Wassenberg: Fehlt Jungs Mut zur Debatte?

Wassenberg : Fehlt Jungs Mut zur Debatte?

Mit einem gemeinsamen Mittagessen in der Mensa der Gesamtschule Wassenberg begann der diesjährige Wettbewerb „Jugend debattiert” im Kreis Heinsberg. In der Altersstufe I, 14 bis 16 Jahre, trafen 16 Schülerinnen und Schüler aus vier Schulen aufeinander.

Beteiligt sind die Realschule Heinsberg, die Gesamtschule Wassenberg, das Cornelius-Burgh-Gymnasium Erkelenz und das Gymnasium Hückelhoven.

An allen vier Schulen steht das Debattieren mittlerweile auf dem Lehrplan. Schließlich zählen Kommunikation und freie Rede zu den Schlüsselkompetenzen in Schule und Beruf. Die jungen Debattierer hatten sich auf zwei Themen vorbereitet: Soll in den Schulen uniformiertes Sicherheitspersonal eingesetzt werden? - und - Soll der Samstagsunterricht wieder eingeführt werden?

Jeweils drei Juroren, Lehrer die eigens geschult worden waren - beobachteten die Debatten unter den Gesichtspunkten Sachkenntnis, Ausdrucksstärke, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft. Ausdrücke wie „irgendwie”, „egal” oder „weiß nicht” waren hier nicht zu hören. Die Jugendlichen formulierten klar, präzise und anschaulich.

Die Juroren lobten die Vielfalt und Anschaulichkeit der Argumente. So machten sich die Schüler ernsthafte Gedanken über das Schulklima und die Eindrücke von Fünftklässlern angesichts uniformierter Sicherheitspersonen. Aber auch die Zunahme von Amokläufen und Gewalt auf Schulhöfen wurden dargestellt.

Die Debatten verliefen ausgesprochen sachlich und diszipliniert. Das liegt auch an dem speziellen Format, dass die Lehrer mit den Schülern im Unterricht eingeübt haben. Die Debatte verläuft demnach in drei Teilen: Jeder Redner hat zu Beginn zwei Minuten ungestörte Redezeit. Anschließend folgen zwölf Minuten freie Aussprache; hier organisieren die Jugendlichen den Gesprächsverlauf selbst.

Für das Schlusswort steht jedem Teilnehmer eine Minute zur Verfügung. Ein Zeitwächter wacht über die genaue Einhaltung der Zeiten und signalisiert mit einer Glocke den Ablauf der einzelnen Phasen. Insgesamt können die Redner in zwei aufeinander folgenden Debatten 120 Bewertungspunkte erlangen.

Am Ende stand folgende Platzierung fest: 1. Lale Danz (102 Punkte, Gesamtschule Wassenberg), 2. Angela Mühlenbroich (97, Cornelius-Burgh-Gymnasium Erkelenz), 3. Pia Platzbecker (93, CBG Erkelenz) und 4. Julia Jentgens (92, Gymnasium Hückelhoven). Diese vier Schülerinnen haben sich damit für das Schulverbundfinale am 20. Februar in Erkelenz qualifiziert; dort werden dann die Teilnehmer für den Landeswettbewerb gesucht.

Etwas verwundert zeigte sich Regionalkoordinator Guido Rütten über die Zurückhaltung der Jungen: „Wir freuen uns sehr, dass sich Jungen und Mädchen gleichermaßen bei Jugend debattiert beteiligen und engagieren. Aber in der Altersgruppe I haben wir jetzt schon zum zweiten Mal vier Mädchen im Finale. Vielleicht müssen wir in der Sekundarstufe I noch etwas daran arbeiten, dass auch die Jungen sich trauen, einen guten Gedanken ausführlich, klar und in gewählter Sprache zu formulieren. Da gehört auch Selbstbewusstsein und Stärke zu.” Die Debatten, die er selbst als Juror beobachtete, seien ausgesprochen fair und sachlich gewesen, sagte Rütten.

Bis zum Kreisfinale müssten die Teilnehmer noch daran arbeiten, ihre Argumente ruhiger und anschaulicher vorzutragen. „Ein Argument ist eben dann am stärksten, wenn es durch Beispiele, Erfahrungen, Zahlen oder Fakten gestützt wird. Bloße Behauptungen sind nicht überzeugend.”

Als Schulverbundkoordinator zeigte sich Rütten sehr zufrieden, dass das Projekt „Jugend debattiert” mittlerweile an allen fünf Schulen fest etabliert sei. Damit könnten pro Jahr über 500 Schülerinnen und Schüler in Rhetorik geschult werden.