Freiwillige Feuerwehr: Leistungsgrenzen erreicht?

Freiwillige Feuerwehr: Leistungsgrenzen erreicht?

Kreis Heinsberg. Mahnende Worte richtete Bezirksbrandmeister Toni Mertens an die Delegiertenversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes - unter den Zuhörern auch die Bundestagsabgeordneten Christa Nickels (Grüne) und Leo Dautzenberg (CDU).

„Es muss jedem klar sein, dass man die vielfältigen Aufgaben von morgen nicht mit der technischen Ausrüstung von gestern bewältigen kann,” formulierte Mertens seine Gedanken zur Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr.

146 Delegierte besuchten den Verbandstag, der in Verbindung mit der Feier zum 100-jährigen Bestehen der Löschgruppe Hilfarth im Saal Sodekamp-Dohmen (Hückelhoven-Hilfarth) veranstaltet wurde.

Es stelle sich die Frage, ob nicht die Grenzen der Leistungsfähigkeit erreicht seien, betonte der Bezirksbrandmeister. „Klafft da nicht eine große Lücke zwischen schönen Worten der Anerkennung und der Realität?” Retten, Löschen, Bergen, Schützen - daraus bestünden die Grundaufgaben der Feuerwehr.

Fragwürdig sei deshalb auch, ob Löschgruppen jeden Tierkadaver und jede Ölspur von der Straße entfernen müssten. Es gebe „Muss”- und „Kann”-Aufgaben, so Mertens. Feuerwehrleute seien keine freiwilligen Laien, sondern ehrenamtliche Spezialisten.

„Wir werden immer wieder darum bemüht sein, den Daumen in die Wunde zu legen und auf die Probleme hinzuweisen, die das Ehrenamt mit sich bringt”, ließ Mertens die Versammlung wissen.

Bei aller Kritik entfiel auf den Bezirksbrandmeister auch eine freudige Aufgabe: die Ehrung von verdienten Mitgliedern.

Das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber ging an die Brandinspektoren Wilfried Knur (Löschgruppenführer Hilfarth) und Holger Röthling (Löschgruppenführer Wassenberg) sowie Hans-Josef Derichs (Zugführer des ersten Zuges Heinsberg); Derichs konnte der Ehrung nicht beiwohnen.

Mit dem Deutschen Ehrenkreuz in Gold wurde Stadtbrandinspektor Helmut Küppers (Feuerwehr Heinsberg) ausgezeichnet.

Landrat Karl Gruber freute sich darüber, dass der Verbandstag erneut mit dem Jubiläum einer Löschgruppe kombiniert worden sei. Gruber lobte: „Die Hochachtung und Wertschätzung unter der Hilfarther Bevölkerung zeugt von dem erfolgreichen Bemühen, immer im Dienste der Allgemeinheit positiv zu wirken.”

Auch der Schirmherr des Jubiläumsfestes, Hückelhovens Bürgermeister Werner Schmitz, zeigte sich von dem Engagement der Hilfarther Wehr vollkommen überzeugt.

„Die 97 Löschgruppen des Kreises Heinsberg wurden 2001 zu insgesamt 1339 Einsätzen alarmiert. Die Zahl der Einsätze entspricht damit etwa dem Aufkommen des Jahres 2000”, informierte der stellvertretende Kreisbrandmeister Hans-Hubert Plum. Er verlas den Jahresbericht in Vertretung von Kreisbrandmeister Karl-Heinz Prömper.

Von den insgesamt 3345 Mitgliedern würden 2226 Feuerwehrmänner und -frauen am aktiven Dienst teilnehmen. Im Verlauf der 556 Brandeinsätze hätten die Feuerbekämpfer 64 Menschen gerettet.

Die Zahl der technischen Hilfeleistungen liege bei 1029 Einsätzen, so Plum. 86 Menschen hätten gerettet und neun leider nur tot geborgen werden können. 24 Einsatzkräfte seien in Ausübung ihrer Pflicht verletzt worden.

Kreisjugendfeuerwehrwart Rainer Wild wies darauf hin, dass ein engagierter Nachwuchs ein Garant für das Weiterbestehen der Freiwilligen Feuerwehr sei. Im Moment stünden genug junge und qualifizierte Führungskräfte bereit. Die Jugendfeuerwehr verfüge über 369 Jungen und 38 Mädchen.