Freude bis ins hohe Alter

Freude bis ins hohe Alter

Vorgestern (also am Montag) war der Tag des Gartens, ein ähnlich bedeutsamer Tag wie der der Deutschen Einheit in der nächsten Woche.

Während letzterer allerdings nicht mit besonders positiven Gefühlen in Verbindung gebracht wird (wenn überhaupt außer bei den üblichen Verdächtigen das gemeine Volk Notiz davon nimmt und viele gar nicht wissen, worum es dabei geht), genießt der Tag des Gartens hohes Ansehen - auch wenn die meisten keine Ahnung haben, dass es ihn gibt. Denn der Garten hat gerade in unserer ländlichen Gegend für viele Leute einen ähnlich hohen Stellenwert wie - sagen wir einmal - die Religion. Mit ihm verbinden sich Liebe, Hingabe, unermüdlicher Einsatz und, was nicht gering geschätzt werden darf, ein Schuss Irrationalität. Denn was ist davon zu halten, dass zur Zeit der Ernte beispielsweise soviel Salat reif ist, dass er einem, sollte er für den eigenen Verzehr gedacht sein, zu den Ohren rauskommt, anfängt zu schießen oder den Kompost um wertvolle Nährstoffe bereichert?

Oder fahren nicht manchen Gartenfreunden Schrecken in die Glieder (ähnlich wie bei Gedanken an die Hölle oder zumindest an das Fegefeuer), wenn ein Gänseblümchen es wagen sollte, sein kleines Köpfchen aus dem gestylten und mit der Nagelschere bearbeiteten Rasen emporzustrecken? Und ist nicht der Gartenzwerg, jener putzige bunte Kerl aus Keramik oder Plastik, geradezu zum Urbild kleinbürgerlichen Kunstverständnisses geworden? Aber Spaß und Spott beiseite: Gartenarbeit ist gesund, macht viel Freude, fördert das Verhältnis zur Natur und kann bis ins hohe Alter betrieben werden.