"Es gilt: Geht nicht, gibts bei uns nicht"

"Es gilt: Geht nicht, gibts bei uns nicht"

Erkelenz (an-o) - "Wie sind die Aussichten für die Jugendlichen, die bisher noch nicht untergekommen sind?" Diese Frage stellten wir den Berufsberatern des Arbeitsamts, Frank Pint und Beate Görtz-Jennes.

Nachrichten: Wie viele Stellen sind noch frei?
Pint: Es gibt sicher noch offene Ausbildungsplätze. Aber die Ansprüche der Arbeitgeber müssen berücksichtigt werden. Den Stellen steht ein ganzer Haufen Bewerber gegenüber, die aber teilweise schon "Warteschleifen" ins Auge gefasst haben.
Görtz-Jennes: In unserem Bezirk herrscht ein Ungleichgewicht. Die Bewerber müssen bereit sein, auch mal Richtung Aachen zu fahren.

Nachrichten: Werden die Ansprüche der Chefs höher?
Görtz-Jennes: Viele Arbeitgeber machen es nicht an dem Schulabschluss fest, sondern erwarten Engagement und bestimmte Tugenden, wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.
Pint: Aber bei den Trendberufen, den IT-Berufen (Informationstechniker, Anm. d. Red.), werden von den Arbeitgebern hohe Ansprüche gestellt.

Nachrichten: Welche Berufe sind derzeit besonders beliebt?
Pint: Im Trend sind immer noch die kaufmännischen Berufe. Das Handwerk hat noch Schwierigkeiten, obwohl das da auch besser geworden ist.

Nachrichten: Gibt es Berufsgruppen, die überhaupt keine Lehrlinge finden?
Görtz-Jennes: Generell auf keinen Fall. Es gibt Berufe, die Probleme haben. Der Fleischer zum Beispiel, oder Hotel- und Gaststättenberufe. Grundsätzlich gilt aber: Geht nicht, gibtÕs bei uns nicht.

Nachrichten: Noch mal zurück zu den IT-Berufen. Zur Orientierung: Wie viele Bewerber kommen da auf eine Stelle?
Görtz-Jennes: Beispielsweise beim Systemelektroniker hatten wir 27 Stellen und 96 Bewerber.
Pint: Ich denke, dass es eher noch mehr Bewerber sein werden, da sich viele nicht nur für einen Beruf bewerben.

Nachrichten: Man hört ja ab und zu, dass Chefs Probleme mit Ihrer Vermittlung haben.
Görtz-Jennes: Wir sind auf die Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber angewiesen. Wenn wir keine Anhaltspunkte haben, kommen unter Umständen Leute beim Arbeitgeber an, die, vorsichtig gesagt, nicht ganz in sein Schema passen. Dann heißt es: "Wen schicken die uns?"

Nachrichten: Begrüßen Sie die Lehrstellenaktionen, die derzeit durchgeführt werden, zum Beispiel von den "Nachrichten"?
Pint: Jede Aktion, die in irgendeiner Form dazu führt, dass der Jugendliche einen Ausbildungsplatz findet, ist begrüßenswert.

Nachrichten: Wo haben sie noch Stellen zu vermitteln?
Görtz-Jennes: Gute Chancen gibt es noch im Metall-Bereich, also zum Beispiel Industriemechaniker, aber auch als Maler und Lackierer, Einzelhandelskaufleute oder Fachverkäufer. Gesucht werden zudem Installateure, Heizungsbauer und andere Handwerker.

Nachrichten: Gibt es noch einen Rat, den Sie den Jugendlichen mit auf den Weg geben möchten?
Pint: Wenn noch keine Perspektive für das kommende Ausbildungsjahr da ist, sollte man schnellstmöglich zur Beratung kommen. Wir können hier über die Möglichkeiten informieren.