Oberbruch: „Feste sind wie Bojen im Meer unserer Zeit”

Oberbruch : „Feste sind wie Bojen im Meer unserer Zeit”

„Feste sind wie Bojen im Meer unserer Zeit. Wir benötigen Punkte, an denen sich unsere Augen festmachen können. Ein völlig offener, grenzenlos weiter Blick führt dazu, dass wir uns verlieren. Deswegen ist es menschlich wohltuend, wenn wir Feste feiern”, umschrieb Pastor und Präses Hubert Müllers seine Gedanken zum Brauchtum „Schützenbruderschaft”.

Anlass war das Jubiläumsfest der Oberbrucher St.-Hubertus-Schützen. Zum 100-jährigen Bestehen lud die am 18. August 1902 gegründete Bruderschaft unter Federführung ihres langjährigen Präsidenten Robert Knur zum unterhaltsam-musikalischen Festabend ins „ausgebuchte” Festzelt ein.

Schmissiges Bühnenspiel des Trommlerkorps und des Bläserchors Donatus Schafhausen, Lieder des Oberbrucher Kirchenchores St. Aloysius und Stücke der HS-Band gehörten ebenso zum Programm wie Vorträge von Schirmherr Josef Mankau, Präses Hubert Müllers, der Ortsringvorsitzenden Inge Deußen sowie der beiden Brööker „Urgesteine” Gertrud Tholen und Helmut Frenken - mal besinnlich, mal fröhlich, mal dokumentarisch.

Präses Hubert Müllers fand, dass die Bausteine „Glaube, Sitte Heimat” zueinander gehören. „Wie bei einem Dreiklang: Jeder einzelne Ton kommt noch schöner zur Geltung, wenn sich weitere Töne zu einem Akkord zusammenfinden.”

Als Ur-Oberbrucher, langjähriger Ortsringvorsitzender und Schirmherr des Jubiläumssfestes wusste Josef Mankau einiges über das Schützenwesen nicht nur in Oberbruch zu berichten.

„Während sich das Schützenwesen in den Anfängen (der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts) nach dem Schützengeist ausrichtete, in Form des Schießens mit der Armbrust und mit dem Ziel des gegenseitigen Messens, zeigten in zweiter Hinsicht die Landesfürsten ihr Interesse daran.

Schützen wurden in den Landes- und Städteschutz eingebunden. Viele Bruderschaften installierten in ihren Reihen Notgemeinschaften, deren Aufgabe es war, Bürger zu unterstützen und ihnen Schutz zu geben - quasi ein Vorläufer unserer heutigen Sozialgesetzgebung”, so Josef Mankau.

„Die Gründung unserer Bruderschaft allerdings fiel in die jüngeren Epoche, in der sich die Schützen hauptsächlich dem Schießsport, dem Königsvogelschuss, den örtlichen Feiern und den Kirmesaufzügen widmeten”, fuhr Josef Mankau fort und betonte, dass die junge Oberbrucher Bruderschaft die gesteckten Ziele stets ernst genommen habe.

Ein Jahr nach der Gründung gab es ein Stiftungsfest mit Fahnenweihe. 1904 präsentierte man das erste Königspaar - eine Tradition, die sich bis heute fortsetzt. Amtierendes Königspaar sind Friedhelm und Galinda Lowis.

„Doch glaubt et mir, ihr lieben Leute, mir gefällt et besser heute”, berichtete „eine alte Frau”, Gertrud Tholen, die von „Anno Dazumal” erzählte und jetzt weder Waschmachine noch Auto, Fernsehen oder Telefon missen wollte.

Gemeinsam mit den Schützen feierte „Ene aue Brööker”, Helmut Frenken, „100. Geburtstag” und brachte schöne Erinnerungen von „Hein, Franz on Scheng” ans Licht. „Lev Lü ut janz, janz Överbrook, wo ut stolze Ture tröök der Rook. Ihr all sit hüt int Zelt jekomme, denn all hat ihr in Brook vernomme, de Brööker Schötte, dat es kloar, fiere Jubiläum - 100 Joar. Un weil ich och all 100 bin, hann ich jedacht, et wür jeschet, wenn ene hüt jet sare det”, streifte Helmut Frenken vorzüglich auf Platt durch die Oberbrucher Vereinsgeschichte.