Ellen: Hambachbahn: 130 Millionen Euro in sechs Jahren

Ellen : Hambachbahn: 130 Millionen Euro in sechs Jahren

RWE Power spricht von einer wichtigen Maßnahme für die Fortführung des Tagebaus Hambach und damit für die Energieversorgung in Deutschland. Die „Bürger für Buir“ befürchten nachhaltige Belastungen für die Gesundheit der Anwohner.

Nach sechsjähriger Bauzeit hat RWE am Kohlebunker bei Ellen die 15 Kilometer lange Neubaustrecke der Hambachbahn im Beisein von NRW-Verkehrsminister Michael Groschek offiziell in Betrieb genommen.

In den vergangenen 15 Monaten ist die alte Trasse Gleis für Gleis auf die Neubaustrecke umlegt worden, so dass die Kraftwerke und Veredelungsbetriebe im benachbarten Rhein-Erft-Kreis ohne Unterbrechung mit Braunkohle aus dem Tagebau Hambach versorgt werden konnten.

Rund 130 Millionen Euro hat RWE Power seit 2008 in die neue Bahntrasse (siehe Info) investiert, die über weite Strecken parallel zur künftigen A4 und zur Eisenbahnstrecke Köln-Aachen verläuft. Die alte liegt größtenteils im Abbaugebiet. Der Vorstandsvorsitzende Matthias Hartung und die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken unterstrichen, dass die Beeinträchtigungen für Mensch und Umwelt beim Neubau so gering wie möglich gehalten wurden.

„Die neue Hambachbahn ist das Ergebnis eines anspruchsvollen Genehmigungsverfahrens, bei dem es gelungen ist, die unterschiedlichsten Belange aus den Bereichen Landschafts- und Naturschutz, Wirtschaft, Immissionsschutz und Tierschutz zu berücksichtigen und in Einklang zu bringen“, betonte Walsken. „Mit 100 Hektar Ausgleichs- und Ersatzflächen sind wir unseren Kompensationsverpflichtungen frühzeitig nachgekommen“, erklärte Hartung. Er verwies auch darauf, dass die neue Trasse durchgehend bis zu 15 Meter tiefer gelegt wurde, um das Lärmaufkommen zu reduzieren. Dazu mussten sechs Millionen Kubikmeter Erdreich bewegt werden, mehr als das zweifache Volumen der Cheops-Pyramide.

Die „Bürger für Buir“ kritisieren, dass trotz der Tieflegung permanent ein rhythmisches Dröhnen und stakkatoartiges Stampfen von den Kohlezügen ausgehe, auch die Grob- und Feinstaubbelastung sei erheblich. Und letztere werde mit der Inbetriebnahme der neuen A 4 im September noch ansteigen, befürchtet die Bürgerinitiative. Daher fordern die „Buirer“ eine Einhausung des Kohlebunkers bei Ellen und den Transport der Kohle in geschlossenen Waggons.

Regierungspräsidentin Gisela Walsken und NRW-Verkehrsminister Michael Groschek unterstrichen derweil die Bedeutung der Braunkohle, die für NRW weiterhin ein wichtiger Energieträger sei. „Die Landesregierung steht zur Braunkohle“, betonte Walsken. Sie sichert aktuell 40 Prozent der Stromversorgung in NRW. „Was man zu Hause im Keller hat, kann einem keiner nehmen“, erinnerte Groschek an die Gefahr, dass ein Öl- oder Gashahn auch einmal zugedreht werden könnte.

Deutliche Worte fand der Minister für die Aktivisten und Braunkohlegegner, die in der Vergangenheit mehrfach mit Gleisblockaden und Angriffen auf RWE-Mitarbeiter für Schlagzeilen sorgten. „Sachbeschädigung, die die Grenze zur Körperverletzung überschreitet, ist kriminelles Verhalten, das durch nichts legitimiert werden kann“, betonte Groschek.

Der Minister kritisierte, dass sich in Deutschland eine Protestkultur entwickelt habe, die Großprojekte oft schon vor Beginn der Planungen kaputtrede. Als Beispiel ging er auf die geplatzten Pumpspeicherwerk-Pläne am Rursee ein. „Die Gegner dort müssen sich fragen lassen, ob sie die Energiewende nicht verstanden haben“, erklärte der Minister. Solange es keine besseren Energiespeicher gebe, müsse man den Stand der Technik nutzen. Und Pumpspeicherwerke seien nun einmal Stand der Technik. „Unsere Enkel werden zwar weniger, aber auch sie benötigen noch gute Infrastruktur und Arbeitsplätze“, unterstrich Groschek.