Aachen/Würselen: Fusion von Abendgymnasium und Euregio-Kolleg

Aachen/Würselen : Fusion von Abendgymnasium und Euregio-Kolleg

Seit 30 Jahren betreibt der Verein WBK das Euregio-Kolleg in Würselen, doch es ist absehbar, dass dies nicht mehr lange so bleiben wird. Denn allmählich reifen die Pläne, die Einrichtung in die Trägerschaft der Städteregion zu übertragen und mit dem Aachener Abendgymnasium zusammenzuführen.

„Das heißt aber nicht, dass es das Euregio-Kolleg in Zukunft nicht mehr geben wird“, betont Doris Harst. Die Vorsitzende des WBK hat sich im Gespräch mit unserer Zeitung zum Stand der Verhandlungen und den Perspektiven „ihrer“ Schule geäußert.

Der Städteregionstag soll am 30. Juni einen Grundsatzbeschluss zur Fusion von Abendgymnasium und Euregio-Kolleg fassen. Wird damit die Schließung eines Standortes verbunden sein?

Harst: Ja, wenn man davon ausgeht, dass es drei Standorte gibt — zwei in Aachen und einen in Würselen. Die Grundlage aller Gespräche, die wir in der Politik und mit der Verwaltung bislang geführt haben, war die Annahme, dass es einen Hauptstandort und eine Dependance geben wird. Ein Standort in Aachen wird also auf jeden Fall erhalten.

Wie sehen Sie die Chancen, dass Würselen am Ende als Hauptstandort ausgewählt wird?

Harst: Die sind meiner Meinung nach gut. Ich bin seit über 20 Jahren Vorsitzende des WBK, und in dieser Zeit haben wir regelmäßig dicke Bretter bohren müssen, um einerseits Geld zu bekommen und andererseits unsere Geldgeber zufriedenzustellen. Das ist uns letztlich immer gelungen. Und mehr noch: Wir sind als Kolleg in der Weiterbildung stets Vorreiter gewesen, haben ein modernes Gebäude, das mit seinen Klassen- und Fachräumen und seiner gesamten Infrastruktur ganz auf die Erwachsenenbildung ausgerichtet ist, und mit derzeit 340 jungen Frauen und Männern immer noch eine große Schülerschaft. Es gibt also viele gute Argumente für den Standort Würselen.

Und was spricht für Aachen?

Harst: Um das einmal klarzustellen: Es geht nicht in erster Linie um die Frage des Standortes, sondern darum, für Erwachsene aus der Region ein breites Angebot auf dem zweiten Bildungsweg aufrechtzuerhalten. Fakt ist, dass wir ein solches Angebot nicht länger parallel in zwei Einrichtungen bieten können. Die Zahl der Studierenden geht zurück, die geburtenschwachen Jahrgänge sind mittlerweile auch in der Erwachsenenbildung angekommen. Dieser Situation und der damit verbundenen Verantwortung müssen wir uns stellen und unsere Befindlichkeiten dabei außen vor lassen. Wenn uns das gelingt, und davon bin ich überzeugt, werden die Studierenden die großen Sieger sein.

Dennoch endet für den WBK eine Ära, wenn er 2017 nach 31 Jahren die Verantwortung für das Euregio-Kolleg abgeben sollte.

Harst: Natürlich, aber ich kämpfe nicht um die Trägerschaft, sondern darum, dass wir es schaffen, die beiden bestehenden Systeme zusammenzuführen und die Erwachsenenbildung in der Städteregion dauerhaft sicherzustellen. Und was meine Person angeht: Ich bin als Vorsitzende ehrenamtlich tätig und werde froh sein, wenn ich und unser Verein diese enorme Verantwortung in Zukunft nicht mehr tragen müssen.

Zusammenlegungen sind in der Regel mit „Synergieeffekten“ verbunden, und die betreffen oftmals auch das Personal. Ist das in diesem Fall auch zu erwarten?

Harst: Die Stellenpläne sind so knapp bemessen, dass ich da kein Einsparpotenzial erkennen kann. Eher wird das Gegenteil eintreten, denn in unserem sehr engagierten Kollegium gibt es viele Lehrerinnen und Lehrer, die seit der Eröffnung des Euregio-Kollegs dabei sind und 2018/2019 pensioniert werden. Das trifft auch auf unseren Leiter Martin Sayer zu, der in zwei Jahren aufhört. Dann werden die zusammengeführten Einrichtungen einen gemeinsamen neuen Leiter bekommen.

Wie geht es auf der politischen Ebene weiter?

Harst: Am 30. Juni trifft der Städteregionstag seine Grundsatzentscheidung, danach beginnen die Detailberatungen, damit die Fusion zum 1. August 2017 vollzogen werden kann. Weil dies Auswirkungen auf den nächsten Haushalt hat, rechne ich damit, dass die Planung bis zum Herbst stehen wird.