Simmerath: Flüchtlingskrise: Neue Rettungswagen werden zur Nebensache

Simmerath : Flüchtlingskrise: Neue Rettungswagen werden zur Nebensache

In Reih‘ und Glied waren sie aufgefahren: Die sechs neuen Einsatzfahrzeuge für das Rettungswesen in der Städteregion Aachen und auch die Rettungskräfte selbst, die sich in großer Zahl und schicken Dienstjacken in der Rettungswache in Simmerath eingefunden hatten. Bei der Übergabe der neuen Fahrzeuge stand aber vor allem die Leistung des Rettungsdienstes in der Flüchtlingskrise im Vordergrund.

Städteregionsrat Helmut Etschenberg überreichte nicht nur ganz offiziell rund 70 neue Dienstausweise an Führungskräfte von Feuerwehr, THW, DRK, DLRG, Johannitern bis hin zu Notfallseelsorger Frank Ertel zur zweifelsfreien Identifizierung bei Einsätzen (hier hatte es in der Vergangenheit Unstimmigkeiten gegeben), sondern auch die neuen zum Teil schon im Einsatz befindlichen Fahrzeuge im Gesamtwert von rund 350.000 Euro. Die drei neuen Krankentransportwagen (86.000 Euro je Fahrzeug) werden an den Rettungswachen Würselen-Bardenberg, Simmerath und Monschau-Höfen stationiert.

Ferner wurde ein altersschwacher Betreuungs-Lkw für den Katastrophenschutz ersetzt. Bestens ausgestattet mit neuen hochklassigen Dienstfahrzeugen wurden schließlich auch noch der Kreisbrandmeister und der Fachberater CRBN (zuständig für die chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahrenabwehr).

Die Aufwertung des Fuhrparks aber wurde für Etschenberg an diesem Tag fast zur Nebensache, denn er nutzte die Gelegenheit vor allem, um den zahlreichen Helfern für ihr außergewöhnliches Engagement bei der Bewältigung des Flüchtlingsproblems in den zurückliegenden Monaten zu danken: „Es hat funktioniert, weil das gesamte Team funktionierte.“ Der Städteregionsrat konnte sich noch gut an den 16. September 2015 erinnern, als die Bezirksregierung per Telefonanruf die Bereitstellung von 500 Notunterkunftsplätzen für Flüchtlinge innerhalb eines Tages erwartete. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, bezeichnete Etschenberg den Beginn eines beispiellosen Kraftaktes.

Am 17. September kamen dann die ersten 150 Flüchtlinge in Monschau an. Sieben Notunterkünfte richtete die Städteregion nach und nach ein, die zum Teil mehrmals aufgestockt wurden. Mitarbeiter der Verwaltung waren in Schichten in den Unterkünften im Einsatz, und das Engagement vieler freiwilliger Helfer sei „über die eigene Belastungsgrenze hinaus gegangen.“ Die Welle der Hilfsbereitschaft sei quer durch ganze Gesellschaft gegangen, würdigte der Städteregionsrat die große Solidarität: „Das Wohl der Menschen stand im Mittelpunkt.“

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsankünfte (Oktober 2015 bis Januar 2016) waren in den Notunterkünften der Städteregion die insgesamt 1260 vorbereiteten Plätze auch alle belegt. Insgesamt standen in der Städteregion dank auch anderer Träger 2300 Plätze zur Verfügung. Davon sind jetzt nur noch 680 belegt. Von den sieben Einrichtungen der Städteregion ist nur noch die Notunterkunft Monschau-Höfen (Funk) mit 136 Personen (Gesamtkapazität 170) belegt. Diese Einrichtung soll bis Ende 2016 vorgehalten werden, in den anderen Unterkünften liefen die Mietverträge am 30. April aus.

Zum Abschluss der Übergabe segnete Notfallseelsorger Frank Ertel dann im Beisein von Dezernent Gregor Jansen und der Leiterin des Amtes für Rettungswesen , Marlis Cremer, die neuen Fahrzeuge bei durchaus nachdenklichen Worten ein.

(P. St.)
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