Kreis Düren: Fahrradklau: Stahlketten statt „Geschenkbänder für Diebe“

Kreis Düren : Fahrradklau: Stahlketten statt „Geschenkbänder für Diebe“

Auch Diebstahl ist ein Saisongeschäft: Während im Winter die Wohnungseinbrüche Konjunktur haben, stehen im Frühjahr und im Sommer Fahrraddiebstähle auf der Tagesordnung. 636 Fahrräder wurden im Kreis Düren im vergangenen Jahr als gestohlen gemeldet, die Polizei geht zudem von einer erheblichen Dunkelziffer aus.

Bundesweit registrierte die Polizei 316.857 Zweiraddiebstähle. Und die Zahlen steigen. Nicht aber im Kreis Düren. „2008 wurden hier 1217 Fahrräder gestohlen“, weiß Polizeisprecher Ralf Meurer. Seit dem seien die Fallzahlen aber jedes Jahr auf einen Tiefstand gesunken. „Das liegt nach unserer Einschätzung aber nicht an der Faulheit der Diebe“, sagt Meurer.

Diebe stehen unter Zeitdruck

Fahrradbesitzer würden sich mittlerweile viel mehr Gedanken darüber machen, wie sie ihre zum Teil sehr hochwertigen Drahtesel vor Langfingern schützen können. Laut einer Untersuchung des Allgemeine Deutsche Fahrradclubs (ADFC) war im Jahr 2009 noch jedes vierte gestohlene Rad ungesichert abgestellt worden. „An einem guten Schloss kommen Zweiradbesitzer nicht vorbei“, betont Meurer. Massive Stahlketten, Bügel- oder Panzerkabelschlösser würden sich dafür besonders gut eignen.

Vor „Billigschlössern“ warnt auch der ADFC. Spiral-Kabel-Schlösser — die meistgekaufte Schlossart — lassen sich in weniger als drei Sekunden mit einem Bolzenschneider trennen. Fachleute bezeichnen sie daher ironisch als „Geschenkbänder für Diebe“. An den Dürener Fahrradständern sind viele solcher Geschenkbänder zu finden. Auch die Polizei weist darauf hin, dass Fahrraddiebe unter Zeitdruck stehen. Hochwertige Schlösser könnten Diebe zur Kapitulation bringen oder sie vom Versuch abhalten.

Doch ein Schloss alleine hilft nicht, es muss auch an einem Fahrradständer oder anderen feststehenden Objekten befestigt werden. „Sonst können Räder schließlich einfach weggetragen werden“, betont Meurer. Und Gelegenheit mache nunmal Diebe.

Die Polizei weist darauf hin, dass vor allem auf größeren Stellplätzen, zum Beispiel an Badeseen, Bahnhöfen, Sport- und Freizeitanlagen ein größeres Risiko bestehe. „Da kann ein bewachter Fahrradstellplatz Geld wert sein“, sagt Meurer. So etwas gibt es zum Beispiel am Dürener Bahnhof oder während der Annakirmes direkt am Festplatz.

Laut ADFC sind die Motive der Fahrraddiebe unterschiedlich. So handele es sich in einigen Fällen um Beschaffungskriminalität, bei der der Verkauf des Diebesgutes zum Beispiel zur Finanzierung des Drogenkonsums erfolge. Es gebe aber auch Fälle von organisierter Kriminalität. „Oftmals wird ein Fahrrad auch spontan gestohlen, beispielsweise zum schnellen Heimkommen nach dem Kneipenbesuch“, heißt es beim ADFC.

Neben den Schlössern könne eine individuelle Kennzeichnung Diebe abschrecken und zudem bei der Zuordnung gefundenen Diebesgutes helfen. Die Polizei bietet die Möglichkeit, Fahrräder mit einem schwer ablösbaren Etikett zu kennzeichnen.

Aufklärungsquote: 9,43 Prozent

60 von 636 Fällen wurden in 2014 aufgeklärt. Dazu ist es wichtig, dass ein Fahrrad seinem Besitzer zugeordnet werden kann, zum Beispiel dank eines Fahrradpasses. Darin werden zum Beispiel die Rahmennummer, eine Beschreibung und Daten des Eigentümers erfasst. Dieser Pass könne zudem hilfreich für die Schadensregulierung der Versicherung sein. Weitere Informationen zum Thema gibt es unter Telefon 02421/9498700 oder auf www.polizei-beratung.de.