Aachen: Große Joboffensive: Strategiepapier umfasst 200 Maßnahmen

Aachen : Große Joboffensive: Strategiepapier umfasst 200 Maßnahmen

Wie „verkauft“ die Stadt sich richtig — und besser denn je? Die Frage treibt die Verantwortlichen auf den Amtsfluren derzeit um wie kaum eine andere. Denn obwohl die berühmte Personaldecke bei der Aachener Verwaltung in den vergangenen Jahren — Wiederbesetzungssperren hin oder her — immer dicker geworden ist, weist sie eklatante Löcher an (fast) allen Ecken und Enden auf.

Und damit der Kunde namens Bürger keine kalten Füße bekomme, wenn es um die vielzitierte öffentliche Daseinsvorsorge geht, haben die städtischen Experten jetzt ein enorm umfängliches und ebenso detailliertes strategisches Konzept gestrickt, um dem massiven und zusehends differenzierten Bedarf an Fachkräften durch zeitgemäße und attraktive Angebote abzuhelfen.

Es „brennt“ an allen Ecken und Enden: Nicht nur bei der Feuerwehr, im IT-Bereich oder in Sachen Kita-Betreuung sucht die Stadt händeringend nach neuen Kräften. Mit zeitgemäßen Maßnahmen sollen nun Bewerber gelockt werden. Foto: Heike Lachmann

Erster Vorstoß im nicht weniger als rund 200 Maßnahmen umfassenden Aktionsplan des zuständigen Dezernenten Dr. Markus Kremer: Besagte Wiederbesetzungssperre soll bald allenfalls noch als buchstäblich sperriges Wortungetüm in den städtischen Annalen zu finden sein. Denn aktuell zählen Kremer und Cornelia Hassiepen, Abteilungsleiterin für Personalentwicklung und -einsatz, rund 300 offene Stellen, die dringend neu besetzt werden müssen — Tendenz steigend. Feuerwehrleute, IT-Spezialisten, Erzieher(innen), Ingenieure, Ärzte — auch das Spektrum der heiß begehrten Professionen und Qualifikationen scheint vielfältiger denn je. Klotzen statt kleckern heißt also die Devise.

Es „brennt“ an allen Ecken und Enden: Nicht nur bei der Feuerwehr, im IT-Bereich oder in Sachen Kita-Betreuung sucht die Stadt händeringend nach neuen Kräften. Mit zeitgemäßen Maßnahmen sollen nun Bewerber gelockt werden. Foto: dpa

„Um unseren Fachkräftebedarf längerfristig trotz der enormen Konkurrenz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu decken, müssen wir ganz neue Wege gehen“, so das Credo des Dezernenten. Bis zum Sommer soll daher ein brandneues „Karriere-Portal“, in aller Bescheidenheit als „Amt für Traumjobs“ betitelt, online geschaltet werden, berichten Jutta Bacher und Bernd Büttgens vom Presse- und Marketingbüro.

Stellte das neue Konzept mit rund 200 Maßnahmen zur Gewinnung neuer städtischen Mitarbeiter vor: Dezernent Dr. Markus Kremer. Foto: Andreas Schmitter

„Entscheidend ist dabei auch, dass wir neue finanzielle Anreize etwa in Gestalt von Zuschlägen bieten und zeigen, wie vielfältig und attraktiv die Möglichkeiten auch für den beruflichen Aufstieg bei uns sind“, betont Kremer. Durch persönliche Interviews mit aktuellen Mitarbeitern, sogenannte Testimonials, sollen potenzielle Kandidaten beispielsweise gezielt und wirksam adressiert werden. „Viele Kollegen haben dies bereits genutzt und mit echter Hingabe über ihre Tätigkeit berichtet“, weiß Cornelia Hassiepen.

Auch in eigener Sache gehen die Personalexperten daher mächtig in die Offensive — allein unter Hassiepens Führung sind bereits rund 50 Verwaltungskollegen in Sachen Personalgewinnung aktiv. Da der Fachbereich mit Sitz am Adalbertsteinweg (Personalnöte hin oder her) aus allen Nähten platze, soll die Akquise-Abteilung ab Herbst — k(l)eine Ironie am Rande — ausgerechnet in die ehemaligen Räume des Arbeitsgerichts an der Aureliusstraße umziehen, die bis Jahresmitte noch durch das Generalvikariat genutzt werden.

„Enorme Chancen“

Kurzum: „Wir wollen jetzt eine riesige Kampagne starten, um potenzielle Bewerber auf die enormen Chancen aufmerksam zu machen, die wir ihnen geben können“, unterstreicht Kremer. Mittels Kinospots, in Sozialen Medien und auf Werbetafeln sollen die besonderen Merkmale und Vorteile unterschiedlichster kommunaler Beschäftigungsfelder so nachhaltig ins Blickfeld gerückt, potenzielle Kandidaten vom angehenden Azubi über den qualifizierten Quereinsteiger bis zum „klassischen“ Verwaltungsprofi angesprochen werden.

Das Aktionsfeld erstreckt sich dabei nicht zuletzt auf die Schaffung weiteren attraktiven Wohnraums, um die „soziale Integration“ (Kremer) der Zugezogenen zu forcieren und ihnen somit langfristige Perspektiven am Standort Dreiländereck zu bieten. So soll allein die Zahl der Auszubildenden in den kommenden Jahren um bis zu 50 Prozent steigen.

Auch unter finanziellen Gesichtspunkten führe an der nachhaltigen Werbung in eigener Sache schließlich kein Weg vorbei, bekräftigt Kremer. Immerhin sei die aktuelle Haushaltssituation (nicht zuletzt angesichts kräftig sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen) vergleichsweise entspannt — und es gebe hinreichend Spielräume im Etat. „Unser Problem ist jetzt ja vielmehr, dass wir Fachkräfte händeringend suchen — und an hoch attraktiven Betätigungsfelder mangelt es wahrlich nicht.“

Derzeit sind rund 300 der insgesamt gut 5000 städtischen Stellen vakant. Und die Konkurrenz — egal ob in der „freien“ Wirtschaft oder bei den benachbarten Kommunen — schlafe bekanntlich auch nicht. Städteregionale Partnerschaft bleibe selbstverständlich auch in Sachen Eigenwerbung ein Pfund, mit dem man wuchern könne und müsse, betont Kremer. Aber: „Man kann nicht verhehlen, dass wir uns gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel eben auch in einer Wettbewerbssituation mit anderen Städten befinden.“

Sein vorläufiges Fazit: „Im Jahr 2025 werden wir sicher nicht daran gemessen, wie viel Geld wir gespart haben — sondern daran, ob wir angemessene Lösungen gefunden haben, um unserem Dienstleistungsauftrag auch künftig nachzukommen.“

Mehr von Aachener Zeitung