Heinsberg: Filigrane Tanzkunst aufs Heinsberger Land gebracht

Heinsberg : Filigrane Tanzkunst aufs Heinsberger Land gebracht

Nach fast dreijähriger Bühnenpause ist es am letzten Juni-Wochenende wieder soweit: Das Junge Musical-Theater Heinsberg, ohne Übertreibung eine Institution im Kreis Heinsberg, präsentiert mit „Ein Sommertanztraum“ an zwei Nachmittagen sein neues Programm in der Heinsberger Begegnungsstätte. Es feiert damit zugleich das 25-jährige Bestehen des Ballettstudios Irena Kostova.

Der Frau, die es schon vor Jahren schaffte, einen Hauch großstädtischer Tanzkunst auch auf dem Land gedeihen zu lassen.

„Wie es sich für einen besonderen Geburtstag gehört, zeigen die Tänzerinnen und Tänzer in einem Potpourri aus verschiedenen Tänzen und Stilen ihr Können“, freut sich die Schulleiterin auf das große Ereignis. „Nahezu 150 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen vier und 50 Jahren werden die Bretter, die die Welt bedeuten, betreten“, schmunzelt sie. Und eine eindrucksvolle Premiere kommt hinzu: Erstmals wird es in der Jubiläumsgala dank der Unterstützung durch Caroline Kries (Violine) und Frieda Kries (Klavier) Ballett zu Livemusik geben.

Anlässlich ihres Jubiläums in Heinsberg kann Irena Kostova auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken. Geboren im bulgarischen Sofia erhielt die Diplom-Tanzpädagogin und Ballettmeisterin ihre Ausbildung an der Moskauer Ballettakademie. Danach war sie an der städtischen Oper in Sofia als Ballettmeisterin und Choreographin tätig.

1990 führte sie eine Einladung als Gastdozentin nach Deutschland, zur Ballettschule von Heino Heiden in Lübeck. Hier widmete sie sich zusammen mit ihrem Mann, dem Theaterregisseur Lyubo Kostov, vornehmlich dem Kindertheater.

Nach einem Abstecher nach Aachen übernahm sie 1993 das damalige Ballettstudio von Lydia Dilges in Heinsberg. Es befand sich ebenfalls an der Hochstraße, in den Räumlichkeiten des heutigen Selbsthilfe- und Freiwilligenzentrums. Im Jahr 2000 kaufte Irene Kostova zusammen mit ihrem Mann ein Gebäude in der Nachbarschaft, an der Hochstraße 40, in dem zuvor ein Einzelhandel für Herren- und Berufsbekleidung seinen Sitz hatte.

Der vordere Teil blieb Einzel- und Versandhandel, jedoch für Ballett- und Tanzbekleidung. Ein Anbau beheimatet heute Büro, Umkleideräume und vor allem den von Licht durchfluteten, zweiseitig verspiegelten, rund 100 Quadratmeter großen und säulenfreien Ballettsaal mit einer Deckenhöhe von 4,50 Metern.

Seit 2010 ist das Ballettstudio sogar eine staatlich anerkannte Ergänzungsschule mit der Befähigung der Ausbildung in Tanzpädagogik. Diese Ausbildung durchlief hier auch Christine Schulze Beiering, die heute im Ballettstudio arbeitet und zugleich weiter Tanzpädagogik studiert. Als sie vier Jahre alt war, kam sie zu Irena Kostova und hält ihr inzwischen seit 24 Jahren die Treue.

Viel beachtete Aufführungen

Mit dem Heinsberger Ballettstudio begleitend entstand 1994 das Junge Musical-Theater Heinsberg, das zum Ziel hat, die Ausdrucksmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in Tanz und Schauspiel zu fördern, auch durch viel beachtete Aufführungen. Unterschiedliche Musicals, inszeniert von Lyubo Kostov, kamen so auf die Bühne, angefangen mit dem Bären Pu bis hin zu Alice im Wunderland vor drei Jahren.

Viele Zuschauer erinnern sich noch heute an die eindrucksvolle, riesige Grinsekatze, die sich mit Hilfe von acht Tänzerinnen über die Bühne bewegte. Christine Schulze Beiering, die diese eindrucksvolle Requisite schuf, ist dabei — wie Irena Kostova — auch regelmäßig nicht nur Lehrerin der perfekten Tanzschritte, sondern auch Näherin und Bastlerin. Ein richtig großer Theaterfundus mit mehreren hundert Kostümen und Bühnendekorationen ist im Laufe eines Vierteljahrhunderts zusammengekommen.

Insgesamt bietet das Programm in zwei Akten mit insgesamt 29 unterschiedlichen Programmpunkten eine weite Reise durch die Welt des Tanzes: klassisches Ballett ebenso wie alte Tanzschritte im modernen Gewand bis hin zu ganz modernen Tanzformen wie dem Hip-Hop, für den es im Ballettstudio Irena Kostova inzwischen mit Violetta Heinen sogar eine eigene Lehrerin gibt.

Die Vierjährigen sind mit ihrer getanzten Gute-Nacht-Geschichte ebenso dabei wie die Damenriege des Ballettstudios mit der Ouvertüre der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss oder die aktuelle Prima Ballerina der Schule, Fiona Jendretzky aus Karken. Sie tanzt zur von den Kries-Schwestern live dargebotenen Träumerei aus den Kinderszenen von Felix Mendelssohn.

Im zweiten Akt werden 13- bis 16-jährige Schülerinnen von Christine Schulze Beiering zudem ihren Ausflug ins All präsentieren, mit dem sie bei den Duisburger Tanztagen gerade erst in der Kategorie Jazz & Modern den zweiten Platz belegten. Besonders freut Irena Kostova zudem, dass eine ganze Reihe ehemaliger Schülerinnen anlässlich des Jubiläums zu einer Musik von Herbert Grönemeyer auch noch einmal auf die Bühne gehen.

Eingeladen hat sie mit Stand-Up-Comedian, Moderatorin und Schauspielerin Tahnee Schaffarczyk auch die derzeit wohl prominenteste Ehemalige. Sie wurde bei Irena Kostova in klassischem Ballett, modernem Tanz und Jazz-Tanz ausgebildet. „Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn sei dabei sein könnte“, sagt Irena Kostova. Nicht minder stolz ist sie jedoch auf drei Heinsberger Frauen, die ihrer Schule bereits seit 25 Jahren aktiv die Treue halten: Friederike Himmels, Haila Schwenzel und Doris Zarrinnam.

Das von Peter Welter, einem Urgestein des Jungen Musical Theaters, moderierte Programm der Gala beginnt am Samstag, 23. Juni, und am Sonntag, 24. Juni, jeweils um 16 Uhr. Eintrittskarten sind erhältlich im Ballettstudio Irene Kostova, Hochstraße 40, Telefon 02452/3408.