Kreis Heinsberg: Großes Glücksgefühl der Künstlerin in „Cocons”

Kreis Heinsberg : Großes Glücksgefühl der Künstlerin in „Cocons”

„Cocon” heißt eine im Kreismuseum Heinsberg eröffnete Ausstellung mit Malereien und Plastiken aus dem aktuellen Werkzyklus der in Scherpenseel lebenden Künstlerin Eugenie Degenaar.

Im Beisein vieler Kunstliebhaber eröffnete Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann die beeindruckende Ausstellung. „Seit einer Grenzerfahrung pulsieren die Cocons in unglaublichem Maße in dem künstlerischen Wirken der Eugenie Degenaar”, betonte Müllejans-Dickmann, ehe Professor Wolfgang Becker, ehemaliger Leiter des Ludwig-Forums Aachens, eine überaus anschauliche Einführung in die „Gerüste-Skulpturen” und Malereien gab.

„Ein Cocon entsteht bei der Verpuppung, es ist ein überaus interessantes Objekt, das entsteht. Aus dem Embryo wird die Larve, die sich wiederum zur Puppe entwickelt, ehe das Stadium der Imago das endgültige Bild und Resultat hervorbringt.

Aus der Puppe bildet sich also das Tier, die Reste der Puppe bleiben im Cocon zurück”, umschrieb Becker zunächst die biologische Sichtweise und zitierte aus dem Roman „Die Wohlgesinnten” des amerikanischen Schriftstellers Jonathan Littell. „Lange kriecht man als Raupe über diese Erde und wartet auf den prächtigen durchscheinenden Schmetterling, den man in sich trägt. Und dann vergeht die Zeit, die Verpuppung findet nicht statt, wir bleiben Larven.”

Das sei eine betrübliche Feststellung, aber was solle man machen, stellte Becker eine Frage in den Raum, die in seinen Augen für die Künstlerin nicht mehr auf eine Antwort warte.

Denn Eugenie Degenaar sei durch ihre persönliche Grenzerfahrung, die sie lange Zeit an den Rollstuhl fesselte, über das Raupenstadium hinaus gekommen. „Eugenie Degenaar ist ein Schmetterling, der Blick auf ihre Cocons ist ein Rückblick auf die vergangene schmerzliche Zeit.

Die Künstlerin selbst war ein Cocon, sie war eingewickelt und wollte von ihren Bandagen befreit werden. Immer wieder hoffte Eugenie Degenaar darauf aufstehen und dem Krankenhaus entfliehen zu können. Ihr größter Wunsch war es, wieder künstlerisch tätig zu sein”, so die Ausführungen des Professors, der von einem „Schmetterlingsgefühl” sprach.

Nach ihrer Leidenszeit begann die gebürtige Rotterdamer Künstlerin Hunderte, gar Tausende Cocons zu zeichnen und Skulpturen zu gestalten. Immer wieder erkennt man, dass die Cocons der Eugenie Degenaar wie im wahren Leben beschützen, was sie enthalten.

Sie sind weich, flexibel und haben verschiedene Formen, die manchmal sogar an die Form eines Gehirns erinnern. „Der Cocon hat ein Leben, in dem gedacht wird”, so die abschließenden Worte von Professor Becker, der in den außergewöhnlichen Arbeiten ein großes persönliches Glücksgefühl der Künstlerin erkannte.