Für die Wirtschaft in der Region Aachen muss einiges getan werden

Städteregion : Für die Wirtschaft in der Städteregion muss einiges getan werden

Das Echo fiel diesmal weitaus positiver aus, als es noch Anfang März im städteregionalen Fachausschuss der Fall war. Das lag wohl in erster Linie daran, dass mittlerweile Arbeitsgruppen gebildet worden sind zur „Wirtschaftsstudie Region Aachen“, die von der Politik zuvor verbal ziemlich zerrissen worden war.

Konkrete Schritte waren im Ausschuss von Vertretern aller Fraktionen gefordert worden. Die gibt es zwar immer noch nicht. Aber die Diskussion darüber, was zu tun ist, um die Wirtschaft der Region in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu stärken, nimmt allmählich Fahrt auf.

Digitale Infrastruktur und digitale Bildung waren zentrale Themen beim Wirtschaftsforum. Foto: Grobusch

Deutlich spürbar war das beim Wirtschaftsforum für die Städteregion, zu dem der Zweckverband Region Aachen ins Centre Charlemagne eingeladen hatte. Auf dem prominent besetzten Podium und anschließend auch aus dem Publikum gab es Anregungen und Kritik. Und es wurden jede Menge Aufgaben genannt, die es in sich haben.

Einige Beispiele

Fachkräftesicherung: Der Bedarf ist enorm, und die Zahl der unbesetzten Stellen steigt. „Das ist für viele Betriebe ein großes Problem“, wusste Ralf Bruns, Hauptgeschäftsführer der Vereinigten Unternehmerverbände Aachen (VUV), zu berichten. Eine im Auftrag der VUV vorgenommene Umfrage unter den 260 angeschlossenen Firmen habe bestätigt: „Es gibt eine klare Fokussierung auf das Thema Fachkräfte.“

Doch wie kann man für Besserung sorgen? „Wir bilden hervorragende Fachkräfte aus, die leider nicht in der Region bleiben“, stellte Raphael Jonas, Abteilungsleiter Innovation, Umwelt und Industrie bei der Industrie- und Handelskammer Aachen, fest. Als erst vor Kurzem aus dem Ruhrgebiet nach Aachen gezogener „Neubürger“ sei er überrascht gewesen, dass es trotz der RWTH vor allem in technischen Bereichen einen Mangel an qualifizierten Kräften gebe.

Ein Patentrezept, wie man das ändern könne, habe er nicht, räumte Jonas ein. Aber zumindest eine Vermutung: „Es könnte unter anderem auch an den zu niedrigen Gehältern liegen.“ Die Feststellung, dass nicht nur an den Hochschulen eine gute Ausbildung gewährleistet werde, war Wolfgang Königs ein Anliegen: „Wir haben in der Städteregion ein sehr gesundes Berufskolleg-System“, betonte der Vorsitzende des städteregionalen Wirtschafts- und Wissenschaftsausschusses. „Das ist ein hoher Wert, den man schätzen sollte.“

Digitalisierung: Wenn es einer wissen muss, dann er: Dr. Oliver Grün wählte beim Wirtschaftsforum deutliche Worte: „In Sachen digitaler Infrastruktur ist Deutschland ein Entwicklungsland“, kritisierte der Vorstand der Grün Software AG und Vorstandsvorsitzende des Digital Hub Aachen den unzureichenden Netzausbau. Doch nicht nur da hapere es, auch die digitale Bildung sei „eine Katastrophe“ mit verheerenden Folgen: „Wir bilden digitale Analphabeten aus“.

Ein Grund dafür sei, dass erst ab der 8. Schulklasse Informatikwahlfächer angeboten würden. „Die Kinder müssen bei diesem Thema aber nicht erst mit 14, sondern schon mit sieben Jahren abgeholt werden“, forderte der Experte. Die Rückkehr zu G9 biete nun die Chance, diesem Defizit zumindest etwas entgegenzuwirken. „Wir müssen endlich aufwachen und uns besser aufstellen.“

Gewerbegebiete: In der Städteregion gibt es eine große Diskrepanz zwischen dem Bedarf und dem Angebot an freien Gewerbeflächen (wir berichteten). „Gewerbeflächenmanagement darf nicht an Stadtgrenzen halt machen“, forderte Wolfgang Königs. In diesem Punkt habe die Politik die Möglichkeit, passende Rahmenbedingungen zu schaffen. „Wir sind gerade dabei“, versicherte der CDU-Politiker mit Verweis auf das geplante zentrale Flächenmanagement und die Bildung eines Flächenpools, an dem sich alle zehn regionsangehörigen Kommunen beteiligen werden.

Darüber hinaus müssten aber auch weitere Gewerbeflächen erschlossen werden, betonte Raphael Jonas, denn: „Wachstum ist nur möglich, wenn entsprechende Flächen existieren.“ Das gelte insbesondere für Ausgründungen aus RWTH, FH und Forschungszentrum Jülich. „Sie müssen in der Region wachsen können, sonst sind sie irgendwann weg“, warnte der Abteilungsleiter.

Lebensqualität: Bei der Anwerbung von Arbeitskräften spielen die sogenannten „weichen Standortfaktoren“ eine immer größere Rolle. Darauf wies Georg Helg, Vorsitzender der städteregionalen FDP-Fraktion, vehement hin. „Die Aachener Region hat da ein massives Defizit“, kritisierte Helg und verwies auf die Bereiche Sport und Kultur.

„Es ist ein Riesenmanko, dass wir keinen großen Fußballverein haben. Das könnte die Wirtschaft ändern“, befand Helg. Und mit Blick auf die Volleyballerinnen: „Die ‚Ladies in Black‘ müssen in Maasmechelen spielen, weil in den Aachener Hallen die Deckenhöhe nicht ausreicht.“ Seit vielen Jahren werde über das Thema Hallenneubau, „mutig von Städteregionsrat Helmut Etschenberg angestoßen“, diskutiert. „Aber bis heute ist nichts passiert.“

Passieren muss, in diesem Punkt herrschte beim Wirtschaftsforum Einigkeit, jetzt auch etwas in Sachen Wirtschaftsstudie. „Die Politik geht davon aus, dass nun konkrete Vorschläge kommen werden“, erklärte die städteregionale CDU-Fraktionsvorsitzende Ulla Thönnissen. „Wir möchten wissen, was zu tun ist, um unsere Region für die Zukunft wirtschaftlich gut aufzustellen, und das dann zügig umsetzen.“