Falscher Notarzt leistete "gute Arbeit"

Falscher Notarzt leistete "gute Arbeit"

Geilenkirchen (an-o/fw) - Der Mann beherrschte das Metier, da konnte schwerlich Verdacht aufkommen. Nun flog der Schwindel doch auf: Ein 35-jähriger Rettungsdienstassistent hat sich offenbar in den Krankenhäusern in Geilenkirchen und Heinsberg mit falschen Dokumenten die Stelle eines Notarztes erschlichen.

Als sich der vermeintliche Arzt bei Konrad Dedler, dem Geschäftsführer des St. Elisabeth Krankenhauses in Geilenkirchen, vor gut zwei Jahren bewarb, kam kein Argwohn auf: "Die Papiere schienen in Ordnung zu sein. Die Approbationsurkunde war offensichtlich ganz geschickt gefälscht."

Der falsche Notarzt war von September 2000 bis Januar 2002 in Geilenkirchen beschäftigt. Allerdings quasi auf Abruf, wie Dedler erklärt.

"Die vier Krankenhäuser im Kreis Heinsberg haben nach dem gemeinsamen Rettungsdienstplan täglich einen Notarzt zu stellen", erläutert Dedler gegenüber den "Nachrichten", aus personellen Gründen habe sein Haus für diese Position einen externen, freiberuflichen Aspiranten gesucht - auserwählt wurde der Mann aus Bonn. Allerdings habe man ihm im Januar gekündigt, "er war zu unzuverlässig", erinnert sich der Geschäftsführer.

"Qualifizierter Eindruck"

Fachlich indes, muss Dedler einräumen, hat der Angestellte "nicht schlecht gearbeitet", von den Ärztekollegen wurde er gar geschätzt: "Insgesamt machte er einen qualifizierten Eindruck." Zumal er sich obendrein mit einem Doktor-Titel schmückte. "Einige Dutzend Einsätze" hat der Beschuldigte für St. Elisabeth absolviert.

Für das Städtische Krankenhaus Heinsberg fuhr der Bonner nur einen einzigen Rettungseinsatz - "aushilfsweise am Karsamstag", teilt Geschäftsführer Heinz-Gerd Schröders mit. Der Mann sei von anderen Einrichtungen "empfohlen" worden. Auch in der Kreisstadt hatte man nicht an der Echtheit der vorgelegten Papiere gezweifelt.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Nicht allein die Krankenhäuser in Geilenkirchen und Heinsberg wurden vermutlich von dem listigen "Notarzt" hinters Licht geführt. Nach Angaben der Bonner Staatsanwaltschaft, die jetzt wegen Urkundenfälschung, Betrugs und Missbrauchs von Titeln gegen den 35-Jährigen ermittelt, sollen auch Hospitäler in Erftstadt und Mettmann dem "Notarzt" auf den Leim gegangen sein. Der Ärztekammer Nordrhein schwante wohl Schlimmes und schaltete im April diesen Jahres die Strafverfolger ein.

Wie die Staatsanwaltschaft gestern auf Anfrage weiter erklärte, ist der 35-Jährige ein ausgebildeter Rettungsdienstassistent, sei fachlich also nicht völliger Laie. Der Bonner habe in den anderthalb Jahren vor jener Strafanzeige im April in den besagten Krankenhäusern zeitgleich als "Notarzt" gejobbt.

Kein Schaden für Patienten

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Bonner Behörde sind keine Patienten zu Schaden gekommen: "Die Rückmeldungen aus den Krankenhäusern haben bisher keine Anhaltspunkte dafür ergeben", so Pressesprecherin Monika Ziegenberg. Der Beschuldigte selbst hülle sich in Schweigen, deshalb sei die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen auf die Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern angewiesen, denen man einen Fragekatalog an die Hand gegeben habe.

In Bonn ist der "Mediziner" im übrigen kein Unbekannter, er ist einschlägig vorbestraft: Bereits früher war er in die Rolle eines falschen Krankenpflegers geschlüpft.