Waldfeucht-Braunsrath: „Haben uns nie fremd gefühlt”

Waldfeucht-Braunsrath : „Haben uns nie fremd gefühlt”

Für eine derart lange Zeit hatten die Klarissen von Maria Lind in Waldfeucht-Braunsrath noch nie Besuch in ihrem Gemäuer.

Ein Jahr lang haben sie Schwestern des Ordens „Abizeramariya - Mägde Mariens” aus Butare in Ruanda aufgenommen. Deren katholische Kongregation soll Träger des Zentrums für geistig behinderte Menschen werden, das der Oberbrucher Hilfsverein „Wir für Ruanda” in der Nähe der Universitätsstadt errichten will.

Sie kamen zunächst zu dritt: die Schwestern Basilissa, Domina und Odetta. Basilissa musste schon Mitte vergangenen Jahres zurückkehren, weil wichtige Aufgaben im Orden auf sie warteten. Domina und Odetta blieben bis Jahresende.

Fünf Monate lang machten sie neben ihrem Klosterleben in Braunsrath Praktika in den Einrichtungen der Lebenshilfe in Oberbruch. Darüber hinaus lernten sie in der Volkshochschule in Heinsberg Deutsch.

„Wir haben uns hier nie fremd gefühlt”, erzählt Schwester Domina. „Das war hier wie unsere Familie.” Der Abschied fiel schwer, auch den deutschen Gastgebern, für die ihre Gastfreundschaft im Sinne einer Beteiligung an der Mission ganz selbstverständlich war.

„Sicher haben wir uns vorher gefragt, wie es wohl wird”, erinnert sich Mutter Äbtissin Felicitas. „Wir sind acht, und sie waren gleich drei aus einem fremden Land mit einer anderen Kultur. Sie sprachen zudem eine uns unbekannte Sprache. Aber als sie dann da waren, war all dies so nebensächlich. Wir haben ganz schnell gemerkt, dass wir die Beschenkten waren.”

Höhepunkt war für alle der Besuch von Mutter Leoncie aus Ruanda. Mit „Muraho murakaza neza” hießen die Braunsrather Schwestern sie sogar auf ruandisch „herzlich willkommen”.

„Wir haben schön feiern gelernt”, erzählt Schwester Scholastika (81). Neben dem Gesang begeisterte die Klarissen vor allem das Tanzen und Trommeln ihrer afrikanischen Schwestern. „Spuren dieser Ausdrucksformen werden sicherlich bleiben”, sagt Schwester Bernadette (41).

Und was haben die ruandischen Schwestern mit nach Hause genommen? Zunächst sicherlich viel Wissen für ihre künftige Arbeit im Behindertenzentrum in Butare. „In der Therapie besteht eigentlich kein Unterschied”, betont Schwester Domina. „Wir werden sie in unserer Heimat nur mit anderen Materialien und anderen Techniken anwenden müssen.

Und das Besondere an Deutschland? „Ein so sauberes, so gut organisiertes Land. Die schönen Häuser und die Gärten”, ist Schwester Domina begeistert. „Und die Menschen sind sehr freundlich.”