Kreis Heinsberg: Gartenverkleinerung für 50.000 Euro

Kreis Heinsberg : Gartenverkleinerung für 50.000 Euro

Birgit Frenken ist empört, fassungslos und sauer. „Ich will meinen Garten behalten.” Dafür kämpft sie. Ihr Gegner: Die Gemeinde Waldfeucht. Das große Grundstück hinter ihrem Haus ist ihr Eigentum. Trotzdem will die Kommune Bauland daraus machen - wie aus rund 50 weiteren Nachbargärten.

Aus billigem Gartenland wird dadurch teures Bauland. „Ich will nicht bauen”, sagt Frenken. Trotzdem wird sie zur Kasse gebeten. Sie rechnet mit 50.000 Euro. Die kann ihre Familie nicht bezahlen.

Familie Frenken hat wie die meisten in der Wohnsiedlung Waldfeucht-Haaren einen schmalen, 120 Meter langen Garten: Vorne Terrasse und Schwimmbecken, dahinter Holzschuppen, dahinter ein Rasen für die Kinder zum Spielen. Am Ende grenzt das Grundstück an den ebenfalls langen schmalen Garten vom Nachbarn gegenüber.

Der Gemeinderat hat beschlossen, planerisch einen Korridor durch alle Gärten in dem Viertel zu ziehen und dafür einen Bebauungsplan aufzustellen. Da die Gärten als Baugrund zu schmal sind, kommen sie in einen Topf und werden neu zugeschnitten. Umlegungsverfahren heißt das im Amtsdeutsch. Der Wassenberger Baudezernent Herbert Thissen rechnet mit rund 60 neuen Baugrundstücken für Einfamilienhäuser, Bauland, das die Gemeinde aus seiner Sicht dringend braucht. „Wir haben jede Menge Leute, die Grundstücke nachfragen”, sagt er.

Viele Eigentümer wollen das zwar nicht, müssen aber dafür bezahlen. „Sie bringen Gartenland ein und bekommen ein Grundstück zurück, das voll erschlossen ist. Ob sie das bebauen oder nicht bebauen wollen, bleibt ihnen selbst überlassen”, sagt Thissen. Wie viel sie draufzahlen müssen, stehe noch nicht fest. „Wir sind aber jeder Zeit bereit, über eine Ratenzahlung zu sprechen”, sagt der Verwaltungsmann.

„Man fühlt sich wie Freiwild”, sagt Peter Garczarek. Er und Birgit Frenken sind Sprecher der Bürgerinitiative „Haarener Feld”. Sie zählen 29 Eigentümer, die sich ihrem Kampf angeschlossen haben. Einen Anwalt haben sie eingeschaltet. Notfalls wollen sie vor Gericht ziehen. Sie sehen sich als Opfer der Willkür von Verwaltung und Politik. „Wenn wir das nicht bezahlen können, dann übernimmt das die Gemeinde und verkauft es”, befürchtet Birgit Frenken. Ihr bliebe dann nur noch ein Drittel ihres Gartens.

„Kein Baugebiet in unseren Gärten” steht auf gelben Schildern in properen Vorgärten. Gegner haben sich formiert, andere halten sich zurück und äußern sich nicht. Das Votum im Gemeinderat für den Bebauungsplan war alles andere als einstimmig: 13 Ratsleute stimmten mit Ja, 10 mit Nein und es gab 4 Enthaltungen.

Für den Juristen am Deutschen Institut für Urbanistik, Arno Bunzel, ist der Streit in Waldfeucht ein klassisches Beispiel: Die eine Hälfte von Eigentümern will die Umwandlung in Bauland, die andere nicht. „Wir geben den Kommunen immer die Empfehlung: Sucht das Einvernehmen, sonst gibt es nur Scherereien”, sagt Bunzel.

Das Umlegungsverfahren sei ein reguläres Verfahren. Es werde zur Entwicklung von Bauland gemacht. „Es ist keine Enteignung”, stellt er fest. In der Regel bekomme jeder Eigentümer Flächen im gleichen Wert zurück, wie er eingebracht habe. Wenn der Wert durch die Erschließung steige, werde das zurückgegebene Grundstück entsprechend kleiner.