Niederzier: „Gesteuerte Zuwanderung“: VIV-Vorsitzender Kufferath redet Klartext

Niederzier : „Gesteuerte Zuwanderung“: VIV-Vorsitzender Kufferath redet Klartext

Christian Lindner hat ein bisschen Zeit mitgebracht. Am Ende seines Vortrages bei den Vereinigten Industrieverbänden steht er neben Stephan Kufferath am Rednerpult und wartet. Eigentlich könnten jetzt Fragen gestellt werden, aber niemand fragt.

Vielleicht liegt es daran, dass der FDP-Bundesvorsitzende zu einem intensiven Vortrag angesetzt hatte, vielleicht war die Hemmschwelle zu groß. Machte aber nichts. „Wir können das auch gleich bilateral machen“, sagt Lindner und nickt Kufferath, dem Vorsitzenden der VIV von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung, zu.

Und genauso passiert es auch. Lindner steht noch eine ganze Weile im Saal der Burg Obbendorf und parliert mit den Gästen aus Wirtschaft, Verwaltung und Schulen. Der bekennende Marktwirtschaftler spricht in seinem Vortrag rund 45 Minuten über Wirtschaft und Politik in Deutschland, Europa und in der Welt, über den Zustand in NRW und über Bildung. Letzteres ist Tradition bei den Jahresempfängen der Vereinigten Industrieverbände, auch Dr. Stephan Kufferath hatte zuvor in seiner Ansprache darauf hingewiesen, dass es wichtig sei, „in der Diskussion über G8 oder G9 auf ideologische Grabenkämpfe zu verzichten und sich auf das zu konzentrieren, was wirklich zähle, „nämlich die Schulen besser zu machen“. Kufferath sagte, es gebe an den Schulen sicher andere Probleme, „als dass wir uns erneut in Strukturfragen erschöpfen könnten. Vielmehr sollten wir uns mit unseren Lerninhalten beschäftigen“, sagte Kufferath.

Der Unternehmer sagte, aus Sicht der Wirtschaft sollte das achtjährige Abitur beibehalten werden. Der Weg bis zur Allgemeinen Hochschulreife solle flankiert werden mit mehr Ganztagsbetreuung, „dann sollte die Umsetzung auch besser funktionieren als in der Vergangenheit“. Kufferath erneuerte seine Forderung, „Wirtschaft lebensnah als Pflichtfach in allen Schulformen einzuführen“.

Nicht nur Schüler, auch die Bürger bräuchten Orientierung, sagte der VIV-Vorsitzende. Die Menschen müssten das Gefühl haben, dass der Staat sie vor Gefahren verlässlich schütze, soweit das möglich sei. „In Wirklichkeit konnte man allerdings in Deutschland schon lange vor der ungesteuerten Zuwanderung das Gefühl von einem gewissen Kontrollverlust haben, der in der Flüchtlingskrise als veritables Staatsversagen wahrgenommen wurde.“

Bevor wir „an der eigenen Toleranz ersticken, sollten wir lieber aufwachen“, sagte Kufferath. Die deutschen Unternehmen bräuchten in den nächsten Jahren eine gesteuerte Zuwanderung in Arbeit. Er fürchte, „auf Jahre hinaus ist dieses Ziel durch die ungesteuerte Zuwanderung in der Bevölkerung beschädigt“. Das erschwere das Schließen der demografischen Lücke bei den Fachkräften, die „durch die Flüchtlinge aus 2015 sicher nicht geschlossen wird“.

Vor den 170 Gästen auf Burg Obbendorf in Hambach betonte Kufferath, die Wirtschaft sei „erstaunlich gut aufgestellt, das gelte auch für die Region. Aber niemand sollte so tun, als gäbe es eine Gewähr dafür, dass das auch in den nächsten zehn Jahren so bleibt.“

(inla)