Hückelhoven: Familien in eigenen vier Wänden beraten

Hückelhoven : Familien in eigenen vier Wänden beraten

Was lange währt, wird endlich gut: Nach mehreren Jahren parteipolitischen Hickhacks, kontroversen Ratsbeschlüssen und der Anstrengung eines Bürgerbegehrens, das wohlgemerkt abgewiesen wurde, konnte das städtische Jugendamt in Hückelhoven zum 1. Januar mit 21 Mitarbeitern seinen Betrieb aufnehmen.

Rund 1,15 Millionen Euro wendete die Stadt für den Umbau des Schulgebäudes an der Ludovicistraße 1 auf. Eine lohnende Investition, wie Bürgermeister Werner Schmitz bei der offiziellen Eröffnung am Freitag betonte.

Sozusagen fast aus allen Nähten platzte das Foyer des Jugendamtes angesichts des enormen Besucheransturms. Jeder, der sich als Wegbereiter des langwierigen Projektes verstand oder verstanden wissen wollte, war selbstverständlich mit von der Partie.

„Ich kann trotz der unterschiedlichen Auffassungen, die es zu diesem Thema gegeben hat, heute feststellen, dass es inzwischen einen breiten Konsens in Rat und Verwaltung zur Übernahme der Jugendhilfeaufgaben in eigener Regie gibt”, schilderte der Bürgermeister.

Die ersten Diskussionen über das Für und Wieder einer solchen Einrichtung seien bereits 1978 geführt worden. Nach der endgültigen Entscheidung des Rates am 12. Dezember 2001 habe die Verwaltung intensiv daran gearbeitet, das Projekt fristgerecht zu realisieren, merkte Schmitz an.

Die Einrichtung des städtischen Jugendamtes drücke den besonderen Stellenwert aus, den die kommunale Politik den Kindern, Jugendlichen und ihren Familien beimesse.

„Wir wollen gemeinsam für Familien kompetente Ansprechpartner in Erziehungsfragen sein, verlässlich die Versorgung der Kinder in Tageseinrichtungen gewährleisten und für Kinder sowie Jugendliche eine attraktive Stadt mit Spiel- und Freizeitmöglichkeiten sein”, so Schmitz.

Amtsleiter Ralf Schwarzenberg fasst zusammen: „Die Jugendlichen sollen sagen können: âHückelhovener zu sein, lohnt sich für mich.” Ihm und seinen Mitarbeitern gehe es vor allem darum, die Lebenswelten von Minderjährigen kennen zu lernen sowie im Bedarfsfall zum besseren zu verändern. Der Schwerpunkt bestehe zweifellos in der Präventivarbeit.

Neun der insgesamt 21 Angestellten einschließlich des Leiters sind in der Verwaltungsabteilung beschäftigt, während der Soziale Dienst sich aus elf Personen zusammensetzt. Dieser umfasst unter anderem folgende spezielle Aufgabenfelder: Jugendgerichtshilfe, Jugendschutz, Jugendberufshilfe, Pflegekinderdienst und Erziehungsbeistandsschaft.

Sieben Bezirkssozialarbeiter sind für verschiedene Stadtteile zuständig und werden Familien überwiegend in deren „eigenen Wohnzimmern” beraten. Mittels dieser „Heimspiele” sollen schon im Vorfeld Hemmungen abgebaut werden, die bei einem Amtsbesuch womöglich entstehen könnten.

Das Team um Amtsleiter Schwarzenberg strebt eine enge Kooperation mit den örtlichen Schulen, Vereinen, Initiativen und freien Trägern der Wohlfahrtspflege an.

Schwarzenberg ist sich klar, dass die Etablierung eines umfassenden Beziehungs-Netzes einige Zeit dauern wird. Eine unschätzbare Hilfe sei ihm dabei der stellvertretender Amtsleiter Edmund Zaharanski, von dessen Erfahrungen als Stadtjugendpfleger das Jugendamt jetzt profitieren könne.

Allgemeine Aufmerksamkeit hat die neue Institution bereits mit dem Druck einer Informationskarte erregt, die in Schulen sowie Freizeiteinrichtungen verteilt wurde. Sie beinhaltet neben einem aktuellen Schulferienkalender auch einen Auszug aus den Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes und wichtige Kontaktadressen.

Zur Finanzierung der 5000 Karten durch einen privaten Sponsor sagte der Bürgermeister: „Das sind neue Wege, die wir beschreiten müssen - ob wir wollen oder nicht.”