Kreis Heinsberg: Gewässer am Myhler Bach renaturieren, Insekten schützen

Kreis Heinsberg : Gewässer am Myhler Bach renaturieren, Insekten schützen

Norbert Dismon vom Amt für Umwelt und Verkehrsplanung des Kreises Heinsberg ist ein alter Hase; in Sachen Naturschutz macht ihm so schnell keiner was vor. Doch wie man den Wiesenknopf verbreitet, das weiß auch er nicht.

Offen musste er in der Sitzung des Naturschutzbeirats im Kreishaus bekennen: „Es scheint sehr schwer zu sein, den Wiesenknopf mit anzusäen. “ Dabei wäre bei der im September anstehenden Renaturierung des Myhler Baches ein Mit-Ansäen der krautigen Pflanze aus der Familie der Rosengewächse sicherlich eine Bereicherung der Flora zugunsten der Fauna. Norbert Dismon hatte zusammen mit seinen Mitarbeitern die Renaturierung des Myhler Baches, der Teil des Naturschutzgebietes Myhler Bruch ist, im Hause der Kreisverwaltung als „Eigenmarke“ auf die Beine gestellt, wie der zuständige Amtsleiter Günter Kapell zufrieden auch mit Blick auf die Kosten deutlich machte.

Den Mitgliedern des Naturschutzbeirates erläuterte Dismon die Pläne zur Renaturierung des derzeit in einem tiefen Graben verlaufenden Myhler Baches. Dismon erklärte, dass es dem Kreis in den vergangenen Jahren gelungen sei, alle benötigten Grundstücke zu erwerben. Auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern soll der Myhler Bach, so weit es die wasserwirtschaftlichen Belange ermöglichen, in einen natürlichen Bachlauf umgestaltet werden.

Der Bach wird sich auf einer Lauflänge von 1,2 Kilometern durch Wiesen schlängeln — und zwar vom Ortsrand Myhl bis zum nächsten Waldstück entlang des heutigen Hanggrabens. Der Aushub soll zum Verfüllen des alten Bachbettes dienen. Das neue Bett soll 40 bis 50 Zentimeter tief werden. Der derzeitige Bachgraben ist zwei Meter tief. Drei Teiche werden entstehen. Das Gros der Wiesen soll sich als Röhrichtbereich — ob mit oder ohne Wiesenknopf, wird sich zeigen — entwickeln.

Die Baumaßnahme zur Renaturierung des Myhler Baches ist Bestandteil einer Fördermaßnahme des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, die vom Land NRW mit 80 Prozent bezuschusst wird.

Über Maßnahmen zum Schutz von Insekten im Kreis Heinsberg debattierte der Naturschutzbeirat ausführlich. Norbert Dismon stellte die Maßnahmen vor, die der Kreis Heinsberg in Eigenregie durchführen kann auf kreiseigenen Grundstücken wie dem der Kreisverwaltung, in den kreiseigenen Biotopen oder entlang der Kreisstraßen.

Schwieriger sei es, wie Dismon erklärte, Maßnahmen auf Flächen anzustoßen, die in Privateigentum (Stichwort Steingärten) oder unter der Obhut der Kommunen stehen. Er umriss den komplexen Sachverhalt: „Man kann das Thema nicht allein auf die Honigbienchen reduzieren.“ Es gelte, die Vielfalt und den Bestand an Insekten zu gewährleisten, auch um der Vogelwelt die Nahrungsgrundlage zu sichern. Die Kreisverwaltung habe durch veränderte Bepflanzung auf eigenen Grünflächen schon Lebensraum für Insekten geschaffen. Zudem seien zehn Insektenhotels bestellt.

Diskutiert wurde im Beirat die Frage, wie die schmalen Grünstreifen entlang der Feldwege und Straßen optimal in Bezug auf Fauna und Flora zu handhaben sind. Die Wirtschaftlichkeit dominiert derzeit noch den Naturschutz. Dismon stellte grundsätzlich fest, dass der Naturhaushalt verarmt sei. Und: „Wir brauchen einen Defibrillator, um die Natur wieder zu beleben.“

Nur Mähen, nicht düngen und nicht spritzen alleine bringe kaum etwas.

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