Euro: Praktisch im Urlaub - aber sonst?

Euro: Praktisch im Urlaub - aber sonst?

Hückelhoven (an-o) - Ein Jahr und einen Tag halten wir ihn jetzt in der Hand, den Euro. Doch ist er wirklich ein würdiger Nachfolger für die D-Mark? Die "Nachrichten" haben einmal nachgefragt: Euro oder doch Teuro?

"Mit dem Euro ist das Volk betrogen worden", so Angelika Porombka (44) Hausfrau aus Hückelhoven. "Durch die Bank ist fast alles teurer geworden. Besonders bei den Lebensmitteln." Dabei denkt sie zum Beispiel daran, was sie noch zu D-Mark- Zeiten für einen einfachen Kopfsalat bezahlt hat und was sie jetzt dafür berappen muss.

Auch der 34-jährige Michael Küpper ist dieser Meinung. "Der Einzelhandel betrügt uns", so der Hückelhovener Maurer. "Die Preise sind teilweise um 100 Prozent gestiegen."

Auch Doris Darius ist die Währung, die gestern ihren ersten Geburtstag als reales Zahlungsmittel feierte, schon jetzt negativ belastet. "Der Euro ist ein Teuro", sagt sie. "Aber es ist wie so oft: Wir, das Volk, wurde nicht gefragt, ob wir das neue Geld überhaupt haben wollen." Die 56-jährige Hausfrau geht sogar noch weiter: Für sie ist die neue Währung eine einzige "Katastrophe". Ihre Empfehlung: "Wenn die EU nicht zu Grunde gehen soll, dann muss Deutschland sich wieder aus dem Euro zurückziehen." Über sich selbst sagt sie, dass sie "im Kopf immer noch in D-Mark" rechnet.

In bester Gesellschaft

Damit befindet sie sich übrigens in bester Gesellschaft: Rund 80 Prozent der Deutschen rechnen, zumindest bei höheren, wichtigeren Beträgen, immer noch mit Mark und Pfennig. Der 29-jährigen Erzieherin Katja Weseloh aus Doveren geht es ähnlich wie den zuvor Genannten. "Mir kommt es so vor, als wären auf den Preisschildern einfach nur die Buchstaben vor dem Betrag ausgetauscht worden: Euro statt Mark." Doch eine gute Sache kann sie der Europa-Währung dann doch abgewinnen: "Es ist natürlich schön, im Ausland nicht mehr groß umrechnen zu müssen. Im Urlaub war das immer ein wenig umständlich: Wie viel sind Mark jetzt in Schilling oder Peseten?"

Eine ganz andere Meinung hat da Dr. Elisabeth Walbert-Mataré (58). Die Lehrerin aus Doveren hält den Euro für eine "tolle Sache". Für sie ist das Gerede über den Teuro "nur durch Gefühle bedingt, nicht aber durch Kontrolle". Jedoch räumt sie ein: "Natürlich hat es Preissteigerungen gegeben, besonders im Bereich der Dienstleistungen." Im Durchschnitt jedoch glaubt sie nicht, dass Euro gleich Teuro wirklich zutrifft. "Wer weiß, ob sich die Teuerungsrate nicht auch bei der D-Mark bemerkbar gemacht hätte?" gibt sie zu bedenken. "Mal abgesehen davon, dass der Euro bei Auslandreisen für uns unglaublich praktisch ist. Für die Wirtschaft hätte es nichts besseres geben können. Das hat den Handel, gerade den europäischen, sehr vereinfacht."