Wassenberg/Köln: Geistig Behinderter hält Vortrag an der Uni

Wassenberg/Köln : Geistig Behinderter hält Vortrag an der Uni

„Sie werden sich nicht vorstellen können, dass unser Gast bis zu seinem fünften Lebensjahr nicht sprechen konnte”, stellte Dr. Werner Schlummer seinen Studierenden in der Universität zu Köln den Besuch vor.

Der Dozent für Geistigbehindertenpädagogik hatte Josef Giebel aus Wassenberg in die Universität eingeladen, um über seine Behinderung zu referieren.

Souverän und unterhaltsam erzählte Josef Giebel vor über 40 Studierenden der Sonder- und Heilpädagogik aus seinem Leben und berichtete von seiner körperlichen und geistigen Behinderung. Als staunender Zuhörer konnte man sich nicht vorstellen, dass er so spät und nur langsam das Sprechen erlernte.

Die angehenden Heil- und Sonderpädagogen, die den Vortrag von Josef Giebel mit Spannung verfolgten, werden später einmal in Schulen oder Wohnheimen für Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten. Im Pädagogikseminar von Dr. Werner Schlummer beschäftigten sie sich mit dem Begriff „Geistige Behinderung” und diskutierten gemeinsam mit Josef Giebel darüber. Einige der Zuhörer waren sicherlich überrascht, dass ein Mensch mit geistiger Behinderung so tiefgreifend über seine eigene Situation sprechen konnte.

„Manchmal habe ich schon das Gefühl, dass ich auf der Straße anders angesehen werde als die anderen. Ich versuche, mich als Behinderter normal zu verhalten. Aber wer kann dir sagen, wann du normal bist und wann nicht? Fallen Behinderte nur dann nicht auf, wenn sie versuchen, schlau zu sein?” Auf die Frage, was er den angehenden Pädagogen mit auf den Weg geben könnte, antwortete Josef Giebel augenzwinkernd: „Betreuer sind nicht nur da, um zu helfen, wenn´s alleine nicht geht. Sie müssen auch zutrauen können.”