Erkelenz: Handwerk im Kreis Heinsberg: Schnelligkeit künftig wichtiger als Größe

Erkelenz : Handwerk im Kreis Heinsberg: Schnelligkeit künftig wichtiger als Größe

Ist der Handwerker, wie wir ihn alle kennen, schon bald ein „Museumsstück“, wie es Kreishandwerksmeister Edwin Mönius überspitzt formuliert? Wie wird die Digitalisierung, auch „Handwerk 4.0“ genannt, seine Arbeit und die seiner Kollegen im Handwerk verändern?

Was muss der Handwerker tun, um in der Arbeitswelt der Zukunft noch bestehen zu können? Diese und andere Fragen waren es, die beim 23. Frühjahrstreffen des Heinsberger Handwerks im Mittelpunkt standen. Um darauf Antworten zu finden, hatten die Handwerker als Festredner für ihr Treffen niemand geringeren als Prof. Dr. Andreas Pinkwart, den NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, eingeladen.

Rückgrat des Mittelstands

Zunächst jedoch war es Thomas Giessing, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heinsberg, überlassen, alle Gäste in Erkelenz zu begrüßen. Bereits zum dritten Mal war die Kreissparkasse Gastgeber des Handwerkertreffens. „Das Handwerk ist das Rückgrat eines starken Mittelstands in Deutschland“, betonte Giessing und appellierte sodann an die Politik, den Banken die Handschellen nicht immer enger anzulegen, wodurch es immer schwieriger werde, für das Handwerk da zu sein.

Kreishandwerksmeister Edwin Mönius ließ in seiner Rede zunächst kein gutes Haar an der Bundespolitik. Vor allem vermisste er in der neuen Regierung den Veränderungswillen, „den man von Unternehmern täglich fordert. Wo sind die Gestalter?“, fragte er in die Runde. Die Große Koalition ist für ihn nur eine „Archivarin“ des Status quo. „Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Koalitionsvertrag ausblendet, dass Deutschland vor einer gesellschaftlich und wirtschaftlich entscheidenden Legislaturperiode steht“, erklärte er.

In NRW herrscht da für ihn schon „etwas mehr Klarheit“. Lob findet er für die sogenannten Entfesselungspakete mit der Abschaffung der Hygiene-Ampel, der Lockerung der Landesentwicklungsplanung und weiterem Bürokratieabbau. Doch es brauche weiter Mut zur Veränderung, mahnte Mönius.

Trotz gleich gebliebenem Niveau der Ausbildung im heimischen Handwerk müssten die nächsten Generationen mehr als je zuvor davon überzeugt werden, dass eine Ausbildung in vielen Fällen die bessere Alternative zu einem Studium sei, blickte er in die Zukunft. Dabei ging sein Dank auch an die rund 450 ehrenamtlichen Prüfer im Handwerk und in den Berufsschulen. Ohne sie würde das duale System nicht funktionieren.

Nachdem auch er noch einmal einen Überblick zum Thema Bürokratieabbau gegeben hatte, erklärte Pinkwart zur fortschreitenden Digitalisierung, dass dabei nicht mehr der Große den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen fresse. „Da setzen wir aber aufs Handwerk, denn es hat immer gelernt, sich Neuem schnell zuzuwenden“, fügte er sogleich hinzu. Sicherlich bringe die Digitalisierung Unsicherheiten mit sich, weil sich das Wissen so rasant vervielfältige und erneuere. Damit sei sie aber nicht nur Herausforderung, sondern Chance zugleich. Vor allem gelte es in diesem Prozess jedoch pragmatisch zu bleiben, mahnte er an und schilderte den anwesenden Handwerkern dann anhand zahlreicher Beispiele ihre Möglichkeiten.

Innovationsgutscheine

„Sie wird auch ohne uns kommen. Die Frage ist, wie wir sie für uns nutzen können“, betonte Pinkwart und kündigte neue, sogenannte Innovationsgutscheine an, die auch ein Handwerker für eine Beratung in puncto Digitalisierung seines Betriebes nutzen könne.

Voraussetzung, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, sei natürlich der Glasfaser-Ausbau, räumte der Minister ein. „Je schneller wir die Chancen nutzen, desto besser wird unsere Beschäftigungsbilanz sein“, so sein Resümee.

Wie sich die aktuelle Situation im Handwerk darstellt, diskutierte danach unser Redakteur Thorsten Pracht neben Giessing und Pinkwart mit Max Esser von der Fleischerei Esser aus Erkelenz und Guido Randerath, Geschäftsführer des auf Schaltschrankbau spezialisierten Unternehmens Elteba aus Heinsberg. „Expertise im digitalen Bereich ist nicht das bessere Handwerkszeug!“, brachte Esser dabei auf den Punkt, dass im Handwerk weiterhin die Qualität die absolute Priorität hat. Und je individueller die Fertigung, desto schwieriger werde deren Digitalisierung, machte Randerath anhand der Abläufe in seinem Unternehmen deutlich.

Für die musikalische Unterhaltung des Treffens sorgte das Querflöten-Trio der Kreismusikschule mit Anita Klein, Monika Lenzing und Esther Mann.