Städteregion: Fraktionschef der CDU tritt nach 21 Jahren zurück

Städteregion : Fraktionschef der CDU tritt nach 21 Jahren zurück

Dieter Wolf klappt sein Notizbuch zu. Der dunkelrote Ledereinband ist unten rechts mit einem kleinen Aufkleber versehen. „Ich freu‘ mich auf 2015“, ist darauf zu lesen. Den habe er dahin geklebt, sagt Wolf, damit er auch immer wisse, dass jetzt etwas gutes Neues beginne. Nach 21 Jahren an der Fraktionsspitze der CDU der Städteregion ist Dieter Wolf zurückgetreten. Mittwoch hat er seine Fraktion informiert.

„Es ist nicht leicht, so etwas abzugeben. Aber richtig“, sagt er. Ganz überraschend kommt sein Rücktritt nicht. Der inzwischen 70-Jährige hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass an der Fraktionsspitze im Jahr 2015 Schluss für ihn sein solle. Die politische Lage in der Städteregion erleichtert ihm das Loslassen. „Die CDU ist nach der Kommunalwahl 2014 stärkste Kraft in der Städteregion geblieben, die Zusammenarbeit mit den Grünen wird fortgeführt, Helmut Etschenberg ist Städteregionsrat geblieben. Das hatte ich mir vorgenommen, das ist eingetreten.“ Wolf ist mit sich im Reinen.

Als er vor 21 Jahren die Fraktionsspitze von Carl Meulenbergh, der zum Landrat gewählt worden war, übernahm, wagte die CDU ein politisches Experiment. Sie ging eine Koalition mit den Grünen ein, was selbst auf kommunaler Ebene ein Novum war. „Eine Koalition der Gegensätze“, unkte die politische Konkurrenz. Nicht wenige erwarteten den frühen Bruch der gegensätzlichen Koalitionäre. Doch selbst in ihrem 21. Jahr hat diese Koalition noch Bestand. „In den vergangenen Jahren ist die CDU der Städteregion etwas grüner geworden und die Grünen etwas gesetzter“, sagt Wolf.

Den Grund für die nachhaltige Zusammenarbeit zwischen CDU und Grünen in der Städteregion sieht Wolf nicht zuletzt darin, dass sich Schwarz-Grün in der Region auch immer nur um regionale Themen gekümmert habe. „Wir haben nie die großen Linien der Bundespolitik, sondern unsere kommunalen Ziele zum Thema gehabt.“ Das habe es erheblich erleichtert, in der Sache Kompromisse zu finden. „In 21 Jahren haben wir keine Abstimmung verloren. Das soll uns erst mal einer nachmachen“, sagt Wolf.

Purer Zufall ist es gewiss nicht, dass ausgerechnet in der Städteregion CDU und Grüne zusammenfanden. Schwarz-grüne Koalitionen griffen Mitte der 1990er in altindustriellen Regionen, in denen die SPD lange Zeit politischer Alleinunterhalter war. Die grünen alternativen Ideen kombiniert mit lokalen Akteuren der CDU, die der Industrie selbst nahe standen, ließen Schwarz-Grün plötzlich auch für SPD-Stammwähler zur Alternative werden.

Wolf ist so ein lokaler Akteur der CDU mit Nähe zur Industrie. Sein Geld verdiente der gebürtige Neusser bei den Stolberger Dalli-Werken. Kein Wunder, dass ihn der Erhalt industrieller Arbeitsplätze in der Städteregion nach wie vor bewegt. Für die Zukunft wünsche er sich, dass sich vor allem Arbeitnehmer politisch engagieren. „Wenn die Politik die Qualität der Arbeitsplätze im Blick haben will, dann brauchen wir an den entscheidenden Stellen auch Menschen, die als Arbeitnehmer ihr Geld verdienen“, sagt Wolf.

Um wirtschaftlich wegweisende Entscheidungen treffen zu können, brauche die Städteregion allerdings auch mehr Kompetenzen, fordert Wolf. Adressiert ist die Forderung an NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD), der noch vor einigen Wochen unmissverständlich klar machte, dass er von mehr Autonomie der Städteregion, gerade bei der Regionalplanung, nichts halte. „Wir brauchen das aber für die Region“, insistiert Wolf. „Wenn wir Bebauungs- und Flächennutzungspläne selbst entscheiden könnten, ohne dass mit einer Bezirksregierung abstimmen zu müssen, wäre uns schon sehr geholfen.“

Seit 1969 ist Wolf Mitglied der CDU. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Verhältnis von Politik und Bevölkerung grundlegend verändert. „Es gibt ein großes Interesse der Öffentlichkeit für Kurzzeitthemen.“ Aus diesem Grund müsse sich die Politik deutlich besser erklären als früher. „Und dabei muss die Politik darauf Acht geben, dass sie nicht nur bei Einzelprojekten bleibt, wie einem Windrad hier oder einem Windrad da. Die Politik muss auch die Zusammenhänge erklären.“

Zum letzten Mal betrat Wolf am Mittwoch als Chef seiner Fraktion das Haus der Städteregion. Sein Mandat im Städteregionstag wird er halten. Mit klugen Ratschlägen für seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin will er aber äußerst sparsam umgehen. „Ich werde mich nicht so wichtig nehmen und genießen, dass ich Verantwortung abgeben kann. Denn jetzt habe ich noch einige Ziele, die mit Politik nichts zu tun haben.“

Gemeint haben dürfte er damit vor allem, dass er nun mehr Zeit hat, seinen Hobbys nachzugehen. Vor allem wolle er viel Zeit in Radtouren investieren. Begleiterin wird dabei stets seine Frau Lydia sein. „Die ist schon darauf vorbereitet, dass ich jetzt öfters zu Hause sein werde.“