Kreis Heinsberg: Genossenschaftliche Finanzinstitute starten Jugendwettbewerb

Kreis Heinsberg : Genossenschaftliche Finanzinstitute starten Jugendwettbewerb

„Mehr Miteinander. Mehr Menschlichkeit. Auf dich kommt´s an!” Unter diesem Motto ist der 39. Internationale Jugendwettbewerb der genossenschaftlichen Finanzinstitute gestartet.

In der Volksbank in Wegberg begrüßte Dr. Veit Luxem als Sprecher der Bankengruppe 60 Lehrerinnen und Lehrer sowie den Referenten der Pädagogen-Auftaktveranstaltung, Oberkirchenrat Klaus Eberl, der mit einem bewegenden Vortrag heutige Bildungsziele auf ihre gesellschaftliche Tragfähigkeit abklopfte.

Luxem wies in seiner Begrüßung auf die besondere Bedeutung des Internationalen Jugendwettbewerbs für die Volksbanken und Raiffeisenbanken in der Region hin. Der Wettbewerb sei der größte Malwettstreit weltweit und lasse jedes Jahr 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche zu Stift, Pinsel und Videokamera greifen. „Junge Menschen brauchen Freiräume, um ihre Phantasie zu entfalten. Damit das funktioniert, müssen wir alle mit Freude unserer Verantwortung nachkommen: Sie als Pädagogen öffnen Ihren Schülern die Tür - und wir Genossenschaftsbanken machen auch für die Schulen in unserer Regionen den Weg zur Kreativität frei.”

Den Titel „Maße des Menschlichen” hatte der Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche im Rheinland, Klaus Eberl, seinem Vortrag gegeben. Bildung sei für ihn „Sprachschule für die Freiheit”. Deshalb betone die Kirche ein ganzheitliches Bildungsverständnis, das jeden Menschen so in den Blick nehme, dass er unter dem Zuspruch und Anspruch des Evangeliums zum Subjekt der eigenen Lebensgeschichte werden könne: „Exklusivitätsdenken ist diesem Verständnis fremd.”

Im Zentrum der Bildung stehe der Mensch in seiner Beziehung zu sich selbst, zum Nächsten, zur Welt und zu Gott, so Eberl: „Bildung ist darum mehr als die Verarbeitung von Informationen in einer Wissensgesellschaft. Es geht immer um die Menschwerdung des Menschen, um die Entwicklung eines Vertrauens ins Dasein in einer Landschaft der Entsolidarisierung und der Angst.”

Die Verengung auf den Wissensaspekt, die einseitige Ausrichtung auf Vernützlichung, wenig Schärfung des Gewissens und der Sozialkompetenz - all das seien darum Probleme der aktuellen Bildung: „Es ist unsere Aufgabe, in der heutigen Bildungslandschaft darauf hinzuweisen, dass Wissen ein menschliches Maß braucht”, so der Oberkirchenrat und betonte den „Zusammenhang von Lernen, Wissen, Können, Wertbewusstsein und Handeln im Horizont sinnstiftender Lebensdeutungen”.

Eberl sagte, das deutsche Bildungssystem sei durch ein hohes Maß an Ungerechtigkeit gekennzeichnet: „In keinem anderen europäischen Land ist der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg so eng wie in Deutschland.”

Das liege aber nicht nur an den Schulen und an der Schulpolitik, sagte der Oberkirchenrat und zitierte die „Zeit”: „Eltern sind keine Bergführer mehr. Es fehlen Bindung, Gewissheit und Grenzen. Eventkultur hilft nicht weiter. Jugendliche werden zum Planungsbüro der eigenen Biographie. Je mehr Normen wegfallen, desto stärker ist es notwendig, eigene Normen zu schaffen.”

Am Ende sei Bildung immer ein Emanzipationsprozess, „ein Ausdruck geschenkter Freiheit”, erklärte Eberl.