Wegberg-Beeck: Flachmarkt ist ein Stück „gelebtes Europa

Wegberg-Beeck : Flachmarkt ist ein Stück „gelebtes Europa

Fast alles ist erlaubt auf dem Beecker Flachsmarkt, nur das Klauen nicht.

Was im Mittelalter bei Zuwiderhandlungen drohte, verdeutlichen die Wahrzeichen der traditionsreichen Publikumsmagneten auf recht drastische Weise: ein scharfes Schwert, dazu eine Hand mit abgetrenntem Zeigefinger - eine wenig erbauliche Warnung an Diebe.

„Heute ist die Warnung nur noch symbolisch gemeint”, versicherte Heinz Gerichhausen, der Vorsitzende des Heimatvereins, bei der Eröffnung des Flachmarktes am Samstag. Für die Organisation verantwortlich, ließen sich die Vereinsmitglieder das Errichten der Flachsmarkt-Symbole nicht nehmen.

Groß, aber doch irgendwie gemütlich: Rund um die Pfarrkirche und darüber hinaus reihte sich Marktstand an Marktstand von Samstag bis Sonntag. 180 Händler - zum Teil aus Belgien und den Niederlanden kommend - priesen ihre kunstvoll gefertigten Waren an.

Vom Hutmacher über den Scherenschleifer bis hin zum Korbflechter fanden sich Vertreter aller denkbaren Handwerksberufe.

Ein „Stück gelebtes Europa” stelle der Flachsmarkt dar, lobte Kölns Regierungspräsident und Schirmherr Jürgen Rothers den „örtlichen Bezug und die internationale Bedeutung” der kulturhistorischen Warenhandels. „Beides halte ich für eine gute Mischung.”

Die beiden Museen des Heimatvereins - das Flachs- und das Volkstrachtenmuseum - seien etwas ganz Besonderes. „Es ist wichtig, in die Vergangenheit zu schauen und das, was unsere Vorfahren geleistet haben, nachkommenden Generationen zu bewahren”, so Rothers.

Moderator Gerichhausen lud die Besucher zu einem ausgedehnten Bummel ein: „Erleben Sie diesen Markt hautnah.” Er stehe ganz im Zeichen der Völkerverständigung, sei ein Ort der Begegnung, und seine Atmosphäre stimme freundlich und heiter. „Wer weiß, was das Endprodukt von Flachs ist?”, wollte Volker Weyers vom Heimatverein wissen.

Die Antwort: Leinen selbstverständlich. Viele Schaulustige verfolgten, wie fachkundige Mitglieder die wertvolle Pflanze mit historischen Gerätschaften bearbeiteten - eine spannende Demonstration der mittelalterlichen Arbeitsweise.

Flachs-Kenner Weyers hatte stets wissenswerte Informationen parat und erläuterte, warum der Flachsanbau eine spezielle Beziehung zu der Zahl hundert aufweist.

Am hundertsten Tag des Jahres wurde ausgesät, nach hundert Stunden im Boden zeigten sich bereits erste Keime an der Erdoberfläche und nach hundert Tagen stand die Ernte an.

Damit aber nicht genug: „Jeder Stempel trägt zehn Blüten, in jeder Blüte sind zehn Samenkörner”. Also schon wieder hundert. Die Heimatkundler des Vereins waren übrigens sehr leicht zu erkennen.

Nicht wegen der Namenschilder sondern wegen ihrer traditionellen Kleidung: weiße Leinenhemden und Holz-Klompen als Schuhwerk.

Akzente setzten ohne Frage auch andere, wie zum Beispiel Barbier Peer van Liempt, der auf die „altmodische Art” rasiert oder Korbflechterin Agnes Lieckens aus dem belgischen Keerbergen, zu deren Angebot sogar geflochtene Babyrasseln zählten.

Der Flachsmarktpreis ging in diesem Jahr an Karl-Heinz Pape. Der verdiente Bürger Wegbergs engagiert sich in verschiedenen Vereinen. Unter stand er der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft langjährig als erster Brudermeister vor.