Erkelenz: Für Versöhnung und Frieden nach Brasilien

Erkelenz : Für Versöhnung und Frieden nach Brasilien

In weite Ferne geht es in wenigen Tagen für die 20-jährige Anne Wenk.

Am 26. September reist die ehemalige Cusanerin nach Salvador de Bahia. Ihr Aufenthalt begrenzt sich zunächst auf ein halbes Jahr und ist in keinem Fall mit einem angenehmen Touristen-Urlaub zu verwechseln.

Die weltoffene Erkelenzerin leistet dort ihr Freiwilliges Soziales Jahr. Sie unterstützt ein Projekt von Aloiso Pereira, dass jungen Menschen, die von Drogen, Kriminalität und Prostitution umgeben sind, Raum zur Entfaltung geben soll.

Die Eine-Welt-AG des Cusanus-Gymnasiums bietet seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Sozialen Dienst für Frieden und Versöhnung im Bistum Aachen Entwicklungshilfe-Stellen in Brasilien und Indien an. Anne wurde unter fast 60 Bewerbern ausgewählt.

„Zu den Auswahlkriterien zählen Flexibilität, Weltoffenheit und der Mut, sich in einem unbekannten Land zurechtzufinden”, erklärt Bruno Bürger, der zusammen mit Frank Joußen die Eine-Welt-AG unterstützt und die Reisen von Deutschland aus organisiert und betreut.

Voraussetzung für den sozialen Dienst in Brasilien sind hinreichende Kenntnisse in portugiesisch. Anne, die seit mehr als vier Jahren Mitglied der Arbeitsgemeinschaft ist, verspricht sich von ihrem Aufenthalt aufregende Erfahrungen.

„Nervös bin ich schon”, gibt die Abiturientin zu. „Man lässt sehr viel hinter sich zurück.” Eine Menge Kontaktadressen deutscher Helfer sollen Anne aber den Aufenthalt im fremden Land erleichtern.

Mit ihrem Einsatz wird sie die Arbeit von Benedikt Neikes weiterführen. Der 20-Jährige wurde im letzten Jahr für eine Zivildienststelle in Brasilien ausgewählt.

Seine Hauptaufgabe bestand darin, eine Kindergartengruppe mit 46 Kindern zu betreuen, die alle aus sozial schwachen Familien stammen. „Das Wichtigste war, den Kindern eine vernünftige Ernährung zu bieten”, berichtet der Heimkehrer. Am Ende seines Dienstes arbeitete er in einem Straßenkinderprojekt.

Die Entwicklungshelfer sollen bei ihrem Aufenthalt einen Austausch zwischen den Kulturen schaffen und zur Überwindung von Vorurteilen beitragen. Joußen und Bürger stoßen jedoch häufig auf bürokratische Hürden.

Benedikt Neikes musste zum Beispiel nach einem halben Jahr für kurze Zeit wieder nach Deutschland zurück, weil sich die brasilianischen Behörden weigerten, ihm ein Visum auszustellen.

Dieses Schicksal könnte auch Anne bevorstehen. „Das Jahr war nicht immer leicht, aber notwendig für Eine Welt und fürs Herz”, resümiert der Ex-Zivi und drückt damit aus, wie wichtig diese ehrenamtliche Arbeit ist. Anne stehen diese Erfahrungen noch bevor.

Nicht zu vergessen sind jedoch die Kosten. Die Eine-Welt-AG sorgt zwar für Verpflegung und Unterkunft, steuert sogar ein monatliches Taschengeld von 83 Euro bei, doch Flug, Impfungen und Visum verursachen Kosten, die Anne allein tragen muss.

Daher gründete die Erkelenzerin einen Förderkreis. Gegen eine monatliche Unterstützung erhalten die Spender einen ausführlichen Bericht über Arbeit, Land und Leute. Informationen bei Anne Wenk, 02431/75818.