Gangelt/Geilenkirchen: Großer Bahnhof für die Zuckerrüben

Gangelt/Geilenkirchen : Großer Bahnhof für die Zuckerrüben

Dampfend und schnaufend setzten sich am Sonntag die fahrplanmäßigen Züge der Selfkantbahn zum letzten Mal in diesem Jahr in Bewegung.

Zum Saisonabschluss, den die Hobbyeisenbahner in Verbindung mit dem „Tag der Zuckerrübe” begingen, waren viele Menschen zu den Bahnhöfen Schierwaldenrath und Gillrath angereist. Sie erlebten bei angenehmen Temperaturen eine frühherbstliche Exkursion mit der Museumsbahn im westlichsten Teil der Bundesrepublik.

Unter dem Motto „Ein Lob der Zuckerrübe” erinnerte die Selfkantbahn an den Zuckerrübentransport auf der Schiene, wie er in den 50er und 60er Jahren in vielen ländlichen Regionen üblich war. Der Rübentransport mit den eigens dafür vorgesehenen offenen Güterwagen war damals auch ein Standbein der ehemaligen Geilenkirchener Kreisbahn (GKB), aus der die heutige Selfkantbahn hervorging.

Auf der Schmalspurstrecke zwischen Geilenkirchen und dem Selfkant herrschte früher ein reger Güterverkehr, bei dem im Herbst die Rüben an verschiedenen Verladerampen vom Lkw-Anhänger in die Waggons gekippt wurden.

Um das Zusammenwirken von Straßen- und Schienenfahrzeugen zu dokumentieren, waren am Sonntag zwei beladene Rübenanhänger auf der Rampe in Schierwaldenrath vorgefahren. Weil der Boden des Rübenwaggons nicht tragfähig war, blieben die Zuckerrüben allerdings in den Anhängern und wurden nicht abgekippt.

Willi Philipps aus Doveren war mit seinem frisch restaurierten McCormick Traktor aus dem Jahr 1968 nach Schierwaldenrath gekommen. Hinter das 58PS-Gefährt führte er eine mit Rüben beladene original Kippkarre aus den 50er Jahren mit.

Sein „Kollege” Theo Scheres aus Arsbeck war ebenfalls mit Rüben angereist, hatte aber einen 55PS-starken Lanz Bulldog, Baujahr 1955, vorgespannt. Während Willi Philipps zum ersten Mal seinen historischen „Rübentransporter” zur Schau stellte, war Theo Scheres bisher immer in Schierwaldenrath dabei.

Auch der „Mühlenexpress” drehte am Sonntag zum letzten Mal seine Runden. Fahrer Hans Frohn brachte die Fahrgäste mit dem Oldtimer-Bus der „West-Energie und Verkehr GmbH” zielsicher zu den Windmühlen im Umkreis.

Der Bahnsteig in Schierwaldenrath zeigte sich am letzten Tag in herbstlicher Dekoration. Strohballen erinnerten an die zurückliegende Getreideernte, und ein umfangreiches Zierkürbis-Angebot zog die Blicke der Besucher auf sich.

Auch Prominenz war anwesend: Hermann Götting, Kölner Original und Kabarettist, ist ein Fan der Selfkantbahn. Zum Saisonende musste der Künstler unbedingt eine Fahrt mit der Museumsbahn unternehmen.

„Die Selfkantbahn ist für mich die schönste Museumsbahn in Deutschland, ich bin schon oft mitgefahren, und das ist immer wieder ein Erlebnis”, erzählt Götting, der zusammen mit der „Kunstrealisatorin” Heidemarie Hartwig und seinem Husky Amor in Gillrath in den Speisewagen stieg.

Für Bahnhofsvorsteher Helmut Kommans und die Mitarbeiter der Historischen Eisenbahn ist die Saison noch lange nicht zu Ende. Schon in dieser Woche stehen zwei Sonderfahrten an, und dann müssen den ganzen Winter über noch viele Instandsetzungsarbeiten erledigt werden.