Geilenkirchen/Baltimore: Geilenkirchenerin geht in Geschichte ein

Geilenkirchen/Baltimore : Geilenkirchenerin geht in Geschichte ein

Gerne denkt Anna-Larissa Pfingsten an ihre Zeit in den Vereinigten Staaten zurück, denn hier hat sie erreicht, was nur wenige Schülerinnen und Schüler aus der näheren Umgebung geschafft haben.

Die 19-Jährige aus Geilenkirchen absolvierte an der renommierten Grater Grace Christian Academy (GGCA) in Baltimore/Maryland ihren Highschool-Abschluss und ersparte sich damit ein Schuljahr in Deutschland. Der Highschool-Abschluss ist gleichwertig mit dem deutschen Abitur und wird auch in der Bundesrepublik anerkannt.

Anna-Lariassa wuchs mit Bruder Tony im schmucken Golddorf Beeck, einem Stadtteil von Geilenkirchen, auf. Zunächst besuchte sie die KGS Würm, bevor die Eltern Anna-Maria und Toni Pfingsten ihr und dem Bruder den Weg in das St.-Ursula-Gymnasium eröffneten.

Im Alter von 16 Jahren keimte in der Schülerin der Wunsch nach einem Schuljahr in den USA auf. Über eine befreundete, in Maryland lebende Familie, die wegen der beruflichen Tätigkeit des Vaters beim Awacs Verband neun Jahre lang in Geilenkirchen wohnte, fand Anna-Larissa die private Schule in Baltimore. Schon ein halbes Jahr später stand sie in Brüssel am Flughafen und wartete mit vier Koffern auf das Flugzeug in die USA. Bruder Tony begleitete sie.

In Baltimore angekommen, wurden beide von einer ausgewählten Gastfamilie am Flughafen in Empfang genommen. Bevor Anna-Larissa Pfingsten allerdings überhaupt in die USA fliegen konnte, musste sie sich einer Prüfung von Mr. Dunbar, Direktor der Academy, unterziehen.

Der Schulleiter hatte die zu diesem Zeitpunkt fast 17-Jährige mehrmals zu Hause angerufen, um ihre Englischkenntnisse zu testen. Als der Direktor Anna-Larissa am ersten Schultag in die Klasse mitnahm, richteten sieben Jungen erstaunte Blicke auf sie, war sie doch das einzige Mädchen in der Klasse.

Die Geilenkirchenerin stellte sich den Jungen und ihrer Klassenlehrerin Beverly Tjombsland vor und erfuhr noch mehr Erstaunliches: Anna-Larissa Pfingsten war die erste und bisher noch immer einzige europäische Schülerin der Grater Grace Christian Academy.

Marty, das Oberhaupt ihrer Gastfamilie, war übrigens Coach an der Schule, und das machte es für Anna-Larissa nicht leichter. Der Fußball- und Volleyballlehrer sorgte dafür, dass das Mädchen aus Deutschland immer in Bewegung blieb.

„Ich habe mich schnell eingelebt und mit meiner Gastfamilie auch viel unternommen”, erzählt die St.-Ursula-Schülerin. Nachdem sie ihr 11. Schuljahr komplett geschafft hatte, kam die Gymnasiastin nach einem Jahr wieder nach Hause, ein normales Prozedere für andere Austauschschüler.

„Meine Lehrerin am St.-Ursula-Gymnasium war anfangs nicht begeistert, dass ich in die USA gehen wollte”, erinnert sie sich. Auf dem Gymnasium hatte sie in Englisch nur eine 4, und die Lehrerin befürchtete wohl, dass das nicht reichen würde. „Als ich dann nach einem Jahr nach Geilenkirchen zurückkam, hab ich mit meiner Lehrerin Englisch geredet - und da kam sie nicht mehr mit”, schmunzelt Anna-Larissa.

Nun hätte sie in Deutschland noch zwei Jahre lernen müssen, um das Abitur zu erlangen. Doch Anna-Larissa besann sich eines Besseren und machte sich wieder auf den Weg nach Baltimore, um hier den Highschool-Abschluss zu vollenden.

Gleiche Schule, gleiche Familie - alles lief wie am Schnürchen, und nach insgesamt zwei Schuljahren in den USA hielt sie am Ende ihr ersehntes Zertifikat in der Hand. Gegenüber Deutschland hatte sie nun ein Jahr gespart - ohne Qualitätsverlust, wie sie sagt. „In Amerika werden Noten von A+ bis F verteilt”, blickt sie auf ihr Zeugnis. A+ sei die Bestnote, die habe sie unter anderem in Englisch geschafft.

Das Zeugnis ist mit einem speziellen, notariell beglaubigten Siegel versehen, dass zur Anerkennung des Highschool-Abschlusses in Deutschland führt - gleichwertig mit dem Abitur.

In Amerika ist die Abschlussfeier aufwändiger gestaltet als in Deutschland. Der Feier geht aber auch dort eine Messe voraus. Im Anschluss stehen mehrere Zeremonien auf dem Plan. Als äußeres Zeichen für den geschafften Abschluss wird den Absolventen das bekannte „Cap” mit den „Bommeln” dran verliehen. Zur Ausgabe des Diploms stellen sich die Schüler in einer Reihe auf, die Frauen in Rot, die Männer in einheitlichem Schwarz.

Die Uniform der Frauen nennt sich „Gown” und darin trat auch Anna-Larissa vor das Publikum. Sie erhielt noch die besondere Auszeichnung „most improved in Physics”, was bedeutet, dass sie die beste Schülerin in Physik war.

Eins verriet die Geilenkirchenerin erst zum Schluss: „In beiden Jahren bin ich von den Lehrern zur Promi-Queen gewählt worden.”

Die junge Frau aus dem Rheinland geht jedenfalls in die Geschichte der Schule in Baltimore ein. Der anfangs skeptische Direktor Mr. Dunbar zeigte sich am Ende begeistert und ließ wissen, dass er jederzeit wieder eine Schülerin wie Anna-Larissa Pfingsten aufnehmen würde. Zurück in Deutschland startet die Abiturientin nun ihr Studium der Medien- und Kulturwissenschaften in Köln.