Städteregion: Erster Sozialplan der Städteregion liegt vor

Städteregion : Erster Sozialplan der Städteregion liegt vor

In welcher Kommune oder welchem Stadtteil ist Langzeitarbeitslosigkeit ein großes Problem? Gibt es Kommunen oder Stadtteile, in denen besonders viele Alleinerziehende leben, besonders viele ältere oder besonders viele jüngere Menschen?

Wo leben in der Städteregion die meisten Menschen mit ausländischen Wurzeln? Gibt es Kommunen und Stadtteile, in denen Armut von Kindern oder älteren Menschen überdurchschnittlich hoch ist? Eine Menge Zahlen zu diesen und vielen anderen Fragen liefert der erste Sozialplan für die Städteregion.

Der Sozialplan ermöglicht einen detaillierten Blick auf ausgewählte Lebenslagen der Menschen in den zehn Kommunen, meist sogar heruntergebrochen auf die 93 sogenannten Sozialräume, in die die Kommunen unterteilt wurden. Eines aber kann das 190 Seiten starke Werk nicht, wie Sozialdezernentin Prof. Edeltraud Vomberg in ihrem Vorwort schreibt: schnelle Antworten auf die sozialpolitischen Herausforderungen liefern. Dazu bedarf es vertiefender Analysen. Dennoch: Der Sozialplan bietet erstmals die Möglichkeit, auf der Basis seriöser Daten zu schauen, wo sozialpolitisch Handlungsbedarf besteht, und somit die auch im Sozialbereich meist knappen Gelder für Projekte und Maßnahmen zielgenauer einzusetzen.

Wie das konkret aussehen könnte, erläuterte Vomberg im Sozialausschuss am Beispiel der Bildungszugabe, mit der die Städteregion den Besuch außerschulischer Bildungseinrichtungen und kultureller Angebote für Kinder und Jugendliche fördert. „Wir können anhand der Daten jetzt genau sehen, wo Kitas und Grundschulen das Angebot wenig oder gar nicht nutzen.

Das Bildungsbüro beschäftigt sich schon intensiv mit der Frage, wie Impulse gesetzt werden können.“ Insbesondere dort, wo viele Kinder in Familien leben, die von Armut bedroht sind. Denn auch das zeigt der Sozialplan nun deutlich: Bildungschancen hängen klar vom Bildungsstand und der Einkommenssituation der Eltern ab. So wechseln Kinder von Eltern ohne Armutsrisiko und mit einem höheren Bildungsniveau deutlich häufiger von den Grundschule auf ein Gymnasium als andere Kinder.

Auch für die Beurteilung, wo es an Einrichtungen für Pflegebedürftige mangelt, liefert der Sozialplan mit seinen kartografischen Darstellungen mehr Klarheit. „Die Kommunen können jetzt genau ablesen, in welchem Sozialraum wie viele ältere Menschen wohnen und ob es in dem Umfeld genügend Angebote gibt.“ Für Alsdorf etwa zeige sich, dass im Bereich Zopp, Duffesheide, Reifeld oder auch Broicher Siedlung mit einem Bevölkerungsanteil von 26,5 bzw. 29 Prozent über 65-Jähriger relativ weite Wege — deutlich über zwei Kilometer — zu Tagespflegeeinrichtungen zurückzulegen sind. Mit solchen Daten könnten Kommunen und Anbieter von Pflegeplätzen besser planen, so Vomberg. Das gelte auch für die Auflage eines kommunalen Beschäftigungsprogramms für Langzeitarbeitslose, wie es der Städteregionstag Ende 2017 beschlossen habe.

Grundlage für solche kleinräumigen Analysen ist die Einteilung der Städteregion in Sozialräume. Ein Sozialraum ist ein kommunaler Bereich, „der sich sowohl an sozialen Beziehungen und Gegebenheiten einer Anzahl an Menschen der Gesellschaft mit bestimmten gemeinsamen Merkmalen als auch an städtebaulichen und wohnungsmaktspezifischen Kriterien orientiert“. Ein Sozialraum kann, muss aber demnach nicht identisch mit einem Stadtteil sein. Mit Unterstützung des geografischen Institutes der RWTH Aachen und in enger Abstimmung mit den Kommunen haben Sozialplanerin Antje Rüter und ihr Team im Amt für Inklusion und Sozialplanung die Städteregion in insgesamt 93 Sozialräume aufgeteilt, wobei die 14 in der Stadt Aachen bereits feststanden, da die Stadt Aachen schon länger sozialräumlich plant. In der Eifel sind aufgrund der homogeneren Bevölkerung wenige, große Sozialräume definiert worden.

Eine Erkenntnis sticht bei der Analyse des Zahlen- und Kartenmaterials laut Rüter heraus: „Eigentlich ist es nirgendwo wie im Durchschnitt.“ Die Unterschiede zwischen den Sozialräumen seien oft größer als die Unterschiede zwischen den Kommunen. Sozialräume unterschiedlicher Kommunen wiesen Herausforderungen in vergleichbarer Größenordnung auf. Und schwierige Lebenslagen seien räumlich ungleich verteilt, konzentrieren und häufen sich aber in bestimmten Sozialräumen. Arbeitslosigkeit, insbesondere Langzeitarbeitslosigkeit, sei erwartungsgemäß eher in den vier größten Städten ein großes Problem, sagte Rüter im Ausschuss, „allerdings nicht nur in den Zentren, sondern auch in eher ländlichen Räumen“.

Uneingeschränktes Lob zollten alle Fraktionen der Verwaltung für die Erarbeitung des umfangreichen Zahlen- und Kartenwerks. Jetzt müsse es darum gehen, aus den Daten gemeinsam mit den Kommunen und Wohlfahrtsverbänden Handlungsempfehlungen abzuleiten. Das hatte auch die Sozialdezernentin angekündigt. Ein erster Schritt werde bei der Sozialkonferenz am 19. März erfolgen. Zudem werde die Verwaltung mit den Verbänden sprechen. Auch werde eine Abstimmung mit allen Fachplanungen in der Verwaltung erfolgen. Gefordert seien aber vor allem die Kommunen, diese müssten prüfen, wo sie für sich Handlungsbedarf sehen. „Das ist durchaus komplex.“ Die Städteregion werde die Kommunen dabei auf Wunsch unterstützen.

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