Kreis Heinsberg: Flüchtlingshilfe: Kein Patentrezept vorhanden

Kreis Heinsberg : Flüchtlingshilfe: Kein Patentrezept vorhanden

„Das Thema Flüchtlinge ist in eine leichte Schieflage geraten.“ Mit diesen Worten führte der regionale Flüchtlingsseelsorger im Heinsberger Kino ein in die Thematik des Abends: „Muss Ehrenamt?!“ lautete sie. Eingeladen zu Film und anschließender Diskussion hatten neben Achim Kück der Flüchtlingsrat, das Bündnis gegen Rechts, das Forum für Erwachsenen- und Familienbildung und der regionale Caritasverband.

Der vom NDR produzierte Dokumentarfilm „Gestrandet“ von Lisei Caspers spielte in einem kleinen Ort in Ostfriesland, der durchaus auch einer im Kreis Heinsberg hätte sein können. Hauptdarsteller waren ein pensionierter Lehrer und eine Seniorin, die sich um fünf Männer aus Eritrea kümmerten, darunter ein taubstummer Mensch. „So viele Dinge so erschreckend bürokratisch“, lautete am Ende nicht nur das Fazit von Kück. Auch die rund 60 Zuschauer, überwiegend in der Flüchtlingsarbeit haupt- und ehrenamtlich engagierte Menschen, konnten sich in die Situation der über Monate mit der Kamera im ganz normalen Alltagsleben begleiteten Menschen sehr gut hineinversetzen.

Nach einer Pause blieben zur Diskussion nur noch rund 20 Interessenten im Kino. „Keiner wusste so recht, was er mit dem ‚Treibgut‘ machen sollte“, erklärte Kück beim Einstieg in die Gesprächsrunde mit Bernd Görtz, Leiter des Fachbereichs Ordnung und Soziales der Gemeinde Waldfeucht, Angela Wöllenweber-Kamps von der Stabsstelle Flüchtlingsarbeit des regionalen Caritasverbands und Petra Hudler als Ehrenamtskoordinatorin der Stadt Hückelhoven.

Görtz fand als erster Redner der Gruppe nur Lob für den Aktionskreis Flüchtlingshilfe in Waldfeucht. „Damit läuft vieles anders und besser“, erklärte er. Ohne den Aktionskreis hätten die Flüchtlinge in Waldfeucht weitaus weniger Hilfe erhalten. Diese hätte von der Gemeinde personell nicht geleistet werden können.

„Wir lösen alle Probleme auf Augenhöhe mit dem Aktionskreis“, betonte Görtz und machte damit deutlich, dass er in seiner Gemeinde das Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit für unverzichtbar hält. Mit Geld könne die Gemeinde nicht unterstützen, aber sie habe dem Aktionskreis zum Beispiel eine ehemalige Gaststätte zur Verfügung gestellt, die jetzt als Begegnungsstätte genutzt werde. Zudem sei für den Aktionskreis ein eigenes Büro eingerichtet worden.

Die Begleitung der Flüchtlinge sei auch in Hückelhoven von Anfang an sehr wichtig gewesen, erklärte Petra Hudler. Ein Patentrezept für die Organisation gebe es da nicht. Manchmal seien es einfach nur Nachbarn, die hier und da mal helfen würden. Wichtig sei, „ganz gehörig hinzugucken. Man darf die Menschen nicht alleine lassen!“, betonte sie. Schwierig sei es bei dieser sehr schwierigen Aufgabe jedoch mit der Distanz.

„Es ist schwierig, in diesem Ehrenamt Strukturen zu schaffen, weil es eben freiwillig ist“, pflichtete ihr Angela Wöllenweber-Kamps bei. Bei den langen Wartezeiten, die viele Flüchtlinge zu durchleben hätten, gebe es keine gute oder schlechte Form des Ehrenamts. „Jeder sollte das machen, was sich für ihn gut anfühlt.“

Als Seelsorger stelle er fest, dass in unserem sehr „durchbürokratisierten Land“ die Bürokratie an ihre Grenzen stoße und die Gefahr bestehe, dass sich auch das Ehrenamt in dieser Situation einrichte, erklärte Kück. „Ich sehe eine gewisse Ohnmacht dem ‚Gesamtapparat‘ gegenüber. Das macht mich mit wütend. Ich kann‘s nicht ändern“, sagte er, appellierte aber sogleich wieder zum Aufbruch. „Wir müssen gucken, wo wir die Menschen wieder begeistern können zum Ehrenamt, weil es doch auch um unsere Zukunft geht.“

Da freute es ihn sehr, dass sich auch zwei junge Vertreterinnen der Eine-Welt-AG des Erkelenzer Cusanus-Gymnasiums in die Diskussion einbrachten. Ihr Wunsch: mehr Angebote für junge Menschen, sich ehrenamtlich in die Flüchtlingsarbeit einbringen zu können.