Erkelenz: Gemeinnütziger Bauverein bekämpft Wohnungsnot

Erkelenz : Gemeinnütziger Bauverein bekämpft Wohnungsnot

Akuter Mangel an Wohnungen bestand Anfang des 20. Jahrhunderts in der Stadt Erkelenz.

Die immer stärker werdende Industrialisierung benötigte viele neue Arbeitskräfte, und die brauchten verständlicherweise ein Dach über den Kopf.

Ein großes Problem, für das einige Menschen, darunter der damalige Bürgermeister Bernhard Hahn, als Initiator und Mitgründer eine Lösung fanden.

Dafür traf er sich mit Mitstreitern zunächst Mitte Januar 1903 in der Wirtschaft Lemmen zu einer Besprechung, bei der über die Gründung einer Baugesellschaft diskutiert wurde. Diese Baugesellschaft sollte den Bau von preiswerten Arbeiterwohnungen in Angriff nehmen.

„Als sich am 6. Februar 1903 der Gemeinnützige Bauverein konstituierte, da gab es in Erkelenz Wohnungsnot”, bilanzierte der Aufsichtsratsvorsitzende, Klaus-Dieter Köthe für eine Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Bauvereins. Ein Jahrhundertwerk habe damals seinen Lauf genommen.

„Es entstanden neue Siedlungsgebiete. Von den ersten Häusern auf der Mühlen- und Rosenstraße bis hin zum Bauprojekt Buscherhof - Beecker Straße liegen 100 Jahre, ausgefüllt mit harter Arbeit, Fleiß, Engagement und viel Verantwortung zahlreicher Persönlichkeiten unserer Stadt”, lobt Köthe, der auch heute für den Bauverein noch viele zukunftsweisende Aufgaben sieht, für deren Bewältigung er vor allen Dingen neue wie junge Mitglieder zu aktiver Mitarbeit gewinnen möchte.

Dem schließt sich der Vorstandsvorsitzende Hubert Königs an. Denn auch heute bleibe die Bereitstellung von Mietwohnungen, „nicht zuletzt für diejenigen, die auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt sind, eine wichtige Aufgabe.”

Ebenfalls auf die damalige Wohnungsnot kam Bürgermeister Erwin Mathissen zu sprechen, die vor allem Arbeiterfamilien betroffen habe.

Der Gemeinnützige Bauverein habe Abhilfe geschaffen, lobt er: „Eine gute, sichere und sozialverantwortbare Wohnungsversorgung hat sich der Bauverein als oberstes Ziel zur Aufgabe gemacht und das seit nunmehr 100 Jahren.”

Der entscheidende Leitsatz, den sich der Gemeinnützigen Bauverein zum Ziel gesteckt hat, wurde bereits bei der Gründungsversammlung am 6. Februar 1903 im Restaurant Hahn am Johannismarkt in Erkelenz in Paragraph zwei festgehalten: „Der Zweck der Genossenschaft ist ausschließlich darauf gerichtet, unbemittelten Familien gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen in eigens erbauten Häusern zu billigen Preisen zu verschaffen.”

Diese Zielsetzung sei trotz aller politischen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen eines wechselvollen Jahrhunderts stets gleich geblieben”, betonte Mathissen.

Seiner Meinung nach habe sich von Beginn der Gründung an ein genossenschaftliches Unternehmen entwickelt, das sich auf eine gesunde wirtschaftliche Basis stützen könne. Der Gemeinnützige Bauverein sei für die Stadt zu einem wichtigen Partner im Wohnungsbau geworden ist.

Bereits von 1093 bis 1906 entstanden die ersten 52 Häuser an der Vereinsstraße, der heutigen Anton-Heinen-Straße, an der Rosenstraße und an der Glück-auf-Straße.

Nach dem Ersten Weltkrieg war der Bereich der Goswinstraße der Schwerpunkt der Bauaktivitäten des Bauvereins. So entstanden in den ersten 25 Jahren der Tätigkeit insgesamt 82 Häuser mit 119 Wohnungen.

Der Zweite Weltkrieg zerstörte fast alle Häuser in der Innenstadt, so dass zunächst der Wiederaufbau im Mittelpunkt stand. Danach konnte sich der Bauverein neuen Projekten widmen, etwa am Lambertusweg, wo insgesamt bis 1959 60 Wohnungen entstanden.

Neubauten am Hoogenhof, am Adolf-Kolping-Hof, an der Flachsbleiche und am Buscherhof schlossen sich an, so dass nunmehr der Gemeinnützige Bauverein Erkelenz einen aktuellen Stand von 222 Wohnungen und vier Gewerbeeinheiten in 62 eigenen Häusern vorweist.