Kreis Heinsberg: Erwarteter Riesenansturm auf neue Kennzeichen bleibt aus

Kreis Heinsberg : Erwarteter Riesenansturm auf neue Kennzeichen bleibt aus

Einen riesigen Ansturm gab es am Montagmorgen zwar nicht im Straßenverkehrsamt der Heinsberger Kreisverwaltung. 25 Personen, die im Vorraum der Zulassungsstelle auf die Öffnung um acht Uhr warteten, waren aber immerhin doppelt so viele wie an normalen Arbeitstagen. Wie berichtet wurden am Montag neben denjenigen mit dem bekannten HS auch die früheren Kfz-Kennzeichen ERK und GK im Kreis Heinsberg wieder ausgegeben.

Die Nummer eins hatte Christoph Stolzenberger, Kulturmanager in der Kultur GmbH der Stadt Erkelenz. „Mich wundert, dass nicht noch 500 mehr da sind“, lachte er. Für ihn als „lokaler Patriot“ sei es selbstverständlich gewesen, sofort nach der Zulassung durch das Bundesverkehrsministerium sein Wunschkennzeichen mit ERK zu reservieren. Dabei verzichtete er anders als bei seinem bisherigen Nummernschild sogar auf seine Initialen, sondern entschied sich für ein „A“ im Buchstabenfeld. „Das ist doch doppelte Verbundenheit“, schmunzelte er sein „ERK-A 667“ an, das für die Erka-Stadt steht.

Ihm gegenüber im Warteraum saß Heinz Leufen aus Geilenkirchen. „Ich hab‘ mit GK angefangen. Meine ersten zwei Fahrzeuge hatten ein GK-Kennzeichen“, erklärte er. Klar doch, dass er sein GK da schnellstmöglich wiederhaben wollte.

Alfred Theißen, Leiter des Straßenverkehrsamtes, und Helmut Görtz Sachgebietsleiter für die Zulassungsstelle, saßen derweil im Büro nebenan und beobachteten das Geschehen am Computer. Nach einer halben Stunde waren schon 30 Fahrzeuge mit den neuen Kennzeichen zugelassen, 16 mit ERK und 14 mit GK. Ein absolutes Novum sind deren Nummernschilder auf den Straßen der Region jedoch nicht. Immerhin gibt es aus der Zeit vor der kommunalen Neugliederung noch 146 Fahrzeuge, die auf ERK zugelassen sind und sogar 213 mit GK.

Insgesamt waren vor der ersten Ausgabe am Montagmorgen 3909 Kennzeichen mit den beiden wieder erhältlichen Buchstabenkombinationen am Anfang bestellt worden. Von den 2878, die via Internet reserviert worden waren, lauteten 1845 auf ERK und 1033 auf GK. Viele Menschen hätten angerufen, um genau das Kennzeichen wieder zu bekommen, das schon vor 40 Jahren oder mehr ihr Auto geziert hätte, erzählte Görtz. Andere wollten es für ihren Oldtimer wiederhaben. Vor allem viele türkische Mitbürger in Hückelhoven werde es sicherlich freuen, bald mit ihrem kompletten Vornamen herumfahren zu können, nannte Görtz die Kombination „ERK-AN“ als Beispiel.

Aber auch ganz verrückte Wünsche gab‘s. Etwa den eines Fans der Mönchengladbacher Borussia. „MG 1900“ war natürlich seine Buchstaben-Zahlenkombination. Mit HS davor war ihm das Kennzeichen gestohlen worden und seitdem gesperrt. Mit ERK ging es nicht, „ein Zeichen zu viel“, so Theißen. Aber mit GK davor wird er seinen Verein künftig wieder auf seinem Auto spazieren fahren können. Obwohl der Fan gar nicht in Geilenkirchen wohnt. Aber das spielt keine Rolle, wie Theißen erklärte.

Wer im Kreis Heinsberg wohnt, hat jetzt die freie Wahl zwischen ERK, GK oder HS am Anfang des Kennzeichens. „20 Millionen Möglichkeiten, mehr als in München“, lachte Görtz. Auch einen Aufpreis verlangt die Zulassungsstelle für die beiden neuen Varianten nicht. Wer kein Wunschkennzeichen reserviert, erhält es zum gleichen Preis wie ein nicht reserviertes Kennzeichen mit dem bekannten HS.

Mit den „Vorzeichen“ ERK sind jetzt übrigens auch ganz kurze Kombinationen mit nur einem Buchstaben und einer Zahl möglich. Entsprechende Kombinationen mit HS oder GK sind dagegen der Kennzeichnung von Importfahrzeugen vorbehalten, „wegen der kleineren Kennzeichen-Aufnahmefelder am Fahrzeug“, so Theißen.

Insgesamt nahmen Theißen und Görtz die neue Situation am Montagvormittag ganz gelassen, obwohl sie beide im Vorfeld keine Befürworter der erweiterten Wahlmöglichkeiten in puncto Kennzeichen gewesen waren. „Fachlich sprach überhaupt nichts dafür“, so Theißen. Nur mehr Arbeit war es, berichtete Görtz. Die neuen Kombinationsmöglichkeiten hätten ja erst einmal alle in den Computer eingepflegt werden müssen. Man habe zwar viele Sicherungen eingebaut, aber dennoch müssten die Mitarbeiter in der Zulassungsstelle am Anfang sehr gut aufpassen, dass es nicht zu Fehlern komme. Bei der Bearbeitung müssten die beiden Buchstaben HS nämlich immer mit den neuen Kürzeln ERK oder GK überschrieben werden. Aber alles lief glatt beim ersten Tag mit drei unterschiedlichen Kennzeichen in der Heinsberger Zulassungsstelle. Am Ende waren die Besitzer von 95 Fahrzeugen mit neuem ERK-Kennzeichen sicherlich ebenso glücklich wie die der 57 Fahrzeuge, die jetzt mit einem GK-Nummernschild unterwegs sind.