Selfkant-Tüddern: „Funny van Dannen”: Unvergleichlicher Liedermacher aus dem Selfkant

Selfkant-Tüddern : „Funny van Dannen”: Unvergleichlicher Liedermacher aus dem Selfkant

Man nannte ihn auch damals schon Funny, als Franz-Josef Hagmanns vor 28 Jahren als 17-Jähriger „von Dannen” nach Berlin ging. Heute ist „Funny van Dannen” unter den Liedermachern eine feste Größe.

Mehr noch: Funnys Songs sind bei Künstlern zu finden, die zu den Großen des Geschäfts zählen.

„Herzscheiße” heißt seine neueste siebte CD, die in diesen Tagen auf den Markt gekommen ist. Er singt von der Liebe und vom Liebeskummer, er singt vom Glück, er singt vom Pech, Sieger kommen in seinen Stücken vor, Verlierer natürlich auch.

Nicht vergleichbar

Das tun viele andere auch - aber keiner so wie Funny van Dannen. Eines seiner Markenzeichen ist die Tatsache, dass er mit niemandem verglichen wird. Von der „TAZ” bis zur „F.A.Z.”, von „Tipp” bis zur „Süddeutschen” wird er als jemand gefeiert, der mit seinen Texten Einmaliges leistet.

Den einzigen Vergleich, den er sich wohl gerne gefallen lässt, ist der mit dem Dichter Christian Morgenstern, dessen humorvolle Gedichte auch oft von einer gewissen Sprach-Akrobatik gekennzeichnet sind.

Kleine Katastrophen

„Worte sind mein Ding”, heißt es in einem Lied, und das stellt er immer wieder eindrucksvoll unter Beweis. Aus den kleinen Katastrophen unseres Alltags, aus den Fünfzeilern aus dem hinteren Teil der Zeitung bastelt er seine Geschichten. Da hat ein Hochhaus wehendes Haar, da gibt’s eine Hymne an ein „Unbekanntes Pferd” oder eine Verbeugung vor „1000 Dingen”.

Oft ist es schlicht gesunder Optimismus, der in seinen Liedern den Weg zum Positiven aufzeigt. Jemand, der auf „Gwendolyn Kucharsky”, ein wunderschönes Lied über die erste Liebe, einen Reim findet, hat auch kein Problem damit, Homebanking, Spielsucht, Schilddrüsenunterfunktion, Hypochondrie, den weiblichen Eisprung, Tütensuppen, Mohnkuchen oder die seltsamen Übungen der gemeinen Fruchtfliege im Salat in Reim- und Liedform zu bringen.

Auf seiner neuen CD „Herzscheiße” beschäftigt er sich mit selbiger, mit der Überbeanspruchung seines Analytikers: „Psychiater”; er behebt den Lehrstellenmangel: „Baut kleine geile Firmen auf”, gibt Tipps zum „Falschen Mann” und singt ein Liebeslied auf „Hiltrud”.

Warum er sich entschuldigen muss, weil Guido Westerwelle bei ihm übernachtet hat, warum ein Bierzelt für ihn der „Himmel auf Erden” ist und warum sein neu gegründeter Staat eine Autotüre als Wappentier haben soll, kann wohl nur jemand verstehen, der sich mit van Dannen„scher Lyrik auseinander setzt.

Erstmals mit Band

Erstmals hat Funny von Dannen sich für „Herzscheiße” eine Band gegönnt und seine Betrachtungen der Welt von Peter Pichler arrangieren lassen. Zwei Themen kommen bei ihm immer wieder vor: Jesus und Fußball. Das eine entspringt sicher der christlichen Tüdderner Prägung des vierfachen Vaters.

Als Fußballer wäre er ja fast mal Profi bei Fortuna Sittard geworden, wenn nicht damals das liebe Geld schon eine Rolle gespielt hätte. Sein Herz gehört der Berliner Hertha; das Herz der „Toten Hosen” gehört Fortuna Düsseldorf.

„Underdog” der Szene

Während die „Hosen” musikalisch sicher in der Bundesliga spielen, ist Funny der „Underdog” in der Szene. Einige der großen Hits auf den letzten CD„s der Düsseldorfer Punkband stammen aus Funny„s Feder. Natürlich das „Bayernlied”, „Schön sein” und „Kein Alkohol ist auch keine Lösung”.

Während die Band um Frontmann Campino auch mit gecoverten Stücken wie „Frauen dieser Welt” („Groooveman”) oder „Lesbische schwarze Behinderte” (Uruguay) zu Glänzen wusste, passten Stücke wie „Gutes tun” und „Nana Mouskouri” (beide von der CD „Clubsongs”) nicht zu Udo Lindenberg, der damit keinen Erfolg hatte.

Covern: Ein Hit hat„s auf die Party-CD„s geschafft: Spätestens nach dem dritten Eimer Sangria grölt der ganze „Ballermann 6” Funny„s Klassiker „Saufen”. Öffentlichkeit ist für Funny van Dannen ein ziemliches Grauen.

Konzerte gibt es nur wenige, Interviews auch. So bleibt zum Beispiel sein Geheimnis, ob die wirkliche „Gwendolyn Kucharsky” immer noch durch den Selfkant läuft.