Heinsberg: Für Igelbabys ist Winterschlaf lebensgefährlich

Heinsberg : Für Igelbabys ist Winterschlaf lebensgefährlich

Rund um die Uhr sind Wilfried Overhoff und seine Lebensgefährtin Erika Schneider für die stacheligen Vierbeiner da und versorgen die kleinen Einzelgänger mit allem, was das Igelherz begehrt.

Ob nun mit spezieller Ersatzmilch für die Igelbabys oder mit Müsli und Katzenfeuchtfutter für die großen Igel, die beiden Tierfreunde und das zumeist jugendliche Helferteam sind stets zur Stelle, wenn die 55 stacheligen Hungermäuler gestopft werden wollen.

Die Igelstation Heinsberg, die seit Oktober 2001 in Aphoven an der Talstraße 77 zu finden ist, kümmert sich momentan um 55 geschwächte und kranke Findelkinder.

So hat sich für Wilfried Overhoff und Erika Schneider das zweisame Leben auf dem Bauernhof mit den neun geliebten Katzen schlagartig geändert, als in Absprache mit dem Tierarzt im Frühjahr 2002 der erste Igel in Pflege kam.

„Zum Teil mit schweren Verletzungen, andere ausgehungert und durstig, wurden mittlerweile 140 Igel bei uns aufgenommen, versorgt und wieder aufgepeppelt. Wenn es nötig war, wurden die Tiere zum Tierarzt gebracht und entsprechend behandelt”, beschreibt Wilfried Overhoff den Werdegang der kleinen Vierbeiner, von denen viele wieder in die Freiheit entlassen werden konnten.

Und nachdem sich die „Pflegestelle” für die Igelchen herumgesprochen hatte, wurden es Woche für Woche mehr Findlinge.

„Ende Mai kamen dann auch die ersten Igelbabys, die von ihren Müttern verlassen waren und alleine nicht überlebt hätten, zu uns und wurden teilweise alle zwei Stunden mit dem Fläschchen gefüttert”, erinnert sich Overhoff.

Jetzt öffnete die Igelstation ihr neu eingerichtetes Igelhaus und gab den Besuchern einen Einblick in das Leben der nachtaktiven Säugetiere. So war beispielsweise zu erfahren, dass überwiegend Igelbabys mit einem Gewicht von 200 Gramm die „Igelunterkunft” nutzen.

Weiterhin führte Wilfried Overhoff aus, dass die Igelbabys konstant bei 15 Grad Celsius gehalten werden, da sie so nicht in Winterschlaf fallen können.

Dies sei besonders wichtig, da die Igel im Winterschlaf gut die Hälfte ihres Körpergewichtes verlieren und dann nicht mehr überlebensfähig wären.

Erst ab einem Gewicht von gut 650 Gramm seien die Igel außer Gefahr und könnten ihren Winterschlaf halten. Im Durchschnitt erreichen die „kratzbürstigen” Einzelgänger ein Alter von fünf bis sechs Jahren.

Ein Stück weit geselliger mögen es die zusätzlich aufgenommenen Tiere wie Degus, Hühner, Vögel, Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde, Gänse, Enten, Zwergziegenbock Felix und die beiden Mini-Ponys, die auf dem Bauernhof ebenfalls in bester Obhut sind.

Getragen wird die mühsame wie auch kostspielige „Beherbergung” der Igel durch die Renten der beiden Tierliebhaber sowie durch Spenden. Eine große Hilfe liegt weiterhin in den Tierfutterherstellern, die sich mit Futterspenden ebenfalls für die Igelstation einsetzen.

Um die Arbeit zum Wohle der Igel weiter fortzuführen, ist die Gründung des Vereins „Freunde der Igelstation Heinsberg” in greifbare Nähe gerückt.

Bisher zählt der Förderverein bereits stolze 20 Mitglieder, die schon jetzt für die kleinen Vierbeiner die Spendentrommel rühren.

Schließlich möchten viele Dutzend Igelmäuler gestopft werden, um nach den Eisheiligen fit und rund in die Natur entlassen zu werden.