Kreis Heinsberg: Fotografen rücken verlorene Orte in den Blickpunkt

Kreis Heinsberg : Fotografen rücken verlorene Orte in den Blickpunkt

Ein ganz unspektakuläres Bild ist, natürlich ganz subjektiv betrachtet, das schönste in der aktuellen Ausstellung des Kunstvereins Region Heinsberg. Der Aachener Fotograf Pit Siebigs ist in den Galerieräumen des Kunstvereins auf dem Horster Hof in Unterbruch mit seinen großformatigen Fotografien zu Gast. Er zeigt Bilder, die er an verlorenen Orten, sogenannten Lost Places, aufgenommen hat.

Diese Orte hat Siebigs in der Region gefunden und anderswo. Angefangen hat diese Leidenschaft für Orte, die sich selber überlassen wurden, in Oberbruch. Das ehemalige Glanzstoff-Werk war vor einigen Jahren Ziel mehrerer Fotoexkursionen des in Grebben geboren Fotografen Pit Siebigs. Eine große Ausstellung auf dem Oberbrucher Werksgelände hatte die Öffentlichkeit erstmalig mit Siebigs Fotografien dieser ganz speziellen Orte bekannt gemacht. Die aktuelle Ausstellung beim Kunstverein Region Heinsberg knüpft an diese Schau an, zeigt neuere Arbeiten und einige aus der Oberbrucher Serie.

Unter den neueren findet sich auch eine, die aus dem Rahmen fällt und für andere Besucher, wiederum rein subjektiv betrachtet, die schönste ist. Diese Aufnahme ist in der Galvanisierungsabteilung einer tschechischen Stahlfabrik entstanden. Das Besondere an diesem Aufnahmeort ist, dass dort — im Gegensatz zu den anderen im Bild fstgehaltenen Orten — noch gearbeitet wurde, als der Fotograf Pit Siebigs mit Kamera und Stativ anrückte. Das Foto zeigt einen Arbeitstisch, Werkzeuge, ein paar halbgeöffnete Dosen und viel Schmiere. Der ganze Tisch ist von dieser öligen Substanz überzogen. Pit Siebigs zeigt nur ein kleines Detail aus einer großen Fabrik. „Es hat höllisch gestunken“, erinnert sich Siebigs an diesen besonderen Ort. Und der Betrachter glaubt, diesen Geruch in der Nase zu spüren.

Es sind stets die Details, die der Betrachter in Siebigs Bildern aufspüren muss, um dem Fotografen und seiner Intention folgen zu können. Im Studium an der Fachhochschule Aachen mit Examen im Fach Fotografie beim sehr renommierten Professor Wilhelm Schürmann, habe er noch gelernt, sauber zu arbeiten, jedes Fleckchen im Foto wegzuretuschieren. „Vielleicht habe ich von da mein Interesse an Dreck und Schmutz“, meint Siebigs.

Lange Belichtungszeiten von mehreren Minuten, erwähnt Siebigs. Die oft dunklen Räume würden dies erfordern. Kamera, Stativ, lange Belichtungszeiten und viel Geduld seien sein Handwerkszeug. Ansonsten redet er kaum über die Technik beim Fotografieren, viel lieber über das kleine rote Pünktchen, das man mit seiner Hilfe auf einem Bild entdeckt. Dieses Foto zeigt einen Teil einer großen, schmutzverkrusteten Tonne, unter der eine rote Transportkarre steht. Siebigs weist aber nicht auf das Rot der Karre hin, sondern auf eben dieses rote Pünktchen, das nur der aufmerksame Betrachter mit Hilfe des Fotografen bemerkt.

Ein anderes Bild präsentiert eine Maschine, deren ursprüngliche Funktionsweise nach Jahrzehnten des Stillstands kaum noch auszumachen ist. Wenn diese Gerätschaften etwas Wesenhaftes bekämen, dann sei sein Interesse geweckt, sagt Siebigs.

Das eingangs erwähnte subjektiv schönste Bild zeigt einen Bodenscheinwerfer, auf dem eine Glasplatte abgelegt wurde, unter der Pflanzen wuchsen und Tau sich gebildet hatte. Es sei das einzige Bild in der Ausstellung, das er aus der Hand fotografiert habe, sagt Pit Siebigs, und auch für ihn etwas Besonderes.

Die Ausstellung mit dem Titel „Pit Siebigs — Fotografie“ ist noch bis 15. Juli beim Kunstverein Region Heinsberg in Heinsberg-Unterbruch (Horster Hof) zu sehen: sonntags von 11 bis 17 Uhr und samstags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 02452/65598. Zur Ausstellung ist eine Edition des Fotografen erschienen.

(defi)