konzept

Und tatsächlich war Unternehmensgründung das bestimmende Thema bei der Veranstaltung. Eine, die diese Erfahrung bereits gemacht hat, ist Nicole Lavalle: Die Augenoptikermeisterin hatte bereits 2005 ihre Meisterprüfung bestanden und danach zehn Jahre lang für Großunternehmen in dem Bereich gearbeitet. „Ich wusste aber, dass ich noch viele Jahre in diesem Beruf vor mir habe, und wenn ich noch einmal etwas Neues wagen will, dann muss ich das jetzt tun“, erzählte sie.

So entwickelte sie ihre ganze eigene Idee von einem Geschäft, das Optik und Café vereint — und hat sich damit durchgesetzt. „Viele hatten zwar anfangs Zweifel und gefragt, wie denn Brille und Latte Macchiato zusammenpassen würden“, sagte Lavalle. Aber schließlich zeigte ihr Konzept, dass der Kauf einer Sehhilfe und eine gemütliche Atmosphäre sich nicht ausschließen müssen.

Solche frischen Ideen und der Wille, sie umzusetzen, seien das, was junge Meister heute auszeichne, wie Kammerpräsident Philipp betonte. Dabei spiele nicht nur die Neugründung eine Rolle, sondern auch die Übernahme bereits bestehender Betriebe. Rund 200.000 davon gebe es derzeit in ganz Deutschland, aber häufig würden ihre vorherigen Eigentümer deren Wert zu hoch einschätzen, was junge Interessenten abschrecke.

Einstieg In den elterlichen Betrieb

Bei manchen kommt aber auch beides zusammen, wie beim frisch gekürten Fleischermeister Simon Claßen aus Jülich. Der hatte nach Abbruch seines Studiums über Umwege zur Fleischerausbildung gefunden und ist dann am Ende — sehr zur Freude seines Vaters — im familieneigenen Fleischereibetrieb gelandet.

Seither ist er nicht nur gerngesehener Gast bei diversen Sterneköchen in der Region, sondern auch bei jeder sommerlichen Grillparty mit Freunden. Und als Anerkennung seiner besonders guten Leistungen bei der Meisterprüfung erhielt er zusammen mit Tischlermeister Johannes Künne aus Aachen den Preis der Sparkasse in der Höhe vom 2500 Euro.

Zwischenzeitlich sorgten bei der abwechslungsreichen Feier der Alsdorfer Kabarettist Jürgen B. Hausmann und der Comedy-Jongleur Cotton McAloon für humorvolle Unterhaltung. So gab es erst einmal eine Menge zu lachen, bevor nun für die 262 Frauen und Männer der Ernst des meisterlichen Berufslebens beginnt.