Stolberg: „Gesundheits-Abi“: Neuer Bildungsgang am Berufskolleg Stolberg

Stolberg : „Gesundheits-Abi“: Neuer Bildungsgang am Berufskolleg Stolberg

Moderne Labore mit Arbeits- und Versuchsplatz für jeden Schüler bilden das Herzstück eines neuen Bildungszweiges, mit dem das Berufskolleg Simmerath/Stolberg dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen nun den Kampf angesagt hat.

Stephanie Hohle könnte eigentlich allen Grund zur Freude haben. „Der Gesundheitssektor wächst stetig“, meint die Inhaberin der Würselener Adler Apotheke. Wäre da nicht eine andere Entwicklung, die den Blick der Geschäftsfrau in die Zukunft trübt.

Der positive Trend spiegele sich einfach nicht in einem Zuwachs an Fachkräften wieder, beklagt die Pharmazie-Expertin. Deswegen musste Hohle, um die Einladung des Stolberger Berufskollegs überhaupt wahrnehmen zu können, zunächst eine Kollegin aus Bonn engagieren. Sonst hätten ihre Kunden an diesem Vormittag vor verschlossenen Türen gestanden.

Doch der Weg nach Stolberg hat sich gelohnt. Stephanie Hohle und Thorsten Meier, Vertriebsmitarbeiter der I.E.M. GmbH, einem Hersteller von Blutdruckmessgeräten, zeigten sich als künftige Kooperationspartner des Berufskollegs beeindruckt von den modernen Laborräumen, in denen zukünftig jeder Schüler einen eigenen Arbeits- und Versuchsplatz erhalten soll.

Als Berufliches Gymnasium für Gesundheit (G.O.S.), so der offizielle Titel des Schulversuchs, an dem sich NRW-weit 15 Bildungseinrichtungen beteiligen, bietet das Berufskolleg im nächsten Schuljahr erstmalig das Abitur mit dem Schwerpunkt Gesundheit an.

Für Nathalie Fiene, die Koordinatorin des neuen Bildungsgangs, stellt dieser eine optimale Möglichkeit dar, die allgemeine Hochschulreife mit praktischen Erfahrungen in einem medizinischen oder naturwissenschaftlichen Beruf zu kombinieren. „Der Bildungsgang führt zu einem Schulabschluss, der auf ein Hochschulstudium oder eine medizinische, pharmazeutische, gesundheitsfördernde oder biotechnologische Ausbildung vorbereitet“, erklärt Fiene.

Im Sommer wird sie den ersten Jahrgang am Standtort Stolberg als Klassenlehrerin betreuen. Neben klassischen Abiturfächern wie Fremdsprachen oder Mathematik bilden die Leistungskurse Gesundheitswissenschaften und Biologie den Kern des dreijährigen „Gesundheits-Abis“.

Rio de Janeiro und Istanbul

Großen Wert legt das Berufskolleg dabei auch auf ein vierwöchiges Praktikum in Einrichtungen des Gesundheitswesens, welches für alle Schülerinnen und Schüler im zwölften Schuljahr verpflichtend ist. An dieser Stelle hat die Europaschule neben bereits bestehenden Kontakten den Schulterschluss mit regionalen wie internationalen Partnern gesucht, zu denen Unternehmen wie die I.E.M. GmbH, die Adler Apotheke oder das Stolberger Gesundheitszentrum Kleis ebenso zählen wie ausländische Institutionen.

„Es bestehen Kontakte zu einem Krankenhaus in Rio de Janeiro und auch die älteste Gesundheitsschule in Istanbul möchte mit uns kooperieren“, unterstreicht Schulleiterin Ingrid Wagner ihre Vision, mindestens zehn Prozent der Schülerschaft zu einem Auslandspraktikum zu verhelfen. Genauso vielfältig wie die späteren Berufschancen innerhalb des Gesundheitssektors präsentieren sich nach Angaben der Schulleiterin auch die ersten 25 Schülerinnen und Schüler, die sich aus der ganzen Städteregion für das Abitur mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt beworben haben.

„Im neuen Bildungsgang sind die unterschiedlichsten Schulformen vertreten. Das wird eine sehr heterogene Gruppe“, freut sich Ingrid Wagner auf die erste Runde des Schulversuchs.