Heinsberg: Griff nach dem Mantel der Geschichte

Heinsberg : Griff nach dem Mantel der Geschichte

„Zwei Tonnen Stein sind bereits abgearbeitet; der zirka drei Meter hohe und ursprünglich rund zehn Tonnen schwere finnische Steatit, aus dem die Zentralfigur der Skulpturengruppe Kohl 2100 - die Zeitenwende in Europa entsteht, nimmt Gestalt an und ist zu 90 Prozent bereits fertiggestellt”, so Bildhauer Ernst R. Brockschnieder.

In diesen Tagen begrüßte er in seinem Atelier gleich neben dem Skulpturenpark an der Waldfeuchter Straße in Kirchhoven den ehemaligen Staatsminister und langjährige Kohl-Vertrauten Anton Pfeifer, der sich gemeinsam mit seinem Bundestagskollegen Leo Dautzenberg vom Fortschritt der Arbeiten überzeugte.

Im April vergangenen Jahres hatte Anton Pfeifer den ersten Hammerschlag ausgeführt und so den Start für ein Denkmal geben, das weniger der Person des ehemaligen Bundeskanzlers gewidmet ist als vielmehr seiner Bedeutung für die Geschichte Deutschlands und Europas.

Für das Denkmal wünscht sich der Künstler einen Standort entweder am langjährigen Wirkungsort des früheren Bundeskanzlers in Bonn oder aber in der Hauptstadt Berlin. Das Kunstwerk wird neben der Zentralfigur aus zwölf Tafeln bestehen, die die Zeitgeschichte, insbesondere die Entwicklung Europas, widerspiegeln. Wiederfinden wird man neben Ereignissen auch Staatsmänner wie den ehemaligen Präsidenten der Sowjetunion, Michael Gorbatschow, die Präsidenten der USA -ÊBush und Clinton -Êwie auch den französischen Staatsmann und Präsidenten Mitterand.

Für Ernst R. Brockschnieder, der sich selbst nicht unbedingt als „Kohl-Freund” bezeichnet, war der Umgang mit der Person Dr. Helmut Kohls vor dem Hintergrund seiner politischen Lebensleistung im deutschen wie auch europäischen Friedens- und Einigungsprozess die Motivation zu diesem Kunstwerk. Entscheidenden Anteil an der friedlichen Vereinigung der beiden deutschen Systeme, die weltweit in dieser Form einmalig ist, habe der damalige Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl, so die Überzeugung des Künstlers und der beiden CDU-Bundestagsabgeordneten.

Die Demontage der Person Helmut Kohls, davon ist Brockschnieder überzeugt, sei nur in Deutschland von so genannten „Heiligen” möglich. Im Ausland zolle man der Arbeit Kohls mehr Anerkennung und verbuche sie auf der „Habenseite” Deutschlands, bestätigte auch Pfeifer So ist der ausgestreckte Arm Kohls mit seiner nach einer Fotovorlage gestalteten Hand für Brockschnieder ein symbolischer Griff nach dem „Mantel der Geschichte”.

Aktuell beschäftigt er sich am Stein mit der Darstellung des Brandenburger Tors. Mit Hinweis auf das derzeit eingerüstete und geschlossene Original kommentierte Dautzenberg: „Als Dr. Helmut Kohl als Kanzler regierte, ging es auf, wenn Schröder geht, ist es zu” - und wollte dies als Symbol verstanden wissen.