Heinsberg: Firma Randerath „hat sich übernommen”

Heinsberg : Firma Randerath „hat sich übernommen”

Für rund 70 Mitarbeiter der Firma Randerath Elektrotechnik GmbH aus Heinsberg dürfte sich die Freude auf die närrischen Tage wohl kaum einstellen.

Zum 1. Februar nämlich, so erfuhr unsere Zeitung am Donnerstag von Insolvenzverwalter Prof. Dr. Rolf-Dieter Mönning aus Aachen, verloren sie ihren Job.

Seit Anfang Dezember letzten Jahres, so Mönning, laufe bereits das Insolvenzverfahren. Jegliche Übernahmebestrebung oder eine eventuelle Chance zur Weiterführung der Geschäfte seien gescheitert. Der Boden sei „verbrannt” gewesen, so der Aachener Jurist.

Vor ein paar Jahren hatten zwei niederländische Investoren das alteingesessene Unternehmen von der Familie Randerath gekauft, eine Trägergesellschaft mit dem Namen Randerath B.V. in Holland gegründet und sich dem ergeizigen Ziel verschrieben, die Firma weit über den Heinsberger Bereich bis in den Rheinischen Raum hinein zu etablieren.

„Es gab auch große Aquisitionserfolge”, beschreibt der Insolvenzverwalter, doch letztlich habe sich die Geschäftsleitung „mit den Projekten übernommen”.

Schon einige Monate vor der Einleitung des Insolvenzverfahrens seien die beiden Geschäftsführer aus den Niederlanden, unterstützt von einem Aachener Anwalt, mit den Gläubigern in Verbindung getreten, um ein Vergleichsangebot zu unterbreiten.

Danach sollten die Gläubiger auf 75 Prozent ihrer Ansprüche verzichten. Zunächst schien es auch so, als ob die Bemühungen von Erfolg gekrönt sein könnten, doch habe sich gezeigt, dass in den vorgelegten Berechnungen des Unternehmens eine Lücke von 800.000 Euro klaffte.

Die Volksbank Heinsberg habe als Hausbank immer wieder die Unternehmensleitung gedrängt, „doch ihre Hausaufgaben zu machen”. Doch offenbar, so der Insolvenzverwalter, sei hier „nicht reiner Wein eingeschenkt worden”.

Das Fass zum Überlaufen brachten schließlich die Folgen eines Kontraktes mit dem Siemens-konzern. In dessen Auftrag sollte Randerath Elektrotechnik in Köln für den Speditionsriesen UPS tätig werden.

Waren die beiden niederländischen Geschäftsleute der Meinung, für erbrachte Leistungen noch 800.000 Euro erhalten zu müssen, so machte Siemens im Gegenzug eine Rechnung auf, wonach die Firma Randerath dem Konzern, wegen vereinbarter, jedoch nicht ausgeführter Arbeiten noch Geld schulde.

„Siemens zog dann eine Erfüllungsbürgschaft der Heinsberger Volksbank”, erklärt der Insolvenzverwalter.

Mit der Konsequenz, dass die Heinsberger Volksbank dem Heinsberger Elektrounternehmen umgehend alle bestehenden Kredite kündigte, sämtliche Kunden anschrieb, diese über den Schritt in Kenntnis setzte und aufforderte, noch ausstehende Zahlungen für Randerath Elektrotechnik künftig an die Bank zu überweisen.

„Wir haben versucht, die Scherben zusammen zu halten”, erklärt Prof. Mönning, „aber es war einfach nichts mehr zu machen.” Nicht wenige Firmen nutzten eine solche Gelegenheit auch, um ihren ganz persönlichen Vorteil daraus zu ziehen.

Werde die durch Randerath bereits erbrachte Leistung nämlich höher eingestuft, als die Zahlungen, die das den Auftrag erteilende Unternehmen bislang im Gegenzug geleistet habe, so erfolge oft postwendend die Vertragskündigung mit der Folge, dass der Rest nicht mehr bezahlt werde.

Leider, so der Aachener Jurist, werde diese Praxis auch noch vom Gesetz gestützt.

Mit Hilfe des Arbeitsamtes Aachen hätten die Mitarbeiter von Randerath ihr Novembergehalt als Vorfinanzierung noch erhalten. In den nächsten Tagen sollen sie rückwirkend für die letzten drei Monate nun das Insolvenzgeld in Höhe ihrer Gehälter erhalten.

Vielleicht die letzte Zahlung, die die Mitarbeiter aus ihrer Tätigkeit bei Randerath Elektrotechnik erhalten.