Kreis Düren: „Gips“: Experten in Sachen Behinderung

Kreis Düren : „Gips“: Experten in Sachen Behinderung

Als Horst Boltersdorf mit 56 Jahren erblindete, musste er sein ganzes Leben umstellen. Seinen Beruf als Manager im Einzelhandel konnte er nicht mehr ausüben.

Auch Maßnahmen zur Wiedereingliederung in das Berufsleben brachten keinen Erfolg. Vier Jahr später erfuhr er von einem Projekt namens „Gips“ in den Niederlanden, bei dem behinderte Menschen Schulklassen besuchten, um den Kindern das Leben mit einem Handicap näher zu bringen.

Er war begeistert und überlegte, wie er dieses Konzept auch in Deutschland umsetzen könnte. Schnell fand er Mitstreiter. Gemeinsam gründeten sie den Verein „Gips — Spielen und Lernen“ und schlossen sich dem Paritätischen Wohlfahrtsverband an.

„Die Zielsetzung, Barrierefreiheit zunächst in den Köpfen zu schaffen, den Begriff der Behinderung positiv zu besetzen und Berührungsängste zu Menschen mit Behinderungen abzubauen, entspricht den Leitlinien des Paritätischen voll und ganz“, meint Kirstin Fuß-Wölbert, Geschäftsführerin der Kreisgruppe des Paritätischen Düren. „Und der Verein ‚Gips‘ setzt hier an der richtigen Stelle an“.

Erlebnisparcours

Schon in vielen Klassen der Jahrgangsstufe sechs war die Gruppe aktiv: Sie stellten sich dabei nicht als behinderte Menschen vor, sondern als Experten für Behinderung. Grundsätzlich werden bei den Schulbesuchen drei Unterrichtsstunden gestaltet.

Auf einem Erlebnisparcours testen die Kinder das Fahren mit einem Rollstuhl. Zum Thema Gehörlosigkeit werden mit Hilfe von Zeichensprache Begriffe gebildet, das deutliche Aussprechen mit deutlicher Mundformung wird geübt und zum Schluss lernen die Kinder, ihren eigenen Namen in Gebärdensprache auszudrücken.

Am zweiten Tag werden die Erfahrungen noch einmal reflektiert. In Kleingruppen haben die Kinder die Möglichkeit, ihre Erfahrungen auszusprechen und Fragen an die Behinderungsexperten zu richten. Das Projekt stößt im Kreis Düren auf so viel Resonanz, dass Boltersdorf und seine „Gips“-Gruppe den Anfragen der Schulen gar nicht mehr nachkommen können.

Deshalb suchen sie auf diesem Wege weitere Menschen mit Behinderung, die sich dieser viel Freude bringenden Aufgabe stellen wollen. Interessierte mögen sich bitte unter Telefon 0171/323 95 62 oder per Mail (boltersdorfhw@googlemail.com) an den Verein wenden.