Kreis Düren: Geschichtsvereine können Beitrag leisten

Kreis Düren : Geschichtsvereine können Beitrag leisten

Zwei Großprojekte in Jülich hatten den Ausschlag gegeben, das 36. Herbsttreffen der Arbeitsgemeinschaft der Geschichtsvereine im Kreis Düren — ausgerichtet vom Jülicher Geschichtsverein in Kooperation mit dem Förderverein „Festung Zitadelle Jülich“ — in der Herzogstadt zu veranstalten.

Der 500. Geburtstag von Herzog Wilhelm V. von Jülich Kleve-Berg, der „Jülichs Innenstadt sehr stark geprägt hat“, und ein „Projekt mit Pilotcharakter“, nämlich die Ausstellung „Das Preußische Jahrhundert“, die gemeinsam und zeitgleich von zwei Geschichtsvereinen ausgerichtet wird, deren Vereinssitze immerhin knapp 80 Kilometer voneinander entfernt sind — Jülich und Opladen.

Darauf wies Guido von Büren hin, Vorsitzender des Geschichtsvereins Jülich, bei seiner Begrüßung von rund 40 Mitgliedern aus 15 Vereinen. Zum Stichwort „Synergien schaffen“ motivierte von Büren die Gäste dazu, beim Treffen der „Innovationsregion Rheinisches Revier“ am 28. November auf Schloss Merode darüber nachzudenken, „was Geschichtsvereine in diesem Rahmen machen können“. Auch stehe der Veranstaltungsort für das Herbsttreffen 2017 noch aus.

In großen Fußstapfen

Dr. Rüdiger Urban, der „in die großen Fußstapfen von Conrad Doose tritt“, stellte sich als neuer Vorsitzender des Fördervereins Festung Zitadelle vor. Der in Altersteilzeit befindliche gebürtige Krefelder ist durch seine Ehe mit einem „echten Muttkrat mit der Herzogstadt eng verbunden“.

Von Büren bot im Anschluss einen knapp einstündigen „Parforceritt durch das Leben Wilhelms V.“ und seiner sieben Kinder aus der Ehe mit der kaiserlichen Nichte Maria von Österreich. Der Vortrag mit Einbeziehung der Erbauseinandersetzung um Geldern mit Kaiser Karl V. und wichtiger höfischer Elemente wie Jagd und Musik gestaltete sich vor allem für Nicht-Jülicher hochinteressant, beinhaltete aber auch einige Details, die nicht jedem Menschen aus dem Jülicher Land bekannt sein dürften.

So startete von Büren mit einer „bedeutenden bildplastischen Arbeit“ von 1532 aus dem Chorgestühl der St. Anna-Kirche in Düren. Mitten im Reformationsjahrhundert zeigt die Skulptur, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, während sie im Keller einer Bierbrauerei eingelagert war, Herzog Wilhelm kniend in ewiger Anbetung. Heute ist sie wieder in St. Anna zu sehen.

Erwähnenswert sind zudem die Erkenntnisse aus der Publikation von Wilhelms Erzieher, dem Humanisten Konrad Heresbach. Dieser lehnte „alles Höfische“ ab, befand Bier gesünder als Wein, und warnte den Fürsten vor einer sogenannten Kavalierstour, einer Art Bildungsreise, die „viel zu gefährlich sei“. Eine Warnung mit Weitblick, starb doch Erbprinz Karl Friedrich 1575 auf seiner Kavalierstour in Rom an den Pocken.

Interessant ist unter anderem auch, dass das Signet-Medaillon für die Ausstellung den Herzog in seinem „Schicksalsjahr“ 1566 zeigt, als ihn der erste Schlaganfall „nicht alle Tage regierungsfähig machte“, obwohl er bis zu seinem Tod im Januar 1592 in Düsseldorf das „Regierungsgeschäft so weit wie möglich durchgehalten hat“.

Da sein Sohn Johann Wilhelm I. 1609 trotz zweier Ehen ohne Nachkommen starb, fielen die Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg in der Folge wieder auseinander.

Im Anschluss kamen die Arbeitskreismitglieder, aufgeteilt in zwei Gruppen, in den Genuss von Führungen durch die beiden erwähnten Ausstellungen im Museumskeller. Von Büren führte durch die Ausstellung „Wilhelm 500“, Historiker Jacek Grubba durch das „Preußische Jahrhundert“. Ein Austausch bei Kaffee und Kuchen im „Café Pasqualini“ beschloss das informationsreiche Treffen.

(ptj)