Selfkant-Tüddern: Gefährden Wiesengräber die Kultur?

Selfkant-Tüddern : Gefährden Wiesengräber die Kultur?

Dem Bürgerwunsch aus Süsterseel nach einer neuen Bestattung in Form von Wiesengräbern kommt die Gemeinde Selfkant vorbehaltlich des Ratsvotums am Mittwoch, 29. Februar, nach.

Diese Art der Bestattung löste allerdings zuvor eine lebhafte Diskussion im Ausschuss für Verkehr, Bau und Umwelt der Gemeinde Selfkant aus. Als „eine Verschandlung unserer Grablandschaft”, bezeichnete Josef Werny von den Sozialdemokraten die Bestattung in Wiesengräbern.

Geplant ist eine Wiesenfläche auf dem Friedhof in Süsterseel. Flachliegende Gedenkplatten sollen darauf an die Verstorbenen erinnern. Der Vorteil für die Angehörigen liegt dabei vor allem im Finanziellen. Darüber hinaus fällt die Arbeit für die Grabpflege weg.

Für die Rasenpflege soll ein einmaliger Betrag von 2000 Euro für die Zeit von 30 Jahren erhoben werden.

„Man muss aber wissen, dass auf einer Wiesen- oder Rasenfläche kein Blumenschmuck oder Kerzen abgelegt werden können und dass dieser Begräbnisort auch möglichst wenig betreten werden sollte”, erklärte Bürgermeister Herbert Corsten.

Für die Wiesengräber in Süsterseel wurde weiterhin vereinbart, dass eine Stele mit Fläche am Rand der Wiesenfläche errichtet wird. Dort können dann Blumenschmuck oder Kerzen niederlegt beziehungsweise aufgestellt werden. Der Ausschuss befürwortete die Errichtung von Wiesengräbern in Süsterseel mit deutlicher Mehrheit von Christdemokraten und Liberalen.

„Eine Beerdigung ist teuer, viele wollen Kosten senken und so wenig wie möglich zahlen”, begründete CDU-Fraktionsvorsitzender Heinz Stassen aus Süsterseel das „Ja” seiner Fraktion. Einige Süsterseeler Bürger seien bei ihm vorstellig geworden und hätten ihn gebeten, sich für die preiswerte Möglichkeit der Bestattungsform in Süsterseel einzusetzen.

„Es gibt den Bürgerwunsch und natürlich Argumente für eine Kostendämpfung für die Bürger”, sagte Corsten.

Auch die Vertreter von Pro Selfkant sprachen sich für die Wiesengräber aus. Die Liberalen stimmten dem Vorschlag ebenfalls zu, allerdings machten sie auf ein Kalkulationsproblem aufmerksam. Es bestehe das Risiko, dass mit der errechneten festgelegten Summe von 2000 Euro die Kosten nicht gedeckt werden könnten. Schließlich würden die Kosten in den angesetzten 30 Jahren für Arbeitslohn und Material stetig steigen. Damit könnten die Wiesengräber schließlich zum Problem der Gemeinde werden.

Im Rahmen der Sitzung stellte Klaus Schneiders von der Rheinischen Treuhandstelle für Dauergrabpflege in Köln eine Studie vor. Demnach würden 81 Prozent der Beerdigung klassisch erfolgen. Friedhöfe seien eine Stätte der Begegnung, grüner Lebensräume und nicht zuletzt in vielen Großstädten Oasen der Ruhe und Besinnung.

„Friedhöfe werden oft als Orte für die Toten bezeichnet, doch sie sind für die Lebenden noch viel wichtiger”, sagte Klaus Schneiders.

Viele Ausschussmitglieder betrachteten die Bepflanzung und Pflege von Gräbern als ein besonderes Zeugnis der deutschen Kultur und als festen Bestandteil der christlich geprägten Kultur.

„Leben braucht Erinnerung”, erklärten besonders die Selfkanter Sozialdemokraten, die sich deshalb ausdrücklich gegen die geplante Einführung einer „anonymen Wiesengrablandschaft” aussprachen.