Kreis Heinsberg: Fünf Selfkant-Landwirte laden zur Höfetour ein

Kreis Heinsberg : Fünf Selfkant-Landwirte laden zur Höfetour ein

Wer Lust hat, auf einer Fahrradtour der ganz besonderen Art die heimische Landwirtschaft hautnah zu erkunden, der sollte sich den Termin schon einmal vormerken: Sonntag, 12. Juni. Fünf Landwirte aus dem Selfkant laden zu einer Höfetour ein.

Aber selbstverständlich sind auch alle, die mit dem Auto oder zu Fuß kommen wollen, willkommen auf den fünf landwirtschaftlichen Betrieben, die an diesem Tag von 11 bis 17 Uhr ihre Hoftore für interessierte Besucher geöffnet haben.

„Vorzeigebetrieb“ in Stein

„Die Distanz zwischen Landwirten und Verbrauchern überwinden und endlich wieder in einen guten Dialog kommen!“ Mit dieser Formel umriss Bernhard Conzen aus Gangelt, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes und zugleich Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg, bei einem Pressegespräch am Dienstag auf dem Hof von Gerrit Meuwissen in Selfkant-Stein — „einem unserer Vorzeigebetriebe“, so Conzen — die Zielsetzung der Aktionen der rheinischen Bauern unter der Devise: „Wir machen Höfetouren“.

„Was auf dem Land passiert“

Die Verbraucher — insbesondere aus den Städten — sollten erfahren, „was auf dem Land passiert“, so Conzen. Die Landwirte würden ihnen gerne Rede und Antwort stehen. „Wir zeigen, was wir können und wie wir es können, warum wir unsere Arbeit so machen müssen, wie wir sie machen.“

Habe früher ein Landwirt mit seiner Produktion fünf bis sechs Personen ernähren müssen, so mache ein Betrieb heutzutage 146 Menschen satt, machte Conzen an einem Jahrhundertvergleich die Produktivitätssteigerung deutlich. Es gehe um Transparenz, Qualität und Sicherheit, um einwandfreie und gute Lebensmittel, aber auch um Tierwohl und Tierschutz.

„Wir sind in einer extremen Krise“, sagte Conzen mit Blick auf die schwierige Situation vieler Landwirte, die insbesondere mit dem Wegbrechen der Milchpreise zusammenhänge. Conzen nannte Stichworte wie das Russland-Embargo oder die China-Krise und sprach von einer „Spirale nach unten“, die „ganz grässlich“ sei. Es gebe „kein Licht am Ende des Tunnels“, erste Betriebe würden aussteigen. Die Probleme würden sich auch auf andere Bereiche erstrecken, nannte Conzen beispielhaft die Produktion von Schweinefleisch.

„Wir sehen es als wichtig an, dass der Verbraucher sieht, wie wir produzieren“, erklärte Gerrit Meuwissen zu seiner Motivation, bei der Höfetour mitzumachen. Er führt den Familienbetrieb in vierter Generation, wobei sein Vater ebenso noch mit von der Partie ist wie auch schon einer seiner Söhne. Rund 260 Kühe mit einer Leistung von knapp 11.000 Kilogramm Milch pro Kuh und Jahr werden von ihm in dem Zuchtbetrieb gehalten.

Sie stehen in einem offenen, lichtdurchfluteten und gut belüfteten Stall mit Gummilaufgängen, Strohbetten und Massagebürsten. Zweimal täglich geben die Kühe in einem Melk­karussell Milch. Dieser Hof betreibt auch viel Eigenfutteranbau, aber auch ­Zuckerrüben und Weizen sowie für eine belgische Konservenfabrik Erbsen und Bohnen gehören zum breiten Spektrum dieses landwirtschaftlichen Betriebes, der insgesamt 180 Hektar — auf eigenen und gepachteten Flächen — bewirtschaftet. Nicht zuvergessen ist die Stromproduktion aus Gülle und Fotovoltaik.

Vielfalt der Landwirtschaft

Vier weitere Höfe werden — neben dem Hof von Gerrit Meuwissen in Stein — bei der Aktion am 12. Juni im Blickpunkt stehen, so soll „die Vielfalt der Landwirtschaft“ gezeigt werden, sagte Conzen. Mit von der Partie sind auch: Hillensberger Hof von Familie Weinberg (Ackerbau und Kartoffeln); Spargelhof der Familie Hensgens (Spargel, Erdbeeren und Heidelbeeren) in Havert; Bauernhof Janßen (Milchviehbetrieb und Biogas) in Großwehrhagen; Obsthof Dreissen ­(Rodebachhof) in Wehr.

Wie Katharina Schmitz, die Geschäftsführerin der Kreisbauernschaft, schon jetzt ankündigte, soll es nach dieser ersten Heinsberger Höfetour jährliche Wiederholungen geben — nach der Premiere im Selfkant dann jeweils in einer anderen Region des Kreisgebietes.

20 Kilometer lange Radroute

Eine ausgeschilderte, etwa 20 Kilometer lange Radroute wird die fünf Selfkant-Höfe am Veranstaltungstag miteinander verbinden. Dazu wird ein spezieller Flyer erscheinen. Aber auch im Internet werden alle wichtigen Informationen präsentiert.

(disch)