Stolberg: EWV hebt den Strompreis an

Stolberg : EWV hebt den Strompreis an

Die EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH (EWV) mit Sitz in der Kupferstadt Stolberg hebt den Strompreis im Grundversorgungstarif für Privat- und Gewerbekunden zum 1. April an. „Es ist die Entwicklung der Vorkosten, die uns zu diesem Schritt veranlassen“, sagt Axel Kahl, Vertriebsleiter der Energie- und Wasser-Versorgung GmbH (EWV).

Er war aufgrund der Prognosen bereits im vergangenen Jahr absehbar, erklärt Kahl weiter: „Seit Anfang des Jahres liegen die steigenden Abgaben aufgrund der gesetzlichen Auflagen konkret vor“. Zum 1. April hat der Stolberger Versorger den Strompreis im Grundversorgungstarif für Privat- und Gewerbekunden an.

Für Privatkunden steigt der Arbeitspreis um 0,86 Cent pro Kilowattstunde auf 29,48 Cent, der Grundpreis bleibt unverändert. „Für den Musterkunden mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh bedeutet dies ein Plus von rund 2,50 Euro pro Monat“, nennt Kahl Beispielzahlen. Kunden mit langfristigen Verträgen über 12 oder 24 Monate sind von der Erhöhung nicht betroffen. Sie machen im Versorgungsgebiet von Städteregion und Kreis Düren etwa ein Drittel aus. „Weitere Anbieter werden diesem Beispiel der EWV folgen müssen“, glaubt Axel Kahl. Denn es seien die Vorkosten und nicht die Beschaffungspreise, die die Versorger zu diesem Schritt zwingen würden, so der EWV-Vertriebsleiter weiter gegenüber unserer Zeitung.

Mit der Preisanpassung bleiben wir unter dem Anstieg der Vorkosten“, erläutert Kahl. „Sie steigen um fast einen Cent“, werden aber nicht komplett weitergegeben. „Einen Teil können wir aufgrund günstigerer Beschaffungskosten für Strom kompensieren“, so Kahl.

Es sind in erster Linie die aufgrund der zunehmenden Nutzung regenerativer Energie gestiegenen Umlagen, die zu einer Verteuerung im Vorkostenbereich führen. Die Umlage aufgrund des Erneuerbare Energie Gesetz ist von 7,342 auf 7,561 Cent/kWh, die Umlage für Krafwärmekoppelung von 0,302 auf 0,53 Cent/kWh, die für die Offshore-Haftung von -0,061 auf 0,048 Cent/kWh gestiegen; die Abgaben aufgrund der Stromnetzgeld-Verordnung erhöhen sich von 0,282 auf 0,048 Cent/kWh, das Netznutzgeld von 4,94 auf 5,14 Cent/kWh. Konstant bleiben lediglich die Stromsteuer mit 2,44 Cent/kWh und die Konzessionsabgabe mit 1,89 Cent/kWh. Minimal von 0,007 auf 0 Cent gesunken ist die Abgabe für abschaltbare Lasten. Das macht in der Summe einen Anstieg um 0,92 auf 18,059 Cent/kWh im Vergleich zum Vorjahr.

Im Vergleich dazu trägt der Grundversorgeranteil für Strom inklusive Beschaffung und Aufwand der EWV mit 11,42 Cent/kWh mit etwas mehr als einem Drittel zu den Kosten für den Verbraucher bei. „Die Preisanpassung im Grundversorgungstarif konnten wir nicht weiter aufschieben“, sagt Kahl. Grundversorger ist stets das Energieunternehmen, das die meisten Haushaltskunden im Netzgebiet versorgt. Als Grundversorger hat die EWV spezielle Aufgaben in ihrem Gebiet zu leisten.

Sie ist verpflichtet, jeden Haushaltskunden zu versorgen. Dadurch entstünden höhere Kosten, zum Beispiel durch ein höheres Risiko in der Strombeschaffung, da die Grundversorgungsverträge jederzeit mit kurzer Frist kündbar und somit nicht langfristig planbar seien. Auch deshalb würden die Grundversorgungstarife generell höher als andere Tarife liegen.

Ein Drittel der Kunden der EWV haben sogenannte Fix-Verträge mit langfristigen Laufzeiten abgeschlossen. Sie profitieren, wenn sie mittelfristig mit konstanten Kosten kalkulieren wollen und werden jetzt nicht von der Erhöhung des Strompreises betroffen. „Wir haben unser Portfolio aus aktuellem Anlass noch einmal übersichtlicher gestaltet“, erklärt Produktmanager Jörn Niespor. Die Produkte stünden allen Kunden offen: vom kostengünstigen Online- über unterschiedliche Laufzeiten bis hin zum Komfort-Angebot mit Beratung in den eigenen vier Wänden - inklusive der Variante Ökostrom zu beziehen. Andere Kunden ziehen es vor, flexibel reagieren zu können oder sind halt nun einmal auf die Grundversorgung angewiesen,

Die aktuelle Entwicklung an der Strombörse ist allerdings aufgrund des bestehenden Überangebotes dieser Energie von sinkenden Strompreisen gekennzeichnet. „Das spüren unsere Kunden dadurch, dass wir Schwankungen auffangen und die Steigerung auf der Vorkostenseite nicht in Gänze weiter geben“, erläutert Dr. Oliver Skubs. Das liege daran, dass die EWV den Strom an der Börse langfristig beziehe und vorausschauend bestelle. „Was heute eingekauft wird, beziehen wir erst in drei Jahren“, so der Abteilungsleiter Energieeinkauf. Mit einer solchen über Jahre gestaffelten Einkaufspolitik möchte der Versorger Schwankungen im Strompreis minimieren, die anderenfalls immer wieder kurzfristig an die Kunden weitergegeben werden müssten.

So hat das Stolberger Versorgungsunternehmen zuletzt zum 1. Januar 2013 die Preise angepasst; seinerzeit auf 0,2862 Euro/kWh. Zuvor war zum 1. April 2012 ein Anstieg auf 0,2547 Euro/kWh vollzogen worden. Bei derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen erwartet Dr. Skubs ein immer größer werdenden Delta für die Versorgungsunternehmen zwischen sinkenden Strompreisen aufgrund des Überangebotes bei der Beschaffung und den steigenden Abgaben aufgrund des wachsenden Anteils des subventionierten Strom aus erneuerbare Energie.

(-jül-)