Aachen/Kalterherberg: Fotoprojekt: Der Depression ein Gesicht geben

Aachen/Kalterherberg : Fotoprojekt: Der Depression ein Gesicht geben

„Über Ängste und Depressionen wird immer noch zu wenig gesprochen“, sagt Corinna-Jasmin Kopsch. „Dabei sind es Erkrankungen wie andere auch und nichts, wofür man sich schämen müsste.“ Mit ihrem Fotoprojekt „Ängste und Depressionen“ will sie dazu beitragen, diese Themen aus der Tabu-Ecke zu holen.

Die 32-Jährige ist freie Fotografin und auch für unsere Zeitung als freie Mitarbeiterin journalistisch im Einsatz. Seit ihrer Kindheit leidet sie selbst an Angststörungen und Depressionen. „Ich weiß, wie das ist“, sagt Kopsch. Über Facebook machte sie im Sommer auf ihr Projekt aufmerksam. „Ich wollte das Thema in dem Rahmen, der mir möglich ist, in die Öffentlichkeit bringen“, erzählt sie.

Blick durch die Linse: Corinna-Jasmin Kopsch fotografiert Menschen zum Thema Ängste und. Foto: Harald Krömer

Viel positive Resonanz

Mit einem Fotoprojekt will Corinna-Jasmin Kopsch den Tabus im Umgang mit seelischen Erkrankungen etwas entgegensetzen. Teilgenommen haben unter anderem (im Uhrzeigersinn von links oben) Simone Severin, Sandra Gobbers, Morris Sass und Linda Grafmüller. Foto: Corinna-Jasmin Kopsch

Von der großen und sehr positiven Resonanz war sie selbst überrascht. Einige der Frauen und Männer hat Kopsch dann auch fotografiert. Das war auch für die Fotografin eine neue Erfahrung. „Auf meinen Fotos versuche ich sonst, die schönen Seiten des Lebens festzuhalten. Ich fotografiere häufig Haustiere, Feste, Landschaften.“

Mit einem Fotoprojekt will Corinna-Jasmin Kopsch den Tabus im Umgang mit seelischen Erkrankungen etwas entgegensetzen. Teilgenommen haben unter anderem (im Uhrzeigersinn von links oben) Simone Severin, Sandra Gobbers, Morris Sass und Linda Grafmüller. Foto: Corinna-Jasmin Kopsch

Auch die Aufnahmen zum Thema Depression zeigen Landschaften. Aber die Menschen darin sind von Einsamkeit umgeben, nachdenklich, versonnen.

Blick durch die Linse: Corinna-Jasmin Kopsch fotografiert Menschen zum Thema Ängste und Depressionen. Foto: Harald Krömer

„Die Fotos sollen zeigen, wie es einem gehen kann mit so einer Krankheit“, erläutert Kopsch. „Ich selbst bin dann auch gerne in der Natur alleine.“ Alle Modelle haben selbst bestimmt, wie gut sie auf den Fotos erkennbar sein wollen. „Es soll ja keiner bloßgestellt werden“, sagt Kopsch.

Wovon die Fotos nicht erzählen, ist zum Beispiel das Unverständnis, das Kranken begegnet. „Reiß dich doch mal zusammen. Das kann doch nicht so schlimm sein. Das wird schon wieder.“ Solche Sätze hören viele Betroffene. „Wenn einer ein gebrochenes Bein hat, sagt auch keiner: Das ist doch nicht so schlimm“, merkt Kopsch dazu an.

Wovon die Fotos ebenfalls nicht erzählen, das ist die Scham, die Betroffene häufig empfinden. „Ich habe Depressionen, das darf man nicht sagen“, sagt eine junge Frau, die sich für den Fotozyklus ablichten ließ. Die 25-Jährige möchte ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Deshalb wird sie an dieser Stelle Anne genannt.

Auch sie erlebt, dass eine psychische Erkrankung ein riesiges Tabu ist. Man schäme sich sogar selbst für seine Krankheit, erzählt sie. „Depressionen, so was hat man nicht. Man sagt sich: Andere haben doch noch viel mehr Druck und Stress. Warum halte ich das nicht aus?“ Anne erinnert sich noch gut daran, wie schlimm sie es fand, ihren eigenen Eltern zu erzählen, dass bei ihr eine Depression diagnostiziert worden war.

Gerne würde Corinna-Jasmin Kopsch weitere Frauen und Männer für ihr Projekt fotografieren (Kontakt per E-Mail: info@corinna-jasmin-kopsch.de.) Und auch eine Ausstellung der Motive kann sie sich vorstellen. „Aber nur, wenn meine Models damit einverstanden wären und wenn sich ein passender Rahmen fände.“

Ihre persönliche Auseinandersetzung mit Angst und Depression greift die Fotografin neuerdings auch in ihrem Blog „Fräulein Angst & ich“ auf. In einem Beitrag heißt es: „Geschwiegen habe ich lange genug.“