Kreis Heinsberg: Früher Therapieansatz führt häufig zum Erfolg

Kreis Heinsberg : Früher Therapieansatz führt häufig zum Erfolg

In den drei Einrichtungen der Suchtberatung des Gesundheitsamtes des Kreises Heinsberg in Geilenkirchen, Erkelenz und Heinsberg wurden im vergangenen Jahr insgesamt 726 Personen (davon 242 Frauen und 484 Männer), betreut und beraten. Eine einmalige Betreuung nutzten 96 Personen.

Wie schon in den Vorjahren gab es mit 322 Personen mehr Kontakte, die Probleme mit illegalen Drogen wie Opiate, Cannabinoide, Amphetamine und Ecstasy hatten als Beratungen für Menschen (278) mit Problemen mit legalen Suchtmitteln wie Alkohol und Medikamenten.

Diese Zahlen nannte der Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Wolfgang Sommer, zum Auftakt der Vorstellung des Jahres- und Qualitätsberichtes 2007 im Beisein von Diplom-Sozialarbeiterin Ursula Tiebel, Diplom-Sozialpädagoge Johannes Müllers und Diplom-Sozialarbeiterin Britta Vujaklija.

Dr. Karl-Heinz Feldhoff, Leiter des Gesundheitsamtes, erinnert in seinem Vorwort zum Jahresbericht daran, dass die Heinsberger Beratungsstelle 2007 durch personelle Veränderungen harte Herausforderungen bewältigen musste. Es bekamen aber doch alle Rat Suchenden zeitnahe Ersttermine.

Auffällig seien die heftigen Auswirkungen von frühem, jahrelangen und massiven Cannabiskonsum. Diese jungen Menschen haben oftmals keine Schulabschlüsse, keine Ausbildung, gehen in die soziale Isolation, entwickeln drogeninduzierte Psychosen.

87 Klienten waren im Alter von unter 20 Jahren. Feldhoff macht jedoch allen davon Betroffenen Mut, rechtzeitig Hilfe und Beratung zu suchen. Denn in vielen Fällen habe der frühe Therapieansatz zu einer erfolgreichen und nachhaltigen Rehabilitation geführt. Dazu beigetragen habe die intensive Aufklärungs- und Informationsarbeit, wodurch in den letzten Jahren die Schwelle zum Erstkontakt wesentlich gesenkt werden konnte.

Als „wichtigen Baustein” der Arbeit der Suchtberatung bezeichnet Wolfgang Sommer die ambulante medizinische Rehabilitation Sucht. Dieses Behandlungsangebot wird im Trägerverbund mit dem Caritasverband und dem Diakonischen Werk geleistet und kommt als Ergänzung wie auch als eigenständige Alternative zur stationären Langzeittherapie in Betracht. Dieses Angebot nutzten im Vorjahr 31 Personen.

Als weiteren wichtigen Punkt der Suchtberatung nennt Sommer die Zusammenarbeit mit Schulen. Hier wurde in Kooperation mit der AOK, dem Jugendamt, dem Ordnungsamt und der Polizei ein Handlungskonzept für Lehrer zum Umgang mit drogenkonsumierenden Schülern entwickelt. Ziel ist der Versuch, den Einstieg in den Suchtmittelkonsum bei Kindern und Jugendlichen zu verhindern und zumindest das Einstiegsalter soweit wie möglich zu erhöhen.

Insgesamt sollen alle auf ihrem Weg zu einem unabhängigen, suchtfreien Leben unterstützt werden. In den Schulen gebe es in den vergangenen Jahren eine zunehmende Bereitschaft, sich den Problemen zu stellen. Dort gehe man sehr sensibel damit um. Im Rahmen der Suchtvorbeugung in 88 Schulen, Ausbildungsbetrieben, berufsbegleitenden Einrichtungen sowie Kirchengemeinden, Vereinen und Parteien wurden insgesamt 1884 junge Leute erreicht. Darin eingeschlossen sind auch die Gäste der Disco-Aktion „Mit der Rauschbrille durch die Nacht” sowie der Party „Be smart - donÔt start” und der Abschlussveranstaltung „Konsum und Diebstahl”.

Die Ausstellung „Sucht hat immer eine Geschichte” wurde von 2339 Personen besucht. Weitere Aktivitäten im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit waren regelmäßige Berichterstattungen in Presse, Rundfunk und Fernsehen, die Nutzung ungewöhnlicher Medien wie Aktions- und Animationstheater und die Kampagne „Leben ohne Qualm - Mit frischer Luft in den Frühling” mit verschiedenen Aktionen für Jung und Alt und dem „Weltnichtrauchertag” im Kreishaus.

Das Team der Beratungsstelle sowie Feldhoff bedanken sich für die gute Zusammenarbeit mit der Caritas und der Diakonie und allen weiter beteiligten Schulen und Institutionen. Eine erfolgreiche Arbeit der Suchtberatung könne nur im vernetzten Kontext im Kreis stattfinden. Ausdrücklich zollt Feldhoff auch der Kreispolitik Anerkennung, die seit vielen Jahren in umsichtiger Verantwortung für die Finanzierung der Suchtberatungsstellen und der wichtigen Prophylaxearbeit Sorge trägt und die Grundförderungen des Landes aufstocke.