Hückelhoven: „Gesamtschule” für SPD noch nicht abgehakt

Hückelhoven : „Gesamtschule” für SPD noch nicht abgehakt

Für die Hückelhovener Sozialdemokraten ist das Thema Gesamtschule noch lange nicht vom Tisch. Dies betonte Franz Willi Spichartz auf der Mitgliederversammlung des SPD-Ortsverbandes im Ratheimer Jägerhof.

Auch wenn nach offizieller Lesart in Hückelhoven kein Bedarf bestehe, hielten die Sozialdemokraten an ihrer Forderung nach einer Gesamtschule fest.

Vierzügige Schule

Für das kommende Schuljahr sei ein Bedarf von rund hundert Plätzen für diesen Schultyp ermittelt worden. Etwa ein Drittel der Schüler sei in der Wassenberger Gesamtschule untergekommen. Für eine „ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema” sei jedoch ein Bedarf von mindestens 112 Schülern pro beginnendem Schuljahr nötig.

Diese Anzahl ergibt sich aus der Vorgabe einer vierzügigen Schule mit jeweils 28 Schülern pro Klasse. Die Anmeldung auf der jeweiligen weiterführenden Schule beginnt im dritten Schuljahr.

Das Ergebnis eines Workshops über die zukünftige Entwicklung der Hückelhovener Schulen habe ergeben, dass es in Kürze keine Gesamtschule in Hückelhoven geben werde, betonte Spichartz. Die SPD hatte sich kommunal übergreifend mit der Wegberger und Erkelenzer Genossen koordiniert, um eine zweite Gesamtschule für den Nordkreis zu schaffen. Erfolg hatten sie damit jedoch bisher nicht.

Dieser Workshop, auf den sich die Parteien geeinigt hatten, fand nicht öffentlich statt. Das Ergebnis nach der Anhörung der geladenen Experten fasste der CDU-Fraktionsvorsitzende Heinz-Josef Kreutzer nach Informationen unserer Zeitung so zusammen: Der Workshop sei ein Erfolg gewesen, das Thema „Gesamtschule” für Hückelhoven damit abgehakt. Er sehe keinen weiteren Bedarf für die Errichtung einer Gesamtschule in Hückelhoven. Für seine Fraktion sei auch das Thema von weiteren Workshops abgehakt. Einen weiteren Workshop, nur um das Thema am Kochen zu halten, mache seine Fraktion nicht mit.

Da die CDU über die absolute Mehrheit im Rat verfügt, dürfte das Thema Gesamtschule in Hückelhoven damit entschieden sein. Auch wenn im Schulausschuss als zuständigem Fachausschuss darüber noch - öffentlich - diskutiert wird.

Sein Gegenüber von der SPD, Willi Spichartz, allerdings war diesen Informationen zufolge der Ansicht, dass es zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht sei, die Diskussion zum Thema Gesamtschule abzubrechen.

Breite Basis

Mit Blick auf die öffentliche Sitzung des Schulausschusses am 5. März - auf dieses Datum hatte man sich in dem Workshop einigen können - erklärte Spichartz, dass das Thema dort wieder behandelt werde. Auch der Unterbezirksvorsitzende Norbert Spinrath diagnostizierte dem Kreis eine „eklatante Unterversorgung” an Gesamtschulen. Das Thema sei jedoch präsent, weshalb die Initiative auf eine breite Basis gestellt werden müsse.

In der anschließenden Diskussion wurde sogar ein geeigneter Standort ausgemacht. Die Ratheimer Hauptschule eigne sich am besten, um eine kreisweit vierte Gesamtschule für den Einzugsbereich Hückelhoven, Erkelenz und Wegberg zu etablieren. Angeregt wurde auch eine Elterninitiative, die den berechtigten Bedarf nach diesem schulischen Angebot unterstreiche.

Realistische Aussicht

Denn wenn die „realistische Aussicht” auf eine Einschulung des Kindes in die Gesamtschule bestehe, wäre auch der gemeldete Bedarf seitens der Eltern höher. Die Eltern dürften diese Beschneidung ihrer Möglichkeiten nicht hinnehmen und müssten Druck auf die Schulträger ausüben. Vor allem, weil die viel diskutierten Ergebnisse der PISA-Studien ein klare Sprache sprächen. Ganz vorne lägen diejenigen Länder, in denen die Gesamtschule umgesetzt worden sei.

Spichartz betonte jedoch auch, dass sich die Bedingungen für Gesamtschulen in NRW auf Landesebene verschlechtert hätten. Wer das Thema auf Gesamtschule auf die Agenda setze, bekomme von höchsten Stellen „Knüppel zwischen die Beine geworfen”. Schuld an der derzeitigen Situation trage jedoch auch die Landes-SPD, die es zu Regierungszeiten versäumt habe, „frühzeitig klare Fakten” zu schaffen.

Deshalb müssten heute vor Ort „teilweise aussichtslose Schlachten” geschlagen werden, um dem Elternwillen nach einer Gesamtschule Gehör zu verschaffen. Auch im Hückelhovener Rat sei in absehbarer Zeit keine Mehrheit mit dem Thema zu erzielen.